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The Man-Eating Tree: Harvest

Fortschritte im Detail, Stagnation im Gesamtbild
Wertung: 8/10
Genre: Gothic Metal, Progressive Metal
Spielzeit: 53:38
Release: 25.11.2011
Label: Century Media Records

Während Ex-Sentenced-Frontmann Ville Laihiala mit Poisonblack zunehmend mit einer dreckigen Rock'n'Roll-Schlagseite Vorlieb nimmt, widmete sich Vesa Ranta, seines Zeichens ehemaliger Drummer der Nordlichter, mit The Man-Eating Tree ganz und gar der schwermütigen Seite seiner Wurzeln und qualifizierte mit dem starken Debüt „Vine“ seine neue Band für viele Fans als legitimen Sentenced-Nachfolger. Nur wenig mehr als ein Jahr hat es gedauert, bis die Truppe nun ihr zweites, auf den Namen „Harvest“ getauftes Werk vollendet hat, das dem eingeschlagenen Weg sowohl in Sachen Stil als auch Qualität treu bleibt.

Gewandelt hat sich dabei seit „Vine“ nicht viel, denn großartigen Veränderungen scheinen die Finnen eindeutig abgeneigt zu sein. Wie auf dem Vorgänger dominiert melodischer Metal mit einigen progressiven Anklängen, der sich aber in erster Linie durch seine herzzereißend melancholische Gangart auszeichnet, die nicht zuletzt durch die unverwechselbare Stimme Tuomas Tuominen ihr Gesicht erhält – auch wenn der Frontmann mit seinem exzentrischen Gesangsstil, bei dem Töne munter gebrochen und gezerrt werden, und seinem eigenwilligen Timbre nach wie vor für gespaltene Meinungen sorgen wird, macht der Sänger fraglos den Charme der Finnen aus und überzeugt all jene, die etwas mit seinem Organ anzufangen wissen, mit einer passionierten Leistung am Mikro.

Selbstverständlich macht auch der Rest der Band eine gute Figur und zelebriert die inzwischen bis zum Umfallen zitierte finnische Melancholie routiniert und doch authentisch, wobei das tadellose Songwriting den Spannungsbogen stets aufrechterhält und mit geschickten Wechselspielen für einige besonders emotionale Momente sorgt. Nach dem von cleanen Gitarren bestimmten Intro „Harvest Bell“ folgt mit „At The Green Country Chapel“ dann auch der wohl bestmögliche Einstieg – mit über sechs Minuten recht lang geraten und im schwermütigen Midtempo gehalten, zeigt der Opener alle Tugenden der Band auf und will mit leidendem Gesang und dem großartigen Chorus kaum noch aus den Gehörgängen weichen, während die harten, Alternative-artigen Riffs gegen Ende des Songs noch einen gelungenen Kontrast zur sonstigen Ausrichtung bieten.

„Code Of Surrender“ und die eingängige Video-Auskopplung „Armed“ setzten das Album nicht minder stark fort und bestechen erneut durch Ohrwurm-Refrains und in ersterem Fall einige schöne Keyboard-Passagen, zumal in beiden Tracks das dynamische Gitarrenspiel für einen Sentenced-artigen Drive sorgt. Obwohl die Qualität im Laufe der Spielzeit nicht merklich sinkt, prägen sich die Melodien gegen Ende immer weniger ein und auch die wirklich berührenden Momenten scheinen spärlicher gesät zu sein. Zwar werden mit dem doomigen „Exhaled“, das auch in sich selbst mit einer minimalistischen Gitarrenpassage und dem fordernden Refrain recht abwechslungsreich geraten ist, oder den aggressiveren Tönen in „Down To The Color Of The Eye“ samt starkem Solo einige Versuche unternommen, mehr Variation ins Spiel zu bringen, funktionieren tut dies im Endeffekt aber nur bedingt, zu ähnlich sind die meisten Stücke dazu gestrickt.

Einzeln gesehen stellen die Songs so durchaus eine Verbesserung im Vergleich zum Debüt dar, denn sowohl songwriterisch als auch in puncto Hooklines hat man sich noch einmal steigern können, im Kontext des gesamten Albums allerdings findet sich so manche langatmige Strecke. Mit etwas Geduld kristallisieren sich jedoch immer mehr starke Momente auf „Harvest“ heraus, so dass man als Freund elegischen, melodiebetonten Metals problemlos über diesen Mangel hinwegsehen kann – Sentenced-Fans und denjenigen, denen schon „Vine“ gefiel, kann man das zweite Werk der Finnen im übrigen sowieso ausnahmslos ans Herz legen.

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