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The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble: From The Stairwell

Die Treppe zum Licht
Wertung: 9/10
Genre: Jazz, Dark Ambient, Experimental
Spielzeit: 62:44
Release: 25.03.2011
Label: Denovali Records

Wohin soll die Reise dieses Mal gehen? Diese Frage stellt sich bei jedem neuen Release des The Kilimanjaro Darkjazz Ensembles zwangsläufig, sind Experimente mit allem, was an elektronischen und materiellen Möglichkeiten zur Verfügung steht, doch schon immer eine Konstante in der Musik der Niederländer gewesen. Auf ihrem dritten Longplayer „From The Stairwell“ lädt die Formation nun zum Gang durch eben jenes Treppenhaus ein, das nicht nur zu verrauchten Jazz-Bars und pechschwarzen Abgründen führt, sondern an einem Ende mit einem strahlenden Licht lockt.

An der Tatsache, dass TKDE in kein Genre passen, hat sich auch mit diesem Album nichts geändert. Mit einer Mischung, die ebenso obskur wie natürlich anmutet, wurde erneut ein Soundtrack zu Filmen, die es vielleicht niemals gab, geschaffen: Hier verschmelzen die unterschiedlichsten Variationen elektronischer Klänge mit den warmen Tönen von Cello, Posaune, Klavier, Bass und dem Rest des Band-typischen Instrumentariums zu einer düsteren Einheit, die den Hörer nicht mehr loslässt. Obwohl „From The Stairwell“ weit davon entfernt ist, leicht verdaulich zu sein, wirken die Songs dieses Mal noch ein wenig mehr wie aus einem Guss und profitieren, was Atmosphäre angeht, von der etwas zurückhaltenderen Ausrichtung, bei der Beats und Schlagzeug nur noch selten eine übergeordnete Rolle spielen. Stattdessen wird oftmals sanften Piano- und Streicherklängen Raum zur Entfaltung gelassen und auch Charlotte Cegarras zarte Stimme ist des Öfteren zu vernehmen, wird aber eher wie ein Instrument als auf eine herkömmliche Weise eingesetzt.

All diese Veränderungen führen bei „From The Stairwell“ schließlich dazu, dass die Niederländer ihren Stil nahezu perfektioniert haben, sofern das bei diesem überhaupt möglich ist. Jeder widerhallende Anschlag der Klaviertasten geht durch Mark und Bein, jeder sonore Ton, der der Posaune entlockt wird, vibriert in den Gehörgängen – das Songwriting ist perfekt durchdacht und doch erscheint es, als wucherten die Klänge gänzlich natürlich in den Soundlandschaften des Ensembles. So nähern sich im eröffnenden Song „All Is One“ erst zögernd, dann fordernder die Posaunen, bevor melancholisches Piano von Charlottes glasklarem Gesang begleitet wird und sich ein lässiger jazziger Rhythmus dazugesellt, der elegante Bewegung in die Finsternis bringt. In „White Eyes“ wird diese zwischenzeitlich sogar durchbrochen – Violine, Cello und die dieses Mal beinahe ätherisch anmutende Stimme schaffen eine friedliche, helle Stimmung, die jedoch im Laufe des Stückes wieder in die übliche Melancholie gleitet und die Lichter dämpft.

Natürlich gehören die bizarren elektronischen Ausbrüche noch immer zum Programm des Darkjazz Ensembles, entfalten aber gerade durch ihre sparsamere Dosierung eine noch größere Wirkung. Gut beobachten lässt sich dies in „Giallo“: Anfangs wird der Song von geisterhaftem Gitarrenspiel, dem durchdringenden Klang einer Bass-Klarinette und einem Saxophon bestimmt, die zusammen ein unheimliches Ambiente erschaffen. Nach und nach wird der Song jedoch immer elektronischer und verwandelt sich schließlich in die faszinierende Synthese aus künstlichen und organischen Klängen, mit der die Niederländer schon viele Fans gewinnen konnten. Mit dieser wird auch erst die eigentümliche Variante von Dark Ambient möglich, der sich TKDE so oft widmen – so zeigt sich in „Cocaine“ ein für dieses Genre ungewöhnlich dramatischer Spannungsaufbau, während im sphärisch gehaltenen Song „Celladoor“ die Klangteppiche überraschend von einem Trompetensolo von Gastmusiker Eiríkur Orri Ólafson durchbrochen werden. Ihr wahres Meisterwerk hebt sich die Truppe jedoch bis zum Schluss auf: „Past Midnight“ ist in der Tat der perfekte Soundtrack für nächtliche Stunden und vereint pulsierend unzählige unterschiedliche Stimmungen in sich, die in nur gut zehn Minuten verarbeitet werden.

The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble klingen anno 2011 gereifter und atmosphärisch dichter als je zuvor – die im direkten Vergleich zu den vorangegangen Alben etwas ruhigere Ausrichtung tut „From The Stairwell“ hörbar gut und sorgt für noch mehr Homogenität im Klangbild. Die Reise durch das Treppenhaus ist ebenso abwechslungsreich wie fesselnd und zeigt viele Facetten der düsteren Welt des Ensembles, ohne dass die Gefahr besteht, sich zu verlaufen. Fans der Truppe können ebenso blind zugreifen wie Freunde experimentellen Dark Ambients, denn das neue Werk des TKDE ist möglicherweise das beste in der Bandgeschichte und verliert auch nach unzähligen Hördurchgängen seinen finsteren Zauber nicht.

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