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The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble: The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble

Eine Perle der experimentellen Musik in neuer Auflage
Wertung: 8.5/10
Genre: Jazz, Dark Ambient, Experimental
Spielzeit: 69:12
Release: 18.02.2011
Label: Denovali Records

Manchmal steckt hinter einem ungewöhnlichen Namen eine ebenso ungewöhnliche Band – The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble halten dafür als Musterbeispiel her und zogen schon mit ihrem selbstbetitelten Debüt von 2006 einiges an Aufmerksamkeit in der experimentellen Musikszene auf sich. Denovali zeigen nun ein Herz für die Fans der niederländischen Truppe und veröffentlichen den Erstling in schicker Aufmachung erneut, erstmals auch in Vinyl-Form. Nicht umsonst genießt dieses Album hierbei den Klassiker-Status, ist das Kollektiv doch quasi der Inbegriff des gelungenen Kopfkinos.

Tatsächlich startete das Ensemble im Jahre 2000 noch als Duo und wurde zu dem Zweck ins Leben gerufen, Stummfilme von Murnau (Nosferatu) und Lang (Metropolis) zu vertonen; später jedoch wurde das Ganze auf nicht existierende Filme verlagert, so dass die Bilder lediglich vor dem inneren Auge des Hörers ablaufen, sofern dieser nicht Zeuge des audiovisuellen Live-Konzepts der Band wurde. The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble dabei einzuordnen, fällt denkbar schwer – als Vergleich bieten sich allerhöchstens Bohren & Der Club Of Gore an, doch insgesamt geben sich die Niederländer bei ihren Kompositionen ein wenig offensiver als diese; in eine Schublade lässt sich diese Formation einfach nicht stecken. Gitarre, Bass, Cello und Posaune gehen Hand in Hand mit einer riesigen Bandbreite von elektronischen Einflüssen und erschaffen einen Klangkosmos zwischen Dark Ambient, IDM und natürlich Jazz – letztendlich wird man dem Sound des Ensembles damit aber nicht ansatzweise gerecht, viel zu vielseitig und breit gefächert sind dafür die die Elemente, die sich im Klangbild finden lassen.

Eines haben jedoch alle der Stücke gemeinsam: Das TKDE macht seinem Namen alle Ehre und hält die Atmosphäre undurchdringlich finster; nach hoffnungsvollen Anklängen sucht man auf dem Erstwerk vergebens. Selten klang eine Posaune so verzweifelt und verloren, selten ein Cello so ernst und schwermütig – und doch besitzt die Musik zwischenzeitlich immer wieder einen fühlbaren Groove, der mal jazzig, mal mit vertrackten elektronischen Rhythmen daherkommt. Experimente scheut das Kollektiv also selbstverständlich zu keiner Zeit, so dass ein hohes Maß an Abwechslung geboten wird, ohne dass dabei eine klare Linie zu vernachlässigt würde. Zwar sind sämtliche Stücke in tiefes Schwarz getaucht, doch gleicht keines von ihnen dem anderen – zu Anfang in „The Nothing Changes“ werden die Instrumente noch sehr zurückhaltend eingesetzt, vereinsamte Posaunen erklingen zu einem zaghaften Rhythmus und erschaffen eine mysteriöse Stimmung, während danach in „Lobby“ schon nahezu sämtliche Register gezogen werden. Cello und Piano-Klänge treffen auf einen elektronischen Großangriff, bei dem sogar Glitch- und Noise-Ansätze zu finden sind, doch trotzdem lässt sich der verwirrenden Melodie ein gewisser Ohrwurmfaktor nicht absprechen – experimentell und doch eingängig.

Ebenfalls aufhorchen lassen die Stücke dann, wenn die Niederländer gewissermaßen zur musikalischen Weltreise aufbrechen: In „Adaption Of The Koto Song“ werden sanftes Klavier und der groovende Bass von tribal-artigen Drums begleitet und geben dem Song einen sehr eigenen Charakter, im düsteren „Solomon's Curse“ hingegen lassen sich orientalische Anklänge vernehmen. Während die genannten Stücke größtenteils eine eher ruhige Schiene fahren, wird der Hörer zu anderen Zeiten regelrecht durchgeschüttelt – besonders wenn diese überwiegend elektronischen Ausbrüche direkt auf die zurückgezogeneren Momente folgen, ist ihre Wucht umso größer. Ein Musterbeispiel hierfür stellt „Pearls For Swine“ dar: Der anfangs noch ruhige Song baut sich langsam aber stetig auf, immer durchdringender wird die Elektronik, bis schließlich ein wuchtiger, verzerrter Beat, der zwischenzeitlich auch zum Breakbeat mutiert, das Ruder übernimmt und von einem Gewirr aus synthetischen Sounds begleitet wird, letztendlich aber wieder abebbt und Platz für Gitarren und Piano macht. Höhepunkt des Albums ist zweifellos das abschließende, 20-minütige Stück „March Of The Swine“, in dem das Darkjazz Ensemble noch einmal die komplette Palette an Stilen in fließenden Übergängen durchgeht und dabei zwischen waberndem Dark Ambient, zurückgelehntem Jazz und zuckenden Breakbeats balanciert.

So endet schließlich der Film; die Lichter im Kopfkino erlöschen und nur der Applaus des Zuhörers und -schauers bleibt zurück. Auch im Jahre 2011 hat das Debüt der außergewöhnlichen Truppe noch nichts von seiner Faszination verloren und vermag es nach wie vor, den Hörer in innovativer Manier unaufhörlich in einen finsteren Strudel zu ziehen und erst, nachdem der letzte Ton verklungen ist, wieder freizugeben. Komplett ausgereift klingen TKDE auf ihrem Erstling natürlich noch nicht, zu groß ist dafür die Fülle an unterschiedlichen Elementen, zu abgefahren sind einige der elektronischen Klangcollagen – nichtsdestotrotz kommt niemand, der sich gerne in den Gefilden experimenteller Musik bewegt, um dieses in allen Belangen eigenständige Werk herum, eine gewisse Affinität zu Jazz sollte man aber schon mitbringen.

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