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The Flower Kings: Paradox Hotel

Der wahre Progfan wird an diesem Album wohl kaum vorbeikommen
Wertung: 7/10
Genre: Progressive Rock
Spielzeit: 136:15
Release: 24.03.2006
Label: InsideOut Music GmbH

Wenn man dem begnadeten Gitarristen, Komponisten und Sänger Roine Stolt eines bestimmt nicht vorwerfen kann, sind das mangelnde Ideen und Innovationsarmut. Seit dem Jahre 1994 veröffentlicht Stolt in wunderbar regelmäßigen Abständen zusammen mit seinen Mitmusikern von The Flower Kings Studioalben am laufenden Band. Aber nicht nur der Output von 11 Alben in insgesamt 10 Jahren Bandgeschichte lässt einen ehrfürchtig aufblicken. Sondern auch die Tatsache, dass der umtriebige Schwede Roine Stolt auch noch „nebenher“ solo unterwegs ist und diverse Nebenprojekte am Laufen hat. Dennoch aber bringt er das scheinbar unmögliche Kunststück fertig, textlich weiterhin auf hohem Niveau zu verweilen und sich musikalisch immer wieder neu zu erfinden.

Roine Stolt und seine Flower Kings zählen wahrlich nicht umsonst schon seit Jahren zur vordersten Avantgarde des Progressiven Rock, der ja nach Gefühlslage und inhaltlicher Thematik mal mehr psychedelisch, rockig, Jazz- oder Blueslastig daherkommt. Besonders hervorzuheben sind hierbei jene recht komplexen Klanggärten und monumental-epischen Tracks, die nicht selten auch mal eine Spielzeit von über 15 Minuten erreichen. Womit wir zugleich auch bei einem ganz wichtigen Punkt wären: Die Musik von The Flowers Kings ist keinesfalls ein einfaches Zucker schlecken, da man doch einiges an Zeit (und noch mehr innerliche Ruhe) benötigt, um sich in diesen mannigfaltigen Klanggewändern zurecht zu finden.

Dies gilt auch für das neue Album des Sextetts mit dem schon nicht ganz anspruchslosen Titel “Paradox Hotel“. Nicht unbedingt paradox, dafür aber wahrlich komplex, die Ausführung des neuen Longplayers: Gleich zwei randvolle CDs bietet das vollständige Schaffenswerk von den Flowers. Inhaltlich dreht es sich um die vielen Sinnfragen des Lebens. Der Dreh- und Angelpunkt unseres Lebens (bzw. dessen Mittelpunkt) ist hierbei genanntes “Paradox Hotel“, in welchem wir einchecken und den Dingen gespannt und mulmig entgegensehen, die uns in diesem scheinbar unendlich großen Hotel mit seinen breitgefächerten Bewohnern und Nachbarn erwarten werden. Dabei ist man aber weder feige, noch blind, auch die dunklen Kapitel der bisherigen Menschheitsgeschichte abzuarbeiten. Wie es beispielsweise in “Bavarian Skies“ der Fall ist. Hier wird die menschenverachtende Epoche des Zweiten Weltkrieges zwar angeprangert; zugleich wird aber auch nach Erklärungen gesucht, wie es überhaupt seinerzeit soweit kommen konnte.

Aber neben dieser eher melancholischen Nummer finden sich auch waschechte Bluesrock-Stücke mit viel Percussion-Einsatz wieder (“Pioneers of Aviation“). Sowie die an jene Größen des Musikgeschäftes angelehnten Stücke “Minor Giant Steps“ (komplex alá King Crimson) und “The Unorthodox Dancing Lesson“ (verspielt und abgefahren, wie beim großen Frank Zappa). Aber auch selbstironische Aspekte wie in “Jealousy“ kommen in diesem Werk zum Tragen und sorgen so für die nötige Kurzweil. Denn schließlich muss man musikalisch nicht immer so episch zur Sache gehen, wie beim 21 Minuten langen “Monsters and Men“.

Eingespielt und bearbeitet wurde “Paradox Hotel“ übrigens in Rekordzeit im Haus eigenen Kopenhagener “Medley Studio“. Gerade mal etwas mehr als zwei Monate betrug die gesamte Produktionszeit. Vieles wurde hierbei live eingespielt, aufgezeichnet und anschließend verwendet. Der Grund hierfür: Man wollte authentischer und kantiger als alle Jahre zuvor klingen.

Dieses Kabinettstück ist den Flower Kings auch wahrlich gelungen. Auch wenn man - wie gesagt - immer noch sehr viel Zeit und Muse benötigt, sich in jenen komplexen des “Paradox Hotel“ zurechtzufinden. Aber der wahre Progfan wird an diesem Album wohl kaum vorbeikommen.

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann