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The Crystal Caravan: Against The Rising Tide

Eine Zeitreise in die wilden Siebziger
Wertung: 6.5/10
Genre: Psychedelic Rock
Spielzeit: 37:12
Release: 16.11.2010
Label: Transubstans Records

Es gibt Menschen, die sind irgendwie in den Endsechzigern und Siebzigern hängen geblieben. Ob daran der übermäßige Konsum halluzinogener Substanzen Schuld ist oder einfach nur der Hang zur Nostalgie, sei dahin gestellt, aber lustig anzuschauen sind diese Kameraden eigentlich immer mit ihren wallenden Mähnen, den riesigen Sonnenbrillen und dem dahinter meist leicht verkifften Blick. Ähnlich könnte man auch die Herren von The Crystal Caravan beschreiben, zumindest würde die Musik eine solche Beschreibung rechtfertigen. Und wie bekommt man den "Sound of the Seventies" am besten hin? Man sperrt einfach zwei Gitarristen, einen Drummer, einen Bassisten und einen Organisten zwei Wochen lang in eine stickig-heiße Kapelle und zwingt sie, ihren Kram dort aufzunehmen. Dementsprechend hat die neue Platte „Against The Rising Tide“ einen schönen, ungekünstelten Hall, der absolut authentisch rüberkommt.

Etwas weniger glaubwürdig kommt die Stimme von Sänger Niklas Gustafsson ums Eck, der sich redlich abmüht, in einer Riege mit Led Zeppelins Robert Plant oder Deep Purples Ian Gillan zu agieren. Ein bisschen uninspiriert wirkt der Schwede manchmal, aber immerhin beherrscht er seinen Job, auch wenn er in den höheren Oktaven zeitweise arg angestrengt klingt. Es ist aber auch nicht einfach, neben der reichlich penetranten The Doors-Orgel und den verschnörkelten Gitarrenläufen als Sänger einigermaßen zum Zug zu kommen.

Der Opener „We Always Lose“ hätte so ähnlich auch von The Who stammen können, hätte man sie mit ausreichend LSD im Proberaum eingesperrt – obwohl hier noch einigermaßen nachvollziehbare Songstrukturen zu hören sind, hat man schon ein bisschen das Gefühl, dass neben Wasser und Zigaretten auch diverse andere Mittelchen im Studio von The Crystal Caravan nicht fehlen dürfen. Sehr tanzbar knüpft dann „Love And Direction“ an, bei dem sich Björn Lohmander und Stefan Bränberg an den Gitarren so richtig schön austoben dürfen, inklusive verwirrter Soli.

„I’m A Stone“ müsste eigentlich ein Grinsen auf die Gesichter sämtlicher Deep Purple-, Led Zeppelin- oder Siebzigerjahre-Fans zaubern, denn der Track klingt eins zu eins, als wäre es aus dem psychedelischen Jahrzehnt entsprungen. Der wie aus der Ferne ertönende Gesang, die rasant-verspielten Gitarren, die verdrogte Orgel – all das kennt man, wenn auch in etwas anderer Zusammensetzung, von den Großen des Psychedelic Rock. Dies ist eine feine Sache, auch wenn der allerletzte Funke noch immer nicht hundertprozentig übergesprungen ist. Das ändert sich auch im weiteren Verlauf der Scheibe nicht. Zwar haben TCC mit „Take What’s Yours“ noch einen ziemlich tanzbaren Ohrwurm im Gepäck, der weniger psychedelische Elemente beinhaltet, dafür aber geradlinig nach vorne rockt, und auch der über acht Minuten lange Rausschmeißer „Wrecking Ball“ mit seinem überaus deprimierenden Einstieg mit weinerlichen Gitarren und einem verzweifelt anmutenden Sänger, der sich bald in scheinbare Raserei steigert, weiß zu überzeugen, aber irgendwas fehlt immer noch.

Fazit: The Crystal Caravan hieven einen zwar mit einiger Gewalt wieder zurück in die LSD-Zeit, so richtig wird man das Gefühl aber nicht los, dass die Musikrichtung eher weniger zu der Band passt. Irgendwie kommt einfach das Feeling nicht rüber, aber immerhin liegt die glorreiche Zeit des Psychedelic Rock auch schon eine ganze Weile zurück. Dennoch: „Against The Rising Tide“ kann man sich gerne öfters zu Gemüte führen, wenn man die alten Haudegen einmal satt hat.

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