Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

The Man-Eating Tree: Vine

Melancholische Ohrwürmer mit überragendem Gesang
Wertung: 8.5/10
Genre: Progressive Metal/Gothic Metal
Spielzeit: 50:25
Release: 24.09.2010
Label: Century Media

Während sich ex-Sentenced-Frontmann Ville Laihiala mit Poisonblack schon seit längerem wieder in der Musikszene etabliert hat, kehrt nun auch Vesa Ranta, seines Zeichens ehemaliger Schlagzeuger der finnischen Metal-Legende, mit seiner neuen Band The Man-Eating Tree wieder zum musikalischen Schaffen zurück. Erinnern gerade die aktuellen Alben von Poisonblack sehr stark an die Northern Most Killers, haben The Man-Eating Tree einen ganz eigenen Sound und erinnern nur stellenweise an die alte Band des Drummers.

Selbst beschreibt die Truppe ihre Musik als „Atmospheric Metal“ - eine Bezeichnung, die ohne Frage perfekt zu der Musik passt, denn es fällt tatsächlich recht schwer, die melancholischen Klänge des Quintetts in ein festes Genre einzuordnen. Balladeske Passagen sind ebenso häufig vorhanden wie harte Riffs, die von sphärischen Keyboards und Piano-Klängen untermalt werden. Typisch finnische Trademarks wie die Kombination aus Schwermut und eingängigen Melodien sind natürlich ebenfalls vorhanden, so dass eine Platzierung in den heimischen Charts sicher sein sollte – trotz aller Eingängigkeit sind die Melodien jedoch stets stilvoll in die Songs eingebunden. Einen weiteren großen Teil der Identität der Band macht ex-Fall-Of-The-Leafe-Sänger Tuomas Tuominen aus, der nicht nur einen einzigartigen Klang in der Stimme besitzt, sondern diese auch sehr eigenwillig einsetzt. Man mag von dem klagenden, hohen Gesang halten was man will, aber der Frontmann ist in Sachen Emotion dem größten Teil seiner Kollegen weit voraus und verfügt trotzdem über ein gehöriges Maß an Stimmbeherrschung.

„Lathing A New Man“ repräsentiert zu Beginn schon perfekt den Stil der Band: Nach einem ruhigen Intro folgen harte Riffs, bevor die ruhige, melancholische erste Strophe einsetzt, in der das erste Mal Tuomas' ausdrucksstarkes Organ zu bewundern ist, das hier noch sehr zerbrechlich wirkt. Im Refrain wird es dann deutlich kraftvoller und der Sänger schlägt auch einige aggressivere Töne an, während die dezent eingesetzten Keys die Melodieführung gekonnt unterstützen. Mit „The White Plateau“ steht ein vielschichtiger Song an zweiter Stelle des Albums, der in den Versen durch die interessanten Gitarren-Melodien eine mysteriöse Stimmung erzeugt und erneut in einen eingängigen Chorus mündet. Progressivere Anklänge besitzt „The Longitude Of Sleep“, das sich lange Zeit als ruhiges, depressives Stück mit hervorragendem Gesang gibt und eine unwiderstehliche Atmosphäre aufbaut – gegen Ende jedoch wechselt Tuomas plötzlich in eine energetische Tonlage und leitet ein starkes Gitarren-Solo ein, das nicht wenig an Sentenced erinnert.

Diese Wechsel zwischen harten Passagen und getragenen, schwermütigen Teilen gelingt der Band die komplette Spielzeit über hervorragend, so auch in „King Of July“: Besteht das Intro noch lediglich aus zarten Piano-Klängen, löst nach einiger Zeit brachiales Gitarrenspiel die Ruhe ab – überraschend in der Wirkung, aber fließend umgesetzt. Auch „Of Birth For Passing“ bietet reichlich Variation und zählt zudem zu den melancholischsten Stücken des Albums, was nicht zuletzt dem schleppenden Tempo und dem großartigen, leidenden Gesang zu verdanken ist. Während genannte Tracks durchaus ein wenig Einarbeitungszeit verlangen, bläst man mit der ersten Single-Auskopplung „Out Of The Wind“ zum Angriff auf die Charts – die Nummer erinnert nicht nur verstärkt an die alte Band Vesa Rantas, sondern zeigt sich auch als ebenso melancholischer Ohrwurm, wie die Finnen ihn so oft schrieben. Nach dem gelungenen The-Moody-Blues-Cover „Nights In White Satin“, das relativ nah am Original bleibt, wird der Härtegrad gegen Ende mit „Instead Of Sand And Stone“ und „Amended“ noch einmal deutlich hochgeschraubt, während in „Tide Shift“ neben den verzerrten Gitarren auch deren akustisches Pendant steht.

Wer erwartet, Vesa Ranta würde mit The Man-Eating Tree auf den Spuren von Sentenced wandeln, wird zumindest was die musikalische Ausrichtung betrifft, enttäuscht – bei der Qualität hingegen sieht es schon ganz anders aus, denn hier steht die Band den Finnen mit dem schwarzen Humor in nichts nach. Die Truppe um den erfahrenen Schlagzeuger zeigt sich perfekt aufeinander eingespielt und schafft sich einen eigenen Sound, ohne komplett neue Wege zu gehen. Mit Tuomas Tuominen hat man außerdem einen absoluten Ausnahme-Sänger an Bord, der mit seiner ungewöhnlichen Stimme die Musik noch einmal deutlich von anderen ähnlich gelagerten Formationen abhebt. Freunde von melodischem, atmosphärischem Metal können hier blind zugreifen und auch alle Sentenced-Anhänger, die an diesen vor allem die Melancholie in den Songs schätzten, sollten ruhig einmal ein Ohr riskieren.

comments powered by Disqus

Werkschau einer der größten und einflussreichsten Rockbands aller Zeiten

Wie mit einer Ex-Freundin

Willkommen in der Husumer Sauna