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The Distance: The Rise And Everything in Between

Insgesamt eine nette Platte
Wertung: 7/10
Genre: Hardcore
Spielzeit: 33:59
Release: 24.11.2006
Label: Alveran Records

Weihnachtszeit ist die Zeit, in der mindestens einer in der Familie dem Backwahn verfällt. Bands verfallen eher den “Best of...”-Zwängen oder basteln eine Weihnachtsscheibe. Wenn sie dann auch noch beides unter ein Cover bringen können, sind sie wirklich kreativ.

Kreativität schreiben sich auch die meisten Newcomer auf die Gitarre. Wer sagt über seine Musik denn schon von alleine: ”Eigentlich kopiere ich ja With Honor und Comeback Kids. Manchmal klaue ich auch Texte bei My Chemical Romance. Und Taking Back Sunday sind mein musikalischen Vorbilder, ich schrei nur ab und an mal dazwischen, damit das nicht so offensichtlich ist”. Keine. Wäre ja auch unklug. Stattdessen bezeichnet man sich selbst als komplette Neuerfindung des Hardcore. Richtig, das ist keine allgemein gehaltene Einleitung, ich kritisiere schon an “The rise the fall and everything in between” herum, der neuen Scheibe, die The Distance nach “Your Closest Enemies” veröffentlichen.

“The Set Up” beginnt mit einem netten Gitarrenintro. Nichts Bahnbrechendes, aber etwas, was man im weiteren Verlauf des Liedes definitiv vermissen wird. Denn anschließend folgt der Strophenaufbau, den so ziemlich jede Hardcoreband benutzt und den ich nach wie vor als musikalischen Fehler bezeichne. Das Hauptproblem liegt nicht im monoton geschrienen Text. Viel schlimmer finde ich das dazu gleichmässig viel zu laut einhämmernde Schlagzeug von Lonn Bologna, das kurzzeitig auch noch aus dem Rhythmus von Alex kommt. Aber den modernen Emocore-Bands sei Dank verzichten The Distance nicht auf einen melodischen Refrain, der arg an Taking Back Sunday erinnert. Nur dass Adam Lazzara etwas quäkiger singt. Ganz annehmbarer Mix, vor allem, da der Refrain doch wirklich gut ins Gehör geht.

Das geht aber noch poppiger, wie “Inspire You” beweist. Das Lied, das für die Masse taugen muss, da hierzu das Video gedreht wurde. Ein gutes Stück Mainstream, das inhaltlich auch nicht mehr Aussage als andere MTVler hat und auch nicht auf eine hübsche unbekannte Protagonistin verzichtet, die natürlich das Herz des Sängers bricht. Hier fehlt jetzt, gleich wie es die Kollegen von Bullet for my Valentine schon wussten, das gesamte Geschrei. Jason Alex kann also wirklich ein Lied lang clean singen und es hört sich verdammt noch mal nicht schlecht an. Na gut, TB hören sich auch nicht schlecht an und wahrscheinlich wird der gut gebildete Radiohörer das Lied erst einmal Adam Lazzara und Co zuschieben. Macht aber nichts, dafür geht’s gut in die Ohren und ist auch definitiv discotauglich.

Es folgt ein wirklich lustiger Übergang auf der CD. Von den lieben herzensgebrochenen Jungen geht’s weiter zu den nun wieder abgebrühten Hardcorlern. “Phase Two” zeigt einmal mehr, wie schrecklich ein monotones Schlagzeug ist, vor allem, wenn es nicht zu der Gitarre passt. Alex keift wieder ordentlich und James Ward liefert gute Arbeit auf dem Saiteninstrument ab. Ein Schelm, der dieses Muster jedem Track zu Grunde legen will!

Denn bei “Let it rain” beweist Bologna doch tatsächlich Kreativität an den Drums. Über den Inhalt des Refrain wollen wir nicht weiter diskutieren, Optimisten würden sagen: “Da hört man gleich, wie das Lied heisst”. Trotzdem ist “Let it rain” eines der überzeugendsten Stücke der Platte geworden, was auch auf das kurze Drumsolo zurückzuführen ist. Ein gelungener Aufbau - an Kreativität mangelt es den Distanzlern nicht. Mehr an Eigenständigkeit.

Viele Überraschungen hält “The rise the fall and everything in between” nicht mehr bereit. Das Klischeelied schlecht hin ist wohl schon vom Titel her “Broken Promises”. Das haben die Kollegen von Element Eighty auch schon mal auf Silber gebrannt, aber die klangen dabei nicht so weinerlich. Alex sagt das schon ganz richtig “Who needs another song about ones love?”. Brauchen tut niemand diese Lieder. Aber sie klingen eben ganz schön.

Die meiner Meinung nach besten Stücke des Albums haben The Distance ganz am Ende der Platte versteckt. ”Before it’s gone” ist ein wirklich gelungenes Stück Musik, bindet es doch neben den Backingvocals im Refrain einige witzige Gitarrenriffs ein und verzichtet nicht mal auf den, das muss man bemerken, gezähmten Schreigesang Jason Alex’s.

“The stage in between” ist einfach nur ein durchgängiger Ohrwurm aus progressiv anmutenden Gitarren im Intro, die natürlich in den Strophen wieder den Drums weichen, und einem wirklich perfekt gelungenen Refrain. Ein bisschen Emo, ein bisschen Pop, das kann die Band nicht mal hinter den harten Strophen verstecken.

Insgesamt eine nette Platte, nichts Neues, aber unter dem Wust der schlechten Hardcore-, langweiligen Emo- und nervigen Punkbands ein bemerkenswertes Stück. Bleibt am Ende zum weihnachtlichen Thema noch der Vergleich mit dem Adventskalender: Da ist auch hinter jeder Tür Schokolade - trotzdem kaufen wir ihn immer wieder.

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