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The Carnivales: While We're Young

Fünf Schweden rocken sich durchs Mando-Lehrbuch
Wertung: 7/10
Genre: Rock/Alternative/Pop
Spielzeit: 37:41
Release: 11.10.2010
Label: Standstraight Music/Radar

Wenn es um radiotauglichen, energischen Rock geht, ist Schweden als Erzeugerland seit Mando Diao und The Hives ganz vorne mit dabei. Neuerdings gibt es mit Royal Republic mal wieder so etwas wie Nachwuchs und auch The Carnivales fühlen sich eingängigen Melodien, treibenden Grooves und ruppigen (aber nicht zu ruppigen) Gitarrenklängen verbunden. Dass die Bandmitglieder allesamt in den frühen Zwanzigern sind und selbstverständlich (soweit man das den Sepia-Fotos im Booklet entnehmen kann) blendend aussehen, fügt sich da perfekt ins Vorurteil ein: Das hier ist ganz klar ein Fall für die Zielgruppe „Weiblich, 14+“.

Was die Musik auf „While We're Young“ nicht schlechter macht. The Carnivales liefern halt einfach das ab, was man von Alternative Rock aus Schweden erwartet – nicht mehr, aber auch nicht viel weniger. 37 Minuten lang feiert das Quintett also seine Jugend nach allen Regeln der Poprock-Kunst ab: mit scheppernden Drums, einem reichhaltigen Fundus an fröhlichen Gitarrenleads, crunchigen Rhythmusklampfen und natürlich jeder Menge Background-Uh-Ah- und Yeah!-Rufen. Dass Leadsänger Espen Janson dann auch noch klingt wie der verloren gegangene Zwillingsbruder von Kings Of Leon-Vokalist Caleb Followill fügt sich da natürlich großartig ins Soundbild ein.

Den Vorwurf, eine bloße Kopie ohne eigene Note zu sein, müssen sich The Carnivales da selbstverständlich gefallen lassen. Selten hat sich eine Platte so als Suchspiel für Stilmerkmale anderer Bands angeboten: An welchen Kings Of Leon-Song erinnert diese Passage noch gleich? Und wie viele Carnivales-Songs muss man wohl zerpflücken, um daraus einen Mando Diao-Track zu bauen? Das Refrainlick von „Lola“ bietet sich dafür als Grundstein geradezu aufdringlich an.

Abweichungen von der Schwedenrock-Blaupause muss man jedenfalls mit der Lupe suchen: „Killer Kid“ überrascht im Mittelteil mit orientalisch inspirierten Gitarrenläufen; „Let The Good Times Roll“ packt eine dezente Schweineorgel und räudige Backingvocals aus - es sind größtenteils Details, die man aus Gefilden jenseits des Tellerrandes importiert hat.

Welche Berechtigung hat „While We're Young“ also im CD-Regal und Plattenschrank neben seinen eigenen Einflüssen, wenn Innovationen doch so offensichtlich fehlen? Nun, abgesehen davon, dass hier ein stürmisch-jugendliches Album mit zehn kurzweiligen Poprocksongs ein bisschen Aufbruchsstimmung in den Herbst bringen kann, eigentlich keine. Aber manchmal muss es ja gar nicht mehr sein. Genrefans werden an dieser Platte Gefallen finden – auch wenn bezweifelt werden darf, ob sich The Carnivales damit langfristig etablieren können.

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