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The Legion:Ghost: ...Two For Eternity

Definitiv kein Modern-Metal-Schreckgespenst
Wertung: 8/10
Genre: Modern Metal
Spielzeit: 51:45
Release: 30.09.2016
Label: Noizgate Records

The Legion:Ghost (ehemals Koroded, für alle Nostalgiker) haben sich dem modernen Metal verschrieben. Grauenhafte Erinnerungen tun sich da auf, von den einstmals geliebten Sonic Syndicate, die zeitweise in die belanglose Synthie-Schwurbelei abgeglitten waren; (akustische) Schreckensvisionen von high pitched und bis zur Unkenntlichkeit bearbeitetem Klargesang mit geklemmten Eiern. All das verpackt in überproduzierte, als „transparent“ angepriesene, aber einfach nur ausgelutscht wirkende Gitarren und ein Schlagzeug, das wie ein Drumcomputer klingt (obwohl es sich tatsächlich um ein echtes handelt). Da rollen sich einem doch die Zehnägel hoch.

Jetzt sprechen bei den Rheinländern mehrere Punkte dagegen, das oben genannte Grauen erneut erfahren zu müssen: Erstens steht im Line-Up zumindest schon mal kein Keyboarder auf der Liste (wobei das nichts zu heißen hat, nutzen doch auch The Legion:Ghost reichlich Samples). Zweitens stehen die Herren bei Noizgate Records unter Vertrag, die doch eher weniger dazu neigen, sich so peinliches Liedgut auf die Fahnen zu schreiben. Und zu guter Letzt muss aufgeführt werden, dass das Quintett mit wesentlich mehr Schmackes daherkommt als beispielsweise die schwedischen Kollegen.

Ein bisschen gesunde Skepsis ist aber auch beim Legion-Debüt „…Two For Eternity“ angebracht. 13 Songs bieten die Jungs aus dem Aachener und Kölner Raum an, da kann man quantitativ schon mal nicht meckern, zumal die Band erst seit Anfang 2015 existiert – im Juni wurde dann erst der Kontrakt mit Noizgate geschlossen. Dennoch: Etwas weniger Samples hätten gutgetan. Ist natürlich Geschmackssache, manchen kann es ja gar nicht genug Keyboardteppich sein; The Legion:Ghost kriegen aber zum Glück in den meisten Songs nochmal die Kurve, um nicht in opernhaften Pathos abzugleiten.

„The Atomos“ ist so ein Track, der ohne viele Schnörkel auskommt und trotzdem nicht nur im Gehirn hängen bleibt, sondern auch nach mehrmaligem Hören noch richtig Spaß macht; eingeleitet von einer unheilvollen Gitarrenspur nimmt der Song nur gemächlich Fahrt auf, was ihn aber umso bedrohlicher erscheinen lässt. Kevins unmenschliches Geschrei trägt wenig zum allgemeinen Wohlbefinden bei, die Gänsehaut pellt sich langsam in Richtung Außenwelt – ein geiler Track. Dabei sah es am Anfang noch gar nicht so rosig aus für das rheinländische Quintett, gerade das Intro zum Opener „MyPrivacy.com“ (wobei es hier einen Extrapunkt für den Titel geben müsste) klingt nämlich eine Spur zu vorhersehbar, in der folgenden Strophe holen die Jungs dann aber die Peitsche heraus, um im Refrain wieder in einen klaren, leider ein wenig zu getragenen Gesang überzuwechseln. Aber: Hier zeigt sich schon mal die stimmliche Kapazität und Wandlungsfähigkeit des Fronters.

Wesentlich flotter kommt „The End Of Tides“ aus dem Boxen, auch hier im Refrain recht typischer Modern Metal, allerdings durch den starken und undurchdringlichen Instrumentalteppich eine Spur geheimnisvoller als man es sonst gewohnt ist. Überhaupt geben sich The Legion:Ghost große Mühe, auch unkonventionellere Instrumentalpassagen und –kombinationen auszuprobieren: Ein gutes Beispiel hierfür ist „Third World Insurance“, das zwischendurch ein bisschen an die persischen Deather Acrassicauda erinnert.

„Black Rain“ tendiert dann in kurzen Passagen ebenfalls gegen Death Metal, Kevins Growls bilden da genau die richtige Basis. Das finale „Nemesis“ ballert dann noch mal ordentlich nach vorne, verbaut sich allerdings den Status als Anspieltipp mit einem recht faden, klaren Zwischengesang. Schade, aber insgesamt ist „…Two For Eternity“ erfreulich weit von einem Modern-Metal-Schreckgespenst entfernt. Wenn die Jungs noch eine Spur mehr auf die deftigen Schreie ihres Fronters setzen, kann dem Ruhm nichts mehr im Wege stehen – instrumental gibt es nämlich so gut wie nichts auszusetzen.

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