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The Doors: Live At The Isle Of Wight Festival 1970

Kommt man als Fan nicht drum herum
keine Wertung
Genre: Psychedelic-/Blues Rock
Spielzeit: ca. 84 Minuten
Release: 23.02.2018
Label: Eagle Rock

Von The Doors gibt es mittlerweile unendlich viele offizielle Livealben, dank der Bright Midnight Archives, einem Unterlabel der Doors Music Company, eigens für die Veröffentlichung von Doors-Livematerial aus der Taufe gehoben. Seit Anfang der 2000er wurden sukzessive fast zwei Dutzend Livealben der legendären Rockband herausgebracht – was allerdings Filmerzeugnisse betrifft, sieht die Angelegenheit doch eher übersichtlich aus. Wie bereits vor ein paar Jahren in der Rezension zu „Live At The Bowl ’68“ angedeutet, existierte nur eben jenes Konzert in voller Länge als audiovisuelles Dokument – bis Anfang 2018, wo man den vorliegenden Auftritt auf dem englischen Isle Of Wight Festival von 1970 (dem mit rund 600.000 Zuschauern wohl größten Festivalevent aller Zeiten) auf DVD und Blu-ray in die Ladenregale wuchtete.

Natürlich gibt es Stimmen, die der Ansicht sind, die restlichen Doors-Mitglieder (inzwischen ja nach dem Tod von Ray Manzarek im Jahr 2013 nur noch Robby Krieger und John Densmore) würden mit derartig vielen Live-CDs in den letzten Jahren die erfolgreichste Zeit ihres Lebens kommerziell ausschlachten, doch hatte das Gros der Veröffentlichungen mehr als nur passable Qualität, sodass man nicht von Billigprodukten reden kann, mit denen die schnelle Kohle gemacht werden soll. 

Auch bei „Live At The Isle Of Wight Festival 1970“ gilt: Es ist wahrlich erstaunlich, was Tontechniker Bruce Botnick soundmäßig aus diesen fast 50 Jahre alten Bändern herausgeholt hat; bei der DVD bzw. Blu-ray besteht sogar die Option, den rund einstündigen Auftritt in 5.1.-Klang zu genießen. Ansonsten darf man sich über ein Set freuen, in dem beide Longtracks – „When The Music’s Over“ und „The End“ – zum Zuge kommen, letzteres allerdings durchsetzt mit einem Medley aus „Across The Sea“/„Away in India“/„Cross Road Blues“ und „Wake Up“, was die Band jedoch öfter tat, zumal Medleys gerade damals nicht unüblich waren.

Weiterhin werden eine fette 14-Minuten-Version von „Light My Fire“ und starke Darbietungen von „Break On Through (To The Other Side)“, „Back Door Man“, „Ship Of Fools“ und „Roadhouse Blues“ kredenzt, das letztgenannte untermalt von Impressionen vom Festival, das im Übrigen außer Kontrolle zu geraten drohte, da viel mehr Leute anreisten als angenommen, und da die meisten von ihnen kein Ticket hatten, versuchten sie teilweise, sich gewaltsam Zutritt zum Gelände zu verschaffen.

Das Quartett zeigt sich in sehr guter Verfassung, gerade auf John Densmores gleichsam virtuoses wie präzises Spiel sowie Ray Manzareks Orgel- und Keyboardbass-Performance war aber eigentlich immer Verlass. Robby Krieger erlaubt sich den einen oder anderen kleinen Schnitzer, aber geschenkt, und Jim Morrison wirkt im Gegensatz zu manch anderem Konzert zwar sehr in sich gekehrt, hat fast die ganze Zeit die Augen geschlossen und bewegt sich kaum einen Zentimeter (da kurz zuvor ein Prozess gegen ihn angestrebt wurde wegen angeblichen Entblößens in der Öffentlichkeit, hatte er Angst, in den Knast gehen zu müssen), gesanglich jedoch präsentiert er sich äußerst solide und fokussiert.

Da auch die Beleuchtung sehr spärlich ausfiel (die Band hatte keine eigene Lichtanlage mit und musste mit den spartanischen örtlichen Gegebenheiten Vorlieb nehmen), wirkt das Ganze optisch sehr betulich, und John Densmore räumte später ein, die nachfolgenden The Who (u.a. mit fast kompletter „Tommy“-Performance) hätten sie an die Wand gespielt, gleichzeitig hat der Auftritt auf diese Weise auch etwas Mystisch-Düsteres, was zur Aura der Doors natürlich zweifellos passt.

Bild und Kameraführung wirken aus heutiger Sicht sicherlich naiv, wenn nicht gar nahezu dilettantisch, doch wenigstens ist die Chose von den Schnitten her nicht so hektisch wie viele heutige Konzertfilme. Als Bonus liegt die ca. 25-minütige Dokumentation „This Is The End“ vor, bei der neben anderen auch Densmore, Krieger und Manzarek (in einem Interview von 2002) zu Wort kommen und sich zu dem Konzert und dessen Begleitumstände äußern. Des Weiteren liegt der Gig auch in reiner Audioform als CD vor. Auch wenn der Isle Of Wight-Auftritt garantiert nicht zu den spektakulärsten Liveproduktionen der Doors gehört, kommt man als Fan nicht drum herum, zumal hör- und sichtbar liebevolle Detailarbeit in der Restaurierung des Materials steckt und es sich um einen der letzten Auftritte Morrisons, der am 3. Juli 1971 verstarb, überhaupt handelt.

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