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The Devil's Blood: Come, Reap

Diese EP macht süchtig und schürt die Erwartungshaltung auf das erste Full-Length-Album
Wertung: 9.5/10
Genre: Occult Rock
Spielzeit: 27:43
Release: 24.11.2008
Label: Ván Records

Normalerweise verursachen Hypes bei mir schon aus Prinzip eine Abwehrhaltung – und um The Devil’s Blood wurde in den letzten Monaten besonders seitens eines gewissen großen Rockmagazins aus Dortmund ein Riesenhype veranstaltet. Doch da es hieß, die Band um Gitarrist Selim Lemouchi und seine ältere Schwester Farida, die als Sängerin unter dem Pseudonym „The Mouth Of Satan“ fungiert, spiele stark vom Psychedelic Rock der Sechziger und Siebziger beeinflusste Musik, war für mich als Liebhaber der alten Meister natürlich klar, dass ich The Devil’s Blood eine Chance geben musste.

Und Hype hin oder her – die Band ist wirklich großartig und die EP „Come, Reap“ ein absoluter Süchtigmacher. Auch wenn die Niederländer mit okkulten Texten arbeiten, ist es dennoch erstaunlich, dass sich so viele Black-Metal-Musiker auf die Gruppe berufen, da sie mit Metal – geschweige denn Black Metal – nicht das Geringste zu tun hat. Vielmehr kann man sich vorstellen, dass The Devil’s Blood in den Siebzigern einen enormen Zulauf hätten haben müssen, da ihre Musik viel eher in diese Zeit gepasst hätte. Jedoch macht die Tatsache, dass die Band eine Musikrichtung wiederbelebt, die ihre besten Zeiten längst hinter sich hat, sehr sympathisch und bestärkt ihren Undergroundstatus – mal abgesehen davon, dass man heutzutage mit satanischen Provokationen nicht mal mehr die schreckhafteste Oma hinter dem Ofen hervorlocken kann, was zu Zeiten von „Sympathy For The Devil“ von den Rolling Stones oder Black Sabbaths Anfangstagen selbstverständlich ganz anders war.

Doch darum geht es bei The Devil’s Blood schließlich auch nicht. In erster Linie geht es um psychedelische von Bands wie Jefferson Airplane, Rush und diversen Classic- und Krautrock-Combos beeinflusste Musik, welche eben von okkulten Texten unterlegt ist und eine ganz bestimmte, mystisch-dunkle, drogengeschwängerte Atmosphäre innehat. Altbacken oder einfach nur neu aufgewärmt klingt hier nichts, dafür sorgen die durch die Bank großartigen Songs, die Spielfreude der Holländer und die äußerst erfrischende Produktion, die im Gegensatz zum Demo von 2007 naturgemäß deutlich stärker und gleichermaßen authentisch und bodenständig wie ausgewogen und druckvoll ausgefallen ist.

Bereits der Titelsong besitzt einen unwiderstehlichen Drive, der zu Begeisterungsstürmen hinreißt. Auf der einen Seite macht das unglaublich treibende Main-Riff sofort deutlich, dass die Band in der Lage ist, sich eingängige Songs zum Mitsingen aus dem Ärmel zu schütteln, doch auf der anderen Seite zeigt das aufwendige Arrangement mit den vielen übereinander gelegten, wunderschönen Gitarrenmelodien und den häufig gedoppelten Gesangslinien die glänzenden musikalischen Fähigkeiten der Musiker auf. Diese beiden scheinbaren Gegensätze, die The Devil’s Blood völlig problemlos unter einen Hut bekommen, verursachen, dass man sofort süchtig nach dem Track wird, ihn immer wieder hören will und trotzdem bei jedem Durchlauf neue Details entdeckt (Kopfhörer-Sessions seien empfohlen).

Selbiges gilt allerdings auch für die übrigen Stücke der EP. „River Of Gold“ mit seiner simplen, aber effektiven Bassline klingt stark Black-Sabbath-beeinflusst und ist nicht minder grandios als der Opener oder der sich anschließende Song „The Heavens Cry Out For The Devil’s Blood“, welcher einen phantastischen Mitsing-Refrain bietet, der schließlich in eine psychedelische Passage mit scheinbar von überall herkommenden Gitarren mündet, bis am Ende nur noch Farida im Hintergrund allein singt. 

Es folgt mit dem knapp dreiminütigen „White Faces“ das kürzeste Stück von „Come, Reap“, ein Cover von Roky Erickson, den die Band als einen ihrer Haupteinflüsse nennt. Der Song fügt sich völlig in nahtlos ins Gesamtbild ein und wenn ich es nicht besser wüsste, hätte ich gar nicht gemerkt, dass es sich um eine Coverversion handelt.

Im Gegensatz dazu stellt das zehn Minuten lange „Voodoo Dust“ die längste und gleichzeitig letzte Nummer der EP dar. Das Stück hat mit der monoton agierenden Rhythmusgruppe und den darüber schwebenden, von endlosen Delays gezeichneten Lead-Gitarren eine äußerst hypnotische Wirkung, ähnlich wie bei „In-A-Gadda-Da-Vida“ von Iron Butterfly. Trotz ihrer Länge wirken die Soli zu keiner Sekunde langweilig, vielmehr hat man das Gefühl, das Ganze könnte noch ewig so weitergehen, so sehr vereinnahmt dieser einem Drogenrausch gleichkommende Track. Phänomenal, wie gegen Ende zunächst ein Harmoniesolo erklingt und dann sanfte Akustikgitarren den Song – und damit die gesamte EP – langsam ausklingen lassen.

Das Fazit nach dieser Traumreise ist eindeutig: überirdisch! Die Arrangements sind brillant ausgetüftelt, die Atmosphäre einzigartig, die Songs schlichtweg genial, die Soli filigran und Sängerin Farida mit ihrer unverkennbaren, facettenreichen und charismatischen Stimme eine willkommene Abwechslung zu den ganzen Trällerelfen aus der Gothic-Szene, die sie locker in die Tasche steckt.

The Devil’s Blood verstehen es ausgezeichnet, alte Musik in die heutige Zeit zu übertragen und man kann nur hoffen, dass das für September angesetzte Full-length-Album genauso toll wird wie „Come, Reap“. Nach den endlosen – aber eben auch berechtigten – Lobhudeleien ist der Druck auf die Band ja nicht gerade gering. Bei der Spielfreude, die die Holländer an den Tag legen, dürfte das aber eindeutig im Bereich des Möglichen liegen. Ich freue mich jedenfalls schon auf den 18. Juli, wenn The Devil’s Blood exklusiv neues Material in Hamburg (wir berichteten) präsentieren wollen.

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