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The Casualties: Chaos Sound

Nach 26 Jahren haben The Casualties immer noch Biss!
Wertung: 8,5/10
Genre: Hardcore Punk, Streetpunk
Spielzeit: 33:32
Release: 22.01.2016
Label: Season Of Mist

Es ist mir ein Rätsel, wie die New Yorker Punks The Casualtiesund das französische Label Season Of Mist zusammengekommen sind. Kein Wunder ist allerdings, wie sich die Vierertruppe bereits seit 26 Jahren im Geschehen halten kann: Mit rotziger Attitüde, einem fiesen Sänger und ordentlich Zorn gegen das Establishment. Seit 1990 zerlegen The Casualties nämlich bereits die Szene – und seit dem letzten Album“Resistance“, das vor bereits vier Jahren erschien, haben es sich die Herren bei dem Label aus Marseille gemütlich gemacht. Scheint also nicht ganz so schlecht zu laufen für Jorge Herrera (übrigens das einzige verbliebene Gründungsmitglied) und seine Mannen.

„Chaos Sound“ ist mittlerweile das zehnte Studioalbum, auch zahlreiche EPs und Live-Alben (!) sind im Backkatalog zu finden – eine ordentliche Auswahl an klassischem Hardcore Punk. Das mag übrigens beim Intro noch gar nicht so aussehen, denn hier verausgabt sich eine scheinbar klassisch ausgebildete Dame mit sehr hoher Stimme, was ein klein wenig an die Theaterszene aus „Das fünfte Element“ erinnert, nur ohne die abgefahrenen Alien-Elemente. Der Name „Chaos Sound“ ist nicht nur im Titeltrack Programm, beherzt legt das Quartett los und beschert dem Hörer eine knappe halbe Stunde Hardcore Punk mit Oi- und Streetpunk-Anleihen, die beispielsweise in dem megaguten Doppelpack „Running Through The Night“ und „Brothers And Sisters“ zu hören sind. Ultrafies keift sich Herrera bei ersterem Song durch den Track, im Refrain gibt’s dezenten Gruppengesang, während „Brothers And Sisters“ sehr viel rasanter daherkommt und mit „Woohoohoo“-Chören und der Zeile „Brothers and sisters, never give up/brothers and sisters forever“ das HC-Gemeinschaftsgefühl schürt und einen dazu zwingt, sich in den heimischen vier Wänden mit dem Mitgrölen zurückzuhalten.

„Countdown To Tommorow“ wird erstaunlich dramatisch eingeleitet, reitet dann aber ebenso auf der staubigen Hardcore Punk-Welle dahin, „Keep Your Distance“ ist dann mit dem knalligen Refrain „fuck off and die!“ ein typischer Punk-Mitgröl-Song geworden, während „In The Lost City“ mit einem sterilen Off-Beat startet und dann mehr in die Hardcore/Oi-Schiene abgleitet.

Wo die New Yorker musikalisch tatsächlich herkommen, darf auch nicht vergessen werden, und so wird mit dem Motörhead-Cover „R.A.M.O.N.E.S.“ gleich zwei Bands auf einmal gehuldigt – als ob bei diesen 15 Tracks überhaupt noch Zweifel am Ursprung der Truppe bestünden. Zwischendurch herrscht auf kurzen Strecken ein bisschen Stumpfheit, aber an sich darf Hardcore Punk das ja. Nach 26 Jahren noch so viel Feuer unterm Arsch zu haben, ist an sich schon eine große Leistung – dieses Feuer dann auch noch in (gute!) Songs zu verpacken, ist noch mal ein ganz anderes Kaliber. Jetzt müssen die Herrschaften es nur mal für ein paar Clubshows nach Deutschland schaffen…

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