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The Devil's Blood: The Thousandfold Epicentre

Überragend, einfach nur überragend!
Wertung: 10/10
Genre: Occult Rock
Spielzeit: 73:56
Release: 11.11.2011
Label: Ván Records

Kaum eine andere Band hat in den letzten zwei Jahren so extrem polarisiert wie The Devil’s Blood. Gegner sind der Ansicht, die Band würde nichts Neues in die Szene bringen, Altbekanntes nur wieder aufwärmen und sei aufgrund dessen vollkommen überschätzt und überbewertet. Fürsprecher hingegen weisen auf das zweifellos vorhandene musikalische Können hin und dass man den Niederländern vielmehr dafür danken sollte, dass sie den Spirit des okkulten Sechziger Rock wieder aufleben lassen. Es ist sicherlich nicht zu bestreiten, dass The Devil’s Blood einen enormen Anteil daran hatten und haben, dass Gruppen mit okkultem Hintergrund – ob ernst gemeint oder nicht – in den letzten Monaten und Jahren einen unglaublichen Aufschwung erlebten wie Ghost, Devil, Jex Thoth, Year Of The Goat oder die phänomenalen Blood Ceremony.

Doch wie so häufig wird ganz schnell die Hype-Keule geschwungen, vor allem die ewigen Internet-Nörgler sind aus ihren Löchern gekrochen gekommen, um sich auszukotzen, weil sie endlich wieder etwas gefunden haben, woran sie herummeckern können. Besonders der Chefredakteur eines gewissen Metalmagazins aus Dortmund musste in dieser Hinsicht ja so einiges über sich ergehen lassen. Aber zugegeben, man kann diese Band wohl nur lieben oder hassen; dass die Wahrheit, wie man häufig so sagt, in der Mitte liegt, kann in diesem Falle wohl ausgeschlossen werden.

Auch der neueste Streich der Eindhovener wird die einen vor Begeisterung an die Decke gehen lassen, während andere nur ein müdes Achselzucken oder gar Verachtung für „The Thousandfold Epicentre“ übrig haben werden, zumal der rituelle Charakter, der eine wichtige Grundlage dieser Musik bildet, noch intensiviert wurde. Wie Bandkopf SL bereits im Vorfeld andeutete, steht der Gesang stärker im Vordergrund, da diesmal weitaus weniger gedoppelt wurde. Gleichzeitig jedoch sind die Arrangements teilweise noch bombastischer geworden – hin und wieder bedingt durch vereinzelte Streichereinsätze, vor allem aber durch die unfassbare Gitarrenarbeit, die einfach nur als atemberaubend bezeichnet werden muss. Denn egal, was man von der Musik hält, selbst der größte Meckersack wird einräumen müssen, dass es sich bei SL um einen brillanten Gitarristen und großen Visionär handelt.

Schon beim Quasi-Opener „On The Wings Of Gloria“, der von einem mystisch tönenden Intro eingeleitet wird, sieht sich der Hörer mit Gitarrenfanfaren konfrontiert, die ihresgleichen suchen; weiß der Deibel, wie viele Spuren da übereinander gelegt wurden. Die Kunst besteht allerdings vor allem darin, dass bei all dem Bombast das Wichtigste nicht vergessen wird: das Songwriting. Der Song besitzt eine Bassline, die groovt wie Sau, Gesangslinien mit Wiedererkennungswert und von der Stimmung her eine gewisse Erhabenheit, was natürlich bestens zum Titel passt.

Jeder, der nach der tollen EP „Come, Reap“ und dem vorzüglichen Debüt „The Time Of No Time Evermore“ befürchtete, die Band hätte ihr Pulver bereits verschossen (das, was ja auch die Querulanten stets prognostizierten) und könne dem Druck nicht standhalten, kann also aufatmen. Allerdings gibt es auch im Folgenden keinen einzigen Ausfall zu beklagen. Das hypnotische, kalte „Cruel Lover“ fasziniert durch ein grandioses, von Clean-Gitarren zelebriertes Mainriff, „She“ besitzt einen beinahe schon poppigen Charakter und besticht durch ein herrliches, Kanon-artiges Gesangsarrangement im Chorus, „Fire Burning“ rockt trotz eines melancholischen Touchs richtig gut, und der Titelsong, der als Appetizer ja schon vorab veröffentlicht wurde, überragt alles: Auch wenn man das ganze Satans-Gedöns nicht ernst nimmt - wird in dem geradezu zeremoniellen, erneut formidablen Refrain „I call your name – Devil!“ gerufen, kann man nicht anders, als einfach mitzubrüllen. Und wie beim furiosen Finale dieses Stückes in die Akustikpassage übergeleitet wird, ist dermaßen geil, dass man es mit Worten kaum formulieren kann.

Doch apropos Überleitungen: Diese sind das Salz in der Suppe, denn selten wurden Delay-Effekte und Reverb so effektiv und fesselnd eingesetzt. Der ruhigste Track des Albums, das verträumte „Everlasting Saturnalia“, bildet den Auftakt zur letzten halben Stunde der Platte, die etwas experimenteller und äußerst psychedelisch gestaltet wurde, und beginnt mit einem Loop, der einen in einen Dope-vernebelten Strudel hineinzuziehen scheint, aus dem es erst nach dem letzten Ton von „Feverdance“ wieder ein Entrinnen gibt. Hier scheinen The Devil’s Blood die ausufernden Jams bei ihren Konzerten auf Platte übertragen zu haben, denn wie sich „The Madness Of Serpents“ und eben das finale „Feverdance“ steigern, ist unnachahmlich und unterstreicht die musikalische Ausnahmeklasse der Truppe. Kann man nicht beschreiben, muss man gehört haben, aber hat man es gehört, gewinnt man vielleicht eine ungefähre Ahnung davon, was die Band meint, wenn sie von „Ritualen“ spricht.

Wie schon erwähnt, kann man diese Combo wohl nur lieben oder hassen, von daher ist es schwierig, wirklich objektiv an eine solche Besprechung heranzugehen. Im Prinzip kann ich daher nur für mich sprechen: Ich hatte gehofft, dass der Nachfolger von „The Time Of No Time Evermore“ auch nur annähernd an dieses Niveau heranreichen würde, und zu sagen, ich bin nicht enttäuscht worden, wäre eine glatte Untertreibung. „The Thousandfold Epicentre“ übertrifft für meine Begriffe alle Erwartungen und ist sogar eher noch besser, noch abwechslungsreicher, noch interessanter geworden – elf von zehn Punkten, wenn man so will. Ein Meisterwerk sondergleichen, bei dem es unglaublich viel zu entdecken gibt; selbst bei den kurzen Songs „Die The Death“ und „Within The Charnel House Of Love“ passiert mehr als bei anderen Bands auf einem kompletten Album – Kopfhörersessions sind also geradezu Pflicht. Es ist mir scheißegal, ob um die Band ein Hype existiert oder nicht: Für mich ist die Scheibe das Album des Jahres und ich bin völlig süchtig danach! 

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