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The Haunted: Unseen

Neuster genialer Wurf der Schweden
Wertung: 9.5/10
Genre: Melodic Thrash Metal / Progressive Rock
Spielzeit: 42:29
Release: 18.03.2011
Label: Century Media

Die Kulttruppe The Haunted aus Schweden müssen eigentlich niemandem mehr etwas Beweisen. Die Band um Vocal-Genie Peter Dolving und die zum legendärem At The Gates-Lineup gehörenden Halbgötter-Zwillinge Anders und Jonas Björler haben eigentlich schon alles erreicht. Zwischen dem Ende des letzten und dem Anfang des aktuellen Jahrtausends hat man mit Alben wie dem selbst betiteltem Debüt und dem Klassiker „The Haunted Made Me Do It“ die Strömung des modernen „Melodic Thrash Metal“ losgetreten und so zusammen mit Bands wie Hatesphere das eingerostete Thrash-Genre gerettet, bevor man dann weitere absolute Klassiker wie das brutal-düstere „Revolver“ aus dem Arm geschüttelt hat und mit dem progressivem „The Dead Eye“ seinen ganz eigenen Klang gefunden hat. Nun steht der neueste Wurf „Unseen“ in den Startlöchern und eins sei hierbei vorweggenommen, die Zeiten des Vorgängers „Versus“, auf dem man kompromissbereit alle Facetten der Band zu vereinen suchte, sind vorbei. Man ist deutliche Schritte nach vorne gegangen, ohne Angst, den ein oder anderen Fan vor den Kopf zu stoßen.

Der allererste Track des Langspielers ist mit seinem Titel „Never Better“ dabei gleich eine Ansage. Der Song schwingt mit sich steigernden Loop-Riffs aus den Boxen und man wird sich sofort bewusst, dass man „The Haunted“ aufgelegt hat, nachdem die einzigartige verrückte Stimme von Peter Dolving sich im Gehörgang breit gemacht hat. Schon jetzt fällt auf, dass der Frontmann für das neueste Werk einen sehr hohen Gesangsanteil in seinen sonst so aggressiven Vocal-Cocktail gemischt hat. Mit dem darauf folgendem Stück „No Ghost“ wird erst einmal mächtig die Groove-Keule geschwungen und es werden sogar „Southern Rock“-Anleihen deutlich, bevor gegen Ende wieder die bekannten düster-melodischen Gitarren einsetzen, mit denen sich die Schweden einen Namen gemacht haben. Das Album ist also eröffnet und alles scheint normal, doch dann kommt mit „Catch 22“ eine geniale Wende, die das ganze Album in tiefste Progressive-Gefilde entführt. Finstere Melodien und verschachelte Songstrukturen unterstützen einen jetzt völlig dem Gesang verfallenem Peter Dolving, von dem erhöhte Ohrwurmgefahr ausgeht. Im selbem Zeichen stehen auch die folgenden Songs „Disappear“, „Motionless“ und der Titeltrack „Unseen“. Sie sind allesamt angenehm rockig ausgefallen und begeistern mit progressiven Ideen und Einschüben, ohne jedoch den typischen „The Haunted“-Klang vermissen zu lassen. Wenngleich auch der ein oder andere Fan unzufrieden aufgrund der mangelnden Härte sein wird, die Jungs haben es wieder einmal geschafft, sich selbst neu zu erfinden und weiter zu entwickeln, wobei die Prog-Rock Einflüsse stark an das schon etwas weiter zurückliegende Album „The Dead Eye“ erinnern, wenn sie auch auf „Unseen“ viel konsequenter und durchdachter wirken. Ihren Höhepunkt finden diese Prog-Anflüge dann auf dem Song „The Skull“, der zunächst zart beginnt, dann an Fahrt aufnimmt, um wieder im Thema des Anfangs zu gipfeln. Gefolgt wird dieser Track dann von einem interessantem einminütigem Zwischenspiel mit Namen „Ocean Park“, das eine Art Grenze zieht, denn das letzte Drittel des Albums zieht wieder ordentlich an und bietet ein paar düstere Kracher, eingeleitet von „The City“, wie man sie von „The Haunted“ kennt und liebt. Hier legt Peter dann auch wieder den Hebel um und zelebriert sein einzigartiges Schreivermögen, wobei er allerdings mit perfektem Gefühl für den Moment immer wieder zur richtigen Sekunde zurückzuschalten weiß, wie etwa bei der Achterbahnfahrt „Them“, das die Gänge wechselt bis einem schwindelig wird. Der Abschlussknaller „Done“ steht klar in der Tradition von Klassikern wie „Abysmal“ und setzt dem Album dann nochmal die Kirsche auf die Sahne.

„Unseen“ zeigt, wie es sein soll: Künstler, die sich weiterentwickeln und keine Angst davor haben, etwas Neues zu wagen, ohne dabei jedoch den Boden unter den Füßen zu verlieren. Die Scheibe ist zu keinem Zeitpunkt langweilig und bietet durchweg höchste musikalische Kost, die sich nicht in Schubladen stecken lässt. Dass die Scheibe vielen eingefleischten Fans womöglich aber doch zu weich geraten sein wird, spielt bei der Top-Leistung auch keine Rolle mehr.

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