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The Doors: Live At The Bowl '68

Keine pure Geldmacherei
keine Wertung
Genre: Psychedelic Rock/ Blues Rock
Spielzeit: ca. 135 Minuten
Release: 19.10.2012
Label: Eagle Rock Entertainment

Schon seltsam: The Doors waren eine Band, die unter anderem auch wegen ihrer berühmt-berüchtigten Liveauftritte unsterblich wurde, und doch existiert nur ein Konzert, das über die gesamte Distanz gefilmt wurde – der legendäre Hollywood-Bowl-Gig vom 5. Juli 1968. Natürlich kennt jeder echte Doors-Fan dieses Konzert und dürfte es sicherlich bereits als DVD im Schrank stehen haben – weswegen die Frage, ob es wirklich nötig war, das Material nun noch einmal neu herauszubringen, absolut verständlich und gestattet ist. Tatsächlich aber wurde sich viel Mühe gegeben, der Film restauriert und teilweise neu geschnitten, sogar drei Tracks wurden im Vergleich zum alten Film hinzugefügt: „Hello, I Love You“, „The WASP (Texas Radio And The Big Beat)“ sowie „Spanish Caravan“. Bei denen war nämlich Jim Morrisons Gesangsspur ruiniert, doch in aufwendiger Kleinstarbeit und mit ein paar kleinen Tricks hat Engineer Bruce Botnick es tatsächlich möglich gemacht, diese Songs wieder in die Tracklist einzubetten.

Auf der Blu-ray ist das Bild tatsächlich klar besser und von den Farben her kräftiger als bei der alten Version, auch wenn sich jeder natürlich darüber im Klaren sein sollte, dass man, so viel man auch bearbeitet und macht und tut, mit solch altem Material niemals an heutige Qualitätsstandards heranreichen kann. Wenigstens aber sieht man im Vergleich zu so manch anderer Bearbeitung alter Schinken tatsächlich eine Verbesserung.

Das Konzert gilt als eines der besten der Doors überhaupt. Die Band war Mitte 1968 zwar durchaus schon in Skandale und Exzesse verwickelt gewesen (die Geschichte beispielsweise, wo die Gruppe das erste Mal „The End“ mit den unvergessenen Zeilen „Father, I want to kill you, mother, I want to fuck you“ darbot, was einen Eklat auslöste, dürfte hinlänglich bekannt sein und spielte sich bereits früher ab), doch stand trotzdem noch die Musik im Vordergrund und Jim Morrison erschien nicht regelmäßig betrunken auf der Bühne. Vielmehr hatte letzterer sich zu diesem Zeitpunkt von dem schüchternen Sänger, der teilweise mit dem Rücken zum Publikum stand, zu einem charismatischen Frontmann entwickelt, der auf humorvolle Art mit den Zuschauern interagierte.

Witzige Momente gibt es jedenfalls auch bei der Bowl-Show zu bestaunen. Gleich beim überlangen Opener „When The Music’s Over“ bei der ruhigen Stelle, wo schließlich nur noch der Bass zu hören ist, fordert Morrison die Leute mit einem „Shhh“ auf, still zu sein, um dann mitten in dieser Stille einen kleinen Rülpser entfleuchen zu lassen. Genauso als er glaubt, ein Grashüpfer habe sich auf die Bühne verirrt (was wohl am Acid lag, das er sich vorher eingeschmissen hatte, das sich aber erstaunlicherweise in keinster Weise negativ auf seine Gesangsleistung auswirkte), oder als er in „The End“ eine komische Textzeile einbaut („Have you seen the accident outside? Seven people took a ride. Six bachelors and their bride“), die den Fans einige Lacher entlockt.

Ansonsten spielen vor allem John Densmore am Schlagzeug und Ray Manzarek an Orgel und Keyboardbass supertight, während Gitarrist Robby Krieger hier und da etwas abwesend wirkt, wahrscheinlich weil er sich immer noch darüber ärgert, nicht so laut spielen zu können wie ursprünglich geplant. Worum es hierbei genau geht, kann im Bonusmaterial begutachtet werden, das aus drei ca. 20 beziehungsweise 15 Minuten langen Featurettes sowie drei weiteren einzelnen Tracks besteht. Das Musikvideo zu „Gloria“, die kurzen Fernsehauftritte von „Light My Fire“ (in gekürzter Fassung) und „Wild Child“ sind sicherlich nicht sonderlich essentiell, die Kurzdokus jedoch verdienen durchaus das Prädikat sehenswert. Es wird erklärt, warum es – gerade für eine Band, die selbst aus L.A. stammt – eine solche Besonderheit ist, in der Bowl aufzutreten und die Geschichte dieser Location ein wenig näher beleuchtet. Ferner erinnern sich die Zeitzeugen an jenen Abend, darunter natürlich auch die verbliebenen drei Mitglieder, wobei interessant zu beobachten ist, dass Ray und Robby zusammen sitzen, während John stets alleine zu sehen ist. Möglicherweise sind dies noch die Nachwirkungen eines Rechtsstreits; vor einigen Jahren hatte Densmore seine beiden ehemaligen Kollegen verklagt, weil die ohne ihn und mit Ian Astbury als Sänger unter dem Namen „The Doors Of The 21st Century“ auf Tour gingen – wobei man sich mittlerweile wohl ausgesöhnt haben soll.

Sehenswert ist auch der Vergleich zwischen dem alten und dem überarbeiteten Material, den Bruce Botnick präsentiert. Hier sieht man dann schon den eindeutigen Unterschied – ob man diese Neufassung von „Live At The Bowl ’68“ tatsächlich braucht, wenn man die alte Edition schon besitzt, bleibt trotzdem fraglich. Die-Hard-Fans kommen auf keinen Fall drum herum (aber die werden sich das Teil sowieso holen), allen anderen sei gesagt, dass die Kohle zumindest nicht zum Fenster herausgeschmissen wäre. Es handelt sich jedenfalls nicht um pure Geldmacherei, denn Liebe zum Detail ist definitiv erkennbar.

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