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The Divine Baze Orchestra: Dead But Dreaming

"Supper's Ready", oder was?
Wertung: 8/10
Genre: Progressive Rock
Spielzeit: 51:07
Release: 28.01.2011
Label: Transubstans Records

Donnerstag, 28. Januar 1974. Das noch junge Jahr beginnt mit einem Mysterium. Der aktuelle Spiegel titelt „Uri Gellers rätselhafte Kraft“, verbunden damit: Die Frage, ob nach dem Zeitalter Newtons nun die Ära Geller angebrochen sei. Das allein wird wohl die Zukunft zeigen müssen.

Während wir noch unseren diffusen Gedanken an schmilzende Gabeln nachhängen, kramen wir im Plattenschrank. Der Typ im Laden an der Ecke findet ja diese „Dead But Dreaming“ dufte. Unseren Einwand, wenn wir Gentle Giant hören wollen, dann brauchen wir doch diese Schweden nicht, überhört er geflissentlich. Auch, dass die einzige musikalische Schwedin, die wir kennen, Siv Malmquist heißt und sich zu unserem Leidwesen für gewöhnlich auf dem Plattenteller unserer Eltern dreht. Außerdem ist er überzeugt, die Scheibe vom Divine Baze Orchestra sei immerhin wesentlich inspirierter als das, was diese schrillen Glam-Rock-Typen da zur Zeit veranstalten und dass man von denen sicher noch in 30 Jahren sprechen würde. Schwer vorzustellen, dass jemand dieses undurchsichtige Zeugs überhaupt morgen noch kennen würde. Das hätten die Leute über King Crimson vor fünf Jahren auch schon gesagt, meint er wiederum und rät uns, doch einmal genauer hinzuhören. Na gut...

Tatsächlich haben The Divine Baze Orchestra, als sie „Dead But Dreaming“ vorbereiteten, hat es den Anschein, vor allem die frühen Genesis-Alben studiert. So erinnert das Werk (zum Teil alles andere als) entfernt an „Supper's Ready“: Eine 22-minütige Mini-Symphonie, in der Peter Gabriel und Band – mythologisch überbordend - psychedelische Visionen über die Verwicklung des modernen Lebens entspinnen.

„Dead But Dreaming“ hingegen steht lyrisch unter dem Einfluss von Grusel-Großmeister H.P. Lovecraft und äußert sich in Texten über die „Großen Alten“ und den „kosmischen Schrecken“. Auf der musikalischen Seite: Ein gewagter, aber überaschend stimmiger Stilmix aus Rock, Klassik, Jazz und Kabarett. Eine Aneinanderreihung kurzer prägnanter Passagen, deren Zusammenhang sich manchem Hörer erst beim dritten oder vierten Durchlauf erschließen mag. „Origins“ gereicht in seiner Dramaturgie Genesis' „The Knife“zu Ehren. Das Orgel-/ Gitarren-Duett im Schlussteil von „They Rise“ könnte ebenso gut von Yes stammen. Die scharfe Blues-Gitarre in „The Cellar“ würde bestimmt  David Gilmour gefallen und das Tapping wiederum gemahnt Robert Fripp, wohingegen die kompakte Rhythmus-Gitarre im 13-Minüter „Lastly Lament“ auch von Steve Howe hätte gespielt werden können. Die kurze, verträumte Instrumental-Nummer „1927 – A Homage“ versöhnt zu guter Letzt mit dem zurückliegenden Parforce-Ritt durch Stile und, eine Art Belohnung für den aufmerksamen Hörer für eine dreiviertel Stunde Hausaufgabenkontrolle, in kompositorischer Analyse. Zurücklehnen, wohlfühlen. Schön.

7.30 Uhr, der Wecker reißt uns aus einem schönen Traum. Während das Radio auf dem Weg zum Job mal wieder „das Beste aus den 80ern und 90ern und die Superhits von heute“ plärrt, heißt es jetzt: schnell noch den Facebook-Status upgedatet, und dann, während wir aufpassen, dass sich die „Latte To Go“ von der Tanke nicht über den Schritt ergießt, wird fix dem Chef geSMSt, dass er die lang erwartete Rezension heute noch auf den Tisch bekommt. Willkommen in der Ära Zuckerberg...

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