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The Graviators: The Graviators

Soviel Kopie verträgt eine Huldigung
Wertung: 8/10
Genre: Doom/Stoner/Hard Rock
Spielzeit: 61:00
Release: 24.09.2010
Label: Record Heaven/Transubstans Records/Indigo

Wenn man seine Band The Graviators nennt, sollte man besser heavy sein. Nicht nur ein bisschen hart für den Hausgebrauch, sondern am besten „heavy as fuck“ wie der Finne sagt. Und wo ließe sich eine ordentliche Doom-Band besser aus der Taufe heben, als in den verschneiten, geheimnisumwobenen Wäldern Skandinaviens; unwirtlichen, gefährlichen Gefilden voller Trolle und mystischer Kulte mit archaischen Ritualen?

Zugegeben, hier geht gerade die Phantasie des Rezensenten etwas mit ihm durch, was aber nichts daran ändert, dass sich The Graviators nach eigener Angabe tatsächlich in den Gehölzen im Umland des schwedischen Karlstad gründen. Das passt insofern ganz gut, dass sich die Nachricht, dass der Rock'n'Roll doch nicht so tot ist, wie gemeinhin gern polemisch behauptet wird, wohl noch nicht bis dorthin herumgesprochen hat. Damit haben wir also noch eine Band mehr, die sich zur sofortigen Rettung des Problempatienten berufen fühlt. Nun gut, lassen wir ihnen den Spaß – solange dabei anständige Musik rauskommt, darf sie auch gerne reaktionär sein.

Verständlicherweise kommt der Doomrocker, der etwas auf sich hält, auch heutzutage niemals um die Giganten Black Sabbath herum, die gefühlt alle überhaupt möglichen Riffs bereits verbraten haben. Folglich steckt auch in „The Graviators“ im ersten Eindruck ein guter Schöpflöffel der Ursuppe, mit der Sternekoch Iommi einst die ersten metallhungrigen Mägen verköstigte. Der Sound ist aber natürlich deutlich fetter und zeitgemäßer, erhält sich aber ein gutes Stück Rohheit: Drums scheppern, wie es sich gehört und die Gitarren fasern breit auseinander. Das klingt, als habe man im Studio bewusst die Finger von Kompressoren und ähnlichem neumodischen Spielzeug gelassen, was dem organischen Gesamteindruck mehr als gut tut.

Weiterhin sind knapp 40 Jahre Musikgeschichte natürlich auch an Sabbath-Riffs nicht spurlos vorbeigegangen. Vor allem der Einfluss des (immerhin artverwandten) Stoner-Rocks ist deutlich hörbar und gibt den Songs noch eine Extraportion Groove mit auf den Weg. Im Opener-Duo „Keep 'em Comin“ und „Storm Of Creation“ überwiegt der Stoner-Anteil auch deutlich und bringt zwei fette, von dichten Soundwänden geprägte Tracks hervor. Alles nicht neu zwar, aber The Graviators machen ihre Sache mehr als ordentlich. Sogar dass der Nölgesang ziemlich an Ozzy angelehnt ist, verzeiht man gerne, denn erstens macht der Mann am Mikro seine Sache tadellos und zweitens bricht er immer mal wieder aus dem Schatten des Madman aus.

Bei „Back To The Sabbath“ wirds dann allerdings schon verdächtig retro. Wenn man sich den selbstironischen Titel aber mal so anschaut, ist den Schweden die Nähe zum Vorbild nicht nur bewusst – sie ist garantiert Absicht. Trotzdem verkommen The Graviators nicht zur platten Kopie und heben sich selbst aus der unüberschaubaren Masse von Doom/Stoner-Bands schon allein durch das spielerische Niveau hervor: Schließlich gibt es wohl kaum ein Genre, das derart zu Dilettantentum in Sachen Sound und Können einlädt. Mit ihrem kalkuliert rohen Sound und einem Gespür, nicht nur für das richtige Riff zur richtigen Zeit, sondern auch für Songaufbau, Abwechslungsreichtum und die ein oder andere gelungene Gesangsmelodie (z.B. „She's A Witch“) überzeugen die Schweden aber auf ganzer Linie. Eine Platte, in die Fans der alten Doom-Schule genauso wie Anhänger neuerer Spielarten mal reinhören sollten.

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