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The Greenery: Spit And Argue

Ohne billige Klischees, dafür mit viel Blut im Hals
Wertung: 9/10
Genre: Punkrock, Hardcore, Crustcore
Spielzeit: 26:09
Release: 16.09.2011
Label: Prosthetic Records/Sony Music

The Greenery sind ein typischer Fall von Mogelpackung. Auf den ersten Blick wirken die fünf Kalifornier wie schmusige, wenn auch etwas verkaterte Skaterjungs. Ein kurzer Blick in die Internetdatenbank lässt die Augenbrauen dann aber zumindest leidlich irritiert gen Haaransatz wandern: „Snotty, metallic hardcore punk rock“ sollen die Jungs fabrizieren. Das kann nun alles sein – wenn man einige Promozettel gelesen hat, weiß man, dass „snotty“ genauso gut bedeuten kann, dass die Produktion einfach Scheiße ist, „metallic“ könnte sich zur ausufernden Girffbrettwichserei der Gitarristen auswachsen und von „hardcore punk rock“ ist man als Fan ohnehin schon mehr als einfach schwer enttäuscht worden.

Man legt nun also mit bangen Befürchtungen die erste Scheibe „Spit And Argue“ in das hungrige Mäulchen des CD-Spielers ein und harrt der Dinge, die da kommen mögen (oder eben auch nicht, man erwartet schließlich das Schlimmste). Stirnrunzelnd lauscht man den düsteren Gitarren, den schleppend einsetzenden Drums und den leichten Verstärkerverzerrungen des Openers und Titeltracks, bis Sänger Matt Lanners einen dann glatt vom Stuhl pustet. Und das ist wörtlich gemeint – hätte ich ein Glas in der Hand gehalten, hätte ich nach der ersten The Greenery-Minute erst einmal den Boden wischen müssen. Was der schüchtern aussehende Ami da raushaut, grenzt an puren Wahnsinn – heiser, laut, kotzig klingt er, aber keinesfalls wie die Asipunks der Siebziger, was man durchaus im Intro hätte erwarten können. Stattdessen ist der Sound klar umrissen und an den richtigen Stellen drückt er richtig schön aus den Boxen. Meine Fresse - die Mischung aus Punkrock-Rhythmen, Hardcore-Vocals und der rotzigen Crustcore-Attitüde passt nicht nur wie Arsch auf Eimer, sondern macht auch direkt Spaß.

Obwohl „Spaß“ jetzt vielleicht der falsche Ausdruck, denn Matt klingt durchaus nicht, als fände er irgendetwas auch nur im Ansatz spaßig. Alles ist Scheiße, alle anderen sowieso, und die Welt versinkt im Dreck – so ungefähr könnte man die Stimmung beschreiben, die The Greenery auf „Spit And Argue“ verbreiten. „Faceplant“ ist wieder so ein Beispiel, wie die Truppe innerhalb von einer Minute und zehn Sekunden (!) die Welt komplett in Schwärze packen kann – und zwar mit Punkgalopp und Black-Metal-Gitarrengeschrammel im Hintergrund. Das muss man erst einmal hinbekommen, ohne dass es sich wie auditiver Selbstmord anhört. Obwohl man da bei The Greenery nie so ganz sicher ist.

„Lowest“ bietet dann wieder ein absolutes Highlight, untermalt von recht minimalistischen Punk-Gitarren schreit Matt seine Wut durch die Boxen – wie der Kerl das aushält, ohne röchelnd und blutspuckend zusammenzubrechen, möchte man eigentlich gar nicht wissen. Allerdings bietet er uns im Text schon selbst die Antwort: „Sometimes I drink, so I can sleep“, und gleich darauf erklärt er auch, dass das Geschrei doch seine Spuren hinterlässt: „And now my lungs are filled with blood“. Das ist bei der Tonlage jedoch kein Wunder. Beim darauf folgenden Gegenstück „Highest“ wird dann mit eingestreuten Hardcore-Gangshouts dagegen gehalten – beide Songs haben einzeln genommen etwas für sich, aber im Doppelpack pusten sie dem geneigten Hörer erst so richtig das Hirn raus.

Wen wundert es da noch, dass kein einziger der zehn Tracks es über die Vier-Minuten-Marke schafft? So lange hält Matt das Geschrei am Stück vermutlich nicht durch. Wahrscheinlich muss bei Liveshows nach jedem Track zunächst ein Kanister Wasser und eine Familienpackung Aspirin gereicht werden. Faszinierend ist es aber allemal, was The Greenery hier so raushauen. Die anfänglichen Zweifel haben die Herren zumindest komplett eliminiert, dafür aber verbrannte Erde und taube Ohren zurück gelassen - mehr davon.

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