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The Gathering: Disclosure

Neue Entdeckungen und alte Stärken
Wertung: 9/10
Genre: Progressive Rock
Spielzeit: 53:31
Release: 12.09.2012
Label: Psychonaut Records

Eine nicht geringe Zeitspanne ist inzwischen vergangen, seit The Gathering mit ihrer neuen Sängerin Silje Wergeland die Rückkehr nach dem Ausstieg von Anneke van Giersbergen wagten und mithilfe des Albums „The West Pole“ unter Beweis stellten, dass mit ihnen noch immer zu rechnen ist. Nach mehr als drei Jahren folgt mit „Disclosure“ die zweite Veröffentlichung in voller Länge, die das neue Line-Up gefestigt und gereift zeigt und die gespannte Erwartung der Fans mit nicht weniger als einem kleinen Meisterwerk belohnt.

Musikalische Veränderungen finden sich auf dem Album eher in subtiler Art und Weise, denn es ist eher das fokussiertere Songwriting, das einen deutlichen Unterschied zu „The West Pole“ aufzeigt, auf dem sich die Band noch auf der Suche nach einer neuen, festen Identität zu befinden schien. Noch auffälliger ist der Umschwung der Stimmung im Vergleich zum vorangegangen Album – passend zu der Aussage von Bandkopf und Keyboarder Frank Boeijen, dass „Disclosure“ sowohl musikalisch als auch textlich das bisher intimste Werk der Band sei, haftet den Songs eine zerbrechliche Melancholie an, die trotz immer wieder auftretender heller Momente nicht den positiven Charakter von „The West Pole“ ausstrahlt.

Nichtsdestotrotz bleibt die grundsätzliche Ausrichtung von „Disclosure“ wie schon auf dem Vorgänger bestehen: Schwebender, verträumter Progressive Rock wird von The Gathering mit erstaunlichem songwriterischem Geschick zelebriert, so dass das Album so manche Überraschung bereit hält. „Paper Waves“ bietet dabei einen recht leicht verdaulichen und doch fesselnden Einstieg – ein treibender Beat unterlegt schwerelose Gitarren und einen eingängigen Refrain, der natürlich vor allem durch Siljes emotionalen Gesang auffällt, welcher besonders durch seine schnellen Wechsel zwischen Brust- und Kopfstimme eine Menge Individualität gewinnt.

Wesentlich progressiver ist hingegen anschließend die Herangehensweise im wendungsreichen „Meltdown“, das in knapp acht Minuten gewagte Sprünge zwischen einzelnen Stilen und Stimmungen wagt – nach einem elektronischen Beginn und dem Zusammenspiel von Siljes und Franks Stimmen lassen tolle Melodien die Dynamik des Song immer weiter steigen, bis nach einem rockig groovenden Break und einem Bläser-Solo plötzlich in eine lange ruhige Passage verfallen wird, in der Siljes Stimme beinahe a capella ihre Qualitäten entfalten kann.

Diese unerwarteten Wechsel sind ohne Frage einer der stärksten Punkte von „Disclosure“, werden sie doch mit einer unheimlichen Leichtigkeit in die Stücke eingewoben. Umso weniger verwundert es, dass es der Band auch gelingt, in einem mehr als zehnminütigem Song wie „Heroes For Ghost“ mühelos einen stetigen Spannungsbogen aufrechtzuerhalten, wenn Ambient-Elemente auf schwermütige Gesangsmelodien in bedächtigem Tempo treffen, bevor ein durchdringendes Crescendo zu einer kräftig und leidenschaftlich gesungenen Passage überleitet – obwohl Silje noch nicht ganz an das Volumen und die Technik von Anneke heranreicht, macht sie dies mit jeder Menge Gefühl problemlos wett. Gerade deshalb funktionieren auch die balladesken Tracks auf „Disclosure“ hervorragend: Das wabernde, düstere „Paralized“ profitiert ebenso von dem ausdrucksstarken Gesang wie die Klavierballade „Missing Seasons“, die fast ausschließlich von Siljes zerbrechlicher Stimmleistung lebt.

Höhepunkt des Werkes ist jedoch neben dem facettenreichen, in zwei Parts unterteilten „Gemini“, das durch seinen kraftvollen Refrain in der ersten Hälfte besticht, ohne Frage „I Can See Four Miles“. Starke Post-Rock-Einflüsse lassen hier über neun Minuten verspielte Gitarrenmelodien und prägnante Basslines das Ruder übernehmen, während Silje auch einmal in die tieferen Regionen ihres Tonumfangs vordringt – im späteren Verlaufe des Songs türmen The Gathering sogar eine überraschend wuchtige Wall Of Sound auf, die auch Post-Rock-Größen wie Godspeed You! Black Emperor oder Mono nicht schlecht zu Gesicht gestanden hätte.

Scheinbar mühelos und mit viel Gefühl spielen sich die Niederländer so in die Reihe der Kandidaten für das beste Album des Jahres – „Disclosure“ zeigt die Truppe voll neuen Selbstvertrauens und in alter Stärke, zu der auch Silje einen großen Teil beiträgt und nun endgültig ein fester Bestandteil des Bandgefüges zu sein scheint. Das überragende Songwriting macht die Songs dabei auch auf lange Sicht fesselnd und lässt den Hörer bei jedem Hördurchgang neue Details im einzigartigen Stil des Quintetts entdecken, so dass auch „Disclosure“ jedem Fan der Band und progressiven Rocks im Allgemeinen ans Herz gelegt werden kann.

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