Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

The Casket Lottery: Short Songs For End Times

Besser als der Durchschnitt, aber zu wenige Aha-Momente
Wertung: 7,5/10
Genre: Indie Rock
Spielzeit: 37:17
Release: 06.11.2020
Label: Second Nature Recordings/Wiretap Records/Big Scary Monsters

The Casket Lottery aus Kansas spannen ihre Fans schon gerne auf die Folter. Erfolgten die Veröffentlichungen der ersten beiden Scheiben „Choose Bronze“ und „Moving Mountains“ in gerade mal einjährigem Abstand, konnte die Truppe sich immerhin nach gerade mal zwei Jahren zu „Survival Is For Cowards“ hinreißen lassen. Dann schien ein bisschen das Alter zuzuschlagen: Ganze zehn Jahre ließ „Real Fear“ auf sich warten. Die aktuelle, bereits im November erschienene Scheibe mit dem zutreffenden Titel „Short Songs For End Times“ hat immerhin wieder acht Jahre gedauert. Als TCL-Anhänger scheint man starke Nerven zu brauchen.

Hört man die zehn Songs auf „Short Songs For End Times“, käme man nie auf die Idee, dass die Band bereits 20. Jubiläum gefeiert haben könnte. Ähnlich wie Combos wie Hot Water Music scheinen The Casket Lottery mit nicht enden wollender Spielfreude und Energie ausgestattet zu sein, selbst ein zu Beginn eher dahinplätschernder Track wie „Unalone“ nimmt dann im Verlauf nochmals ordentlich an Fahrt auf.

Dabei liegt hier mitnichten eine Partyplatte vor. Zu Zeiten der Entstehung des Albums hatte Trump die USA noch in seinen faschistoiden Klauen, kein Wunder also, dass es auf „Short Songs For End Times“ durchaus auch düstere Töne zu verzeichnen gibt: „Feel Nothing“ ist trotz des depressiv anmutenden Titels wohl eher ein Aufruf und auch das nachfolgende „Trust As A Weapon“ verbreitet mit seinen kratzigen Gitarren eher Weltuntergangsstimmung.

Selbstverständlich gibt es auch einige echte Highlights auf der insgesamt eh sehr soliden Platte zu verzeichnen: Gleich der Opener „You Are A Knife“ beherrscht die Szenerie mit explosiven Gitarren, verspielten Melodien und dem typisch Indie-esken Gesangsmix zwischen Geschrei und Schmeichelei. Da kommt es nur zupass, dass sich Bassist Stacy die Vocals mit den beiden Gitarreros Terrence und Nathan teilen kann. Ähnlich gelagert, wenn auch eine Spur aggressiver, kommt „More Blood“ daher, das vor allem im saustarken Refrain („this is my blood, this is my body, all I am“) einen wahren Seelenstriptease hinlegt, der mit absolut genialen Vocals durch die Boxen transportiert wird.

Schade, dass The Casket Lottery die Aggro-Welle nur selten zu Ende reiten, allzu oft verlegen sich die Jungs auf gemäßigtere Klänge, die zum Teil die Songs ganz schön ausbremsen können. Gerade zum Ende haut die Truppe aber mit „Sad Dream“ erneut einen absoluten Anspieltipp heraus, an den man nach dem soliden, aber über weite Strecken nicht unbedingt aufsehenerregenden Mittelteil der Scheibe schon gar nicht mehr geglaubt hatte. Der finale Track stellt ohne Übertreibung mit Abstand den stärksten Track dieser Veröffentlichung dar: Mutet der Song zu Beginn noch eher einschläfernd an mit seinen wabernden Samples, lässt die Instrumentalfraktion dann schon Großes vermuten, das sich schließlich mit stakkatoartigen Beats und einem unfassbar mitreißenden Gitarrenriff Bahn bricht. Halten sich die Vocals da noch eher zurück, wird im Refrain schließlich richtig losgelegt und die zuvor vermisste Aggression gebündelt durch die Boxen geschossen. Da bleibt kein Auge trocken und die Gänsehaut ist vorprogrammiert. Unfassbar genial!

Mit einem solchen Abschluss kann sich „Short Songs For End Times“ dann noch mal das ein oder andere Zusatzpünktchen sichern. Schade, dass derlei Aha-Momente auf den knapp 37 Minuten Spielzeit so rar gesät sind, nichtsdestotrotz liegt hier eine gute Platte vor, deren Anspieltipps zumindest sicherlich noch ein paar Runden in der heimischen Playlist laufen dürfen.

comments powered by Disqus

Sieben Alpha-Hein-Mücks

Doomiges Live-Konzert in eine mögliche neue Normalität

Der Erstlingsroman des Musikers kann sich sehen lassen

Werkschau einer der größten und einflussreichsten Rockbands aller Zeiten

Wie mit einer Ex-Freundin

Willkommen in der Husumer Sauna

Von Jahr zu Jahr kommt man einfach immer mehr auf den Boden der Tatsachen