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The Devil's Blood: III - Tabula Rasa Or Death And The Seven Pillars

Interessantes Vermächtnis
Wertung: 7.5/10
Genre: Occult Rock
Spielzeit: 64:57
Release: 07.06.2013
Label: Ván Records

Mit einer richtig beschissenen Newsmeldung startete das Jahr 2013: The Devil's Blood lösten sich im Januar völlig unerwartet auf – mit zwei fantastischen Alben und einer großartigen EP im Backkatalog waren sie auf dem Zenit ihrer Karriere, sodass man sich als Anhänger der Formation schon verwundert am Kopf kratzen und sich fragen musste, wieso dieser Abgang ausgerechnet jetzt erfolgte. Ob Bandkopf SL dies mittels irgendwelcher in entfernten Sphären schwebenden antikosmischen Botschaften befohlen wurde, ob er einfach die Zeit gekommen sah, etwas anderes zu machen, ob er nach der Maxime „Wenn es am schönsten ist, soll man aufhören“ handelte, ob es Zoff gab, ob das genaue Datum der Bekanntgabe der Auflösung (22. Januar 2013) eine Rolle spielt – all das bleibt spekulativ, doch selbst der größte Kritiker wird wohl anerkennen müssen, dass die Truppe in ihrem Tun wirklich konsequent kompromisslos ist. Denn wer macht schon Schluss, wenn man gerade durchstartet? Was hätte da noch alles draus werden können, fragen sich die Fans, während sämtliche Hater, die ja jede sich bietende Gelegenheit nutzten, um die Band zu diskreditieren, im Gegenzug die Sektkorken knallen ließen.

Ein Trostpflaster bieten die Niederländer für ihre trauernde Fangemeinde in Form eines dritten Albums aber immerhin: Bei den Stücken auf „III – Tabula Rasa Or Death And The Seven Pillars“ handelt es sich zwar mehr oder weniger um Rohfassungen, da das Album eben nicht mehr ganz fertig wurde bzw. die richtigen Aufnahmen gar nicht mehr vollzogen wurden – dennoch besser als nichts. Klar ist, dass die Band auch mit solch einer unfertigen Scheibe die Konkurrenz musikalisch immer noch problemlos einsackt, wobei natürlich erneut etwas Wehmut aufkommt, wenn man sich denn vorzustellen versucht, wie die Langrille klingen würde, hätte man alles fein säuberlich ausgearbeitet.

Besonders der letzte Song „Tabula Rasa“ klingt unfertig, da hier eindeutig herauszuhören ist, dass da eigentlich noch eine Gesangsspur hin sollte, so jedoch muss man sich mit einer instrumentalen Version mit ein paar Lücken im Arrangement begnügen. Das genau zehn Minuten währende „White Storm Of Teeth“ macht ebenfalls den Eindruck, nicht ganz fertig geworden zu sein; grundsätzlich verwundert der Jamcharakter, den dieser Track innehat, bei The Devil's Blood natürlich keineswegs, doch macht das Ganze hier den Eindruck, dass einfach drauflos gespielt wurde, ohne einen echten Song als Grundgerüst zu haben. Das allerdings muss ja nicht schlecht sein; so monoton einem das Stück zunächst noch erscheint, ist es doch beeindruckend, wie es sich mehr und mehr steigert und mit seiner hypnotischen Art in den Bann zieht.

Besonders beim allerersten Stück „I Was Promised A Hunt“, das schon allein wegen der gigantischen Länge von 22 Minuten ins Auge springt, wird deutlich, dass die Eindhovener auf jeden Fall darauf bedacht waren, sich nicht zu wiederholen. Der Song ist alles in allem recht langsam, wirkt reduzierter als noch die Kompositionen auf „The Thousandfold Epicentre“, wo man teilweise mit über 180 Spuren aufwartete. Außerdem bietet Sängerin F einige ihrer besten und interessantesten Gesangsperformances überhaupt. Gleich zu Beginn gibt es a capella mehrstimmige Vocals zu hören und im späteren Verlauf tauchen weitere solcher chorartigen Sequenzen auf. Das Stück mag etwas zäh erscheinen, was angesichts der epischen Länge nicht unbedingt überrascht, doch wenn man sich darauf einlässt, zeigt sich, dass hier kein Part zwingend eingeschoben wurde.

Apropos einlassen: Natürlich ist die Musik auch auf diesem dritten TDB-Full-length-Werk wieder bestens geeignet, sich einfach fallen zu lassen und die teilweise wieder einmal unfassbaren Gitarrenarrangements und -sounds sorgen erneut für heruntergeklappte Kinnladen. Allein diese leichtfüßigen Riffs und die perlenden Soli beim psychedelisch-sphärischen „In The Loving Arms Of Lunacy’s Secret Demons“ (was für ein Songtitel…) und die Urgewalt, die im letzten Teil des überragenden „Dance Of The Elements“ (noch ein Instrumental, hier jedoch vermisst man die Vocals nicht unbedingt) entfacht wird, machen einfach nur sprachlos.

Umso bedauerlicher, dass die Band Geschichte ist, auch wenn SL bereits eine neue Combo namens Selim Lemouchi And His Enemies am Start hat, bei der der Sound von TDB weitestgehend fortgeführt wird, er selbst singt und live sogar vier Gitarren auf der Bühne stehen. So oder so ist „III – Tabula Rasa Or Death And The Seven Pillars“ ein sehr interessantes Vermächtnis, das, da eben nicht komplett ausgereift (teilweise ist auch das Schlagzeug programmiert), logischerweise nicht mit den Vorgängern mithalten kann, das aber natürlich jeder Fan dieser Ausnahmekapelle im Schrank stehen haben muss.

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