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The Flower Kings: Instant Delivery

Ein Konzert der etwas anderen Art
Wertung: 6.5/10
Genre: Prog Rock
Spielzeit: 165:0
Release: 22.09.2006
Label: InsideOut Music GmbH

Sepiagelbe verwackelte Kamerabilder. Verwirrt dreinschauende Bandmitglieder. Plötzlich überziehen bunte psychedelische Spiralen den Bildschirm, immerhin etwas Farbe. Vereinzelt sind Hände und Köpfe zu erkennen. In welchem Film bin ich denn hier gelandet? Im Paradox Hotel, genauer gesagt: bei The Flower Kings uns einem ihrer Marathonkonzerte.

Die Flower Kings, eine Progressiv Rock Formation, die schon einige Jahre Bandhistory vorweisen kann. 1994 als erster Liveauftritt nach dem selbstbetitelten Album “The Flower Kings”, es folgen pro Jahr ein Album sowie Touren durch Europa, Japan und Südamerika. Und ein breitgefächerter Kreis an begeisterten Zuhöhrern.

Die letzte Tour ist enorm: die Band entscheidet sich für einen Großteil der neuen Stücke von „Paradox Hotel“ - und eine Setlist, die annähernd drei Stunden füllt. Eines der Großkonzerte würde filmtechnisch festgehalten werden. Im April treten die Flower Kings im Tilburger „013“-Club auf...

Das Konzert beginnen die Kings gleich mit dem Namensgeber ihres Albums - „Paradox Hotel“. Die Band wirkt sehr verkrampft, sie stehen bewegungslos vor ihren Mikros. Ein typischer ProgRockhit. Verzerrte Gitarrensolos treffen auf ein geschmackvolles Keyboard, Gitarrist und Sänger Hasse Fröberg überzeugt mit einer kräftigen Stimme. Ertnet aber nur verhaltenen Applaus. Die Schweden haben auf die Vorband verzichtet, sind daher noch genauso „kalt“ wie ihr Publikum.

Weiter geht’s mit „Hit me with a hit“, das durch syntetische Xylophone einen etwas tropischen Klang bekommt. Die verdreht gefilmten Ansichten der Musiker sind endlich verschwunden, die in mir immer den Verdacht aufkommen ließen, dass der Kameramann entweder betrunken oder sehr an der Naseninnenansicht von Stolt und Co interessiert war. Hier hat man sich hauptsächlich auf Solos konzentriert, in denen Drummer Marcus Liliequist nicht besonders überzeugt. Unerwartet erhält er Unterstützung von Froberg, der plötzlich auf vor einigen Trommeln steht und dort sichtlich seinen Spass hat. Angesteckt von seiner Euphorie beginnt das Publikum endlich den Applaus zu spenden, die die wirklich interessant gekleidete Band auch verdient.

So trägt Sänger Roine Stolt einen weißen Anzug der mit Hippiemäßigen blauen Blumen bedruckt ist, die sich fürchterlich mit seinem violetten Hemd beißen. Frohbergs Kleiderwahl wirkt dagegen fast unauffällig mit Jeans und schwarzer Jacke, der er sich später entledigen soll. Das darunter erscheinende Hawaiihemd steht Stolts Anzug um nichts nach.

Ein Augenfang ist auch Jonas Reingold weißer Plüschhut, oder Marcus Liliequists Shirt mit dem „Guru“Aufdruck, über den Stolt seine Witze reißt. Einzig Keyboarder Tomas Bodin zeigt sich schlicht mit seinem Nadelstreifenmix und der seriösen Hornbrille. Der Kameramann, der sooft auftaucht, dass man ihn für ein Bandmitglied halten könnte, hat sich wohl vergeblich versucht, in Tarnhose zu tarnen.

Eine Ballade des Auftritts ist „Last Minute on Earth“. Der Übergang zu dem gefühlvoll von Frohberg gesungen Stück erfolgt unauffällig. Da sind auch die typisch kreischenden Gitarren nicht störend, sondern dezent in den Hintergrund gelegt und auch die - vorerst- abschließende Melodie des Keyboards fügt sich nahtlos in das Schema ein.

Eine Meinung, die auch das Publikum teilt, fangen die Zuschauer der ersten Reihe doch an, zum Takt auf dem Bühnenrand zu trommeln. Eine weitere Art, ihre Nähe zu ihren Fans zu zeigen, haben die Flower Kings in der unmittelbaren Nähe gefunden. Kein Fotograben mit Security trennt die Band von ihren Fans.

Als der nachfolgende instrumentale Teil mit Schellen und Gitarren beginnt, halte ich das erst für den Anfang von „In The Eyes Of The World“. Gekonnt zeigt die Band was sie an ihren Instrumenten drauf hat - überflüssigerweise unterstrichen von ewig langen Großaufnahmen ihrer Hände.

Erst als der Gesang wieder einsetzt verstehe ich, dass es weiterhin um die letzten Minuten auf der Erde geht. Was die plötzlich im Bild eingeblendete Uhr soll, weiß wohl auch nur die Band, denn als Symbol des Liedes erscheint mir das doch etwas platt. Der Song scheint kein kein Ende nehmen zu wollen, Bodin und Co fallen immer weitere Solos ein, die den erst tollen Anfang vergessen lassen.

Nach den ersten vier Liedern richtet Stolt endlich das Wort an seine Zuschauer. Er freue sich über die gestiegene Publikumszahl, wünscht ihnen einen angenehmen Aufenthalt im Paradox Hotel. Dass die Gäste teilweise noch etwas skeptisch aus der Wäsche schauen, scheint er nicht zu bemerken.

Der Rest der DVD gestaltet sich ebenso abwechslungsreich. Mal überzeugt die Band mit tollem Gesang, dann stören etwas langatmig gehaltene instrumentale Teile.

Dank Nahaufnahmen können wir jetzt auch alle Eheringtypenvorlieben der Bandmitglieder bestimmen, Frohberg entledigt sich seines Hemdes und beweist, dass er mit den Kleidervorlieben seiner Bandkollegen ohne Probleme mithalten kann, sein Hemd ist ebenfalls geblümt - braun weiß. Das komplette Publikum schaffen The Flower Kings bis ans Ende ihres Konzertes nicht vollständig zu begeistern. Gibt ein Teil alles, applaudiert, singt mit, steht der andere Teil leicht angeödet daneben, was ich bei dem wirklich tollen “End on a high note“ nicht wirklich verstehen kann.

Auch wenn die Band wohl niemals eine tolle Performance abliefern wird, merkt man doch deutlich wie vor allem gegen Ende des Konzertes die Beigsterung der Musiker immer wieder auf das Publikum übertragen wird, wie sehr ihnen der Gig gefällt, wie deutlich sie sich die Spielfreude anmerken lassen.

Das Konzert endet mit der Zugabe der Blumenkönige in “Stardust we are” in dessen Vorspiel Jonas Reingold zirkusfähig seinen Bass auf dem Kinn balanciert. Auch freuen sich einige Fans bereits auf den weißen Plüschhut, den es dann doch leider nicht gibt.

Alles in allem ein Konzert der etwas anderen Art. Dass auf der DVD wirklich nur das Konzert enthalten ist, ist ein weiterer Beweis, wie sehr The Flower Kings ihre Musik in den Vordergrund rücken. Und mal ganz ehrlich: Wer braucht nach so viel Musik denn noch Bilder, Videos oder Kommentare?!

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann