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The Anyway Business: EP 2010

Eine großartige EP, die Lust auf mehr macht
Wertung: 8.5/10
Genre: Mathcore, Discocore
Spielzeit: 19:51
Release: 01.10.2010
Label: Eigenproduktion

Die Magdeburger The Anyway Business sind noch nahezu jungfräulich im weiten Musikbusiness unterwegs. Nicht mal eine Handvoll Auftritte hat der Fünfer seit der Gründung im April 2010 hinter sich, dennoch teilte sich die Band gleich beim ersten Gig die Bretter mit A Traitor Like Judas. Wenn das mal kein Einstand ist! Dabei ist zumindest Sänger Alex kein unbeschriebenes Blatt, war er doch vorher bei den großartigen Bedlam Broke Loose am Mikro zugange. Keine schlechte Ausgangsposition also, um sich auch mit The Anyway Business in der kaum endenwollenden Flut deutscher Core-Bands zu behaupten.

Den Stil der Combo einigermaßen sinnvoll zu beschreiben, mutet fast wie eine Mission Impossible an. Klar sind typische Metalcore-Einflüsse wie Blastbeats und Breakdowns auszumachen, gleichzeitig zeigen sich aber so viele vertrackte Songstrukturen, dass man auch Mathcore als Bezeichnung hinzuziehen könnte. Und schließlich und endlich darf man die elektronische Seite der Band nicht außer Acht lassen: Ähnlich wie zum Beispiel Asking Alexandria greifen auch TAB auf Samples zurück; nur dass hier nicht die üblichen Eurodance-Spielereien abgefeuert werden. Stattdessen verleihen die eingestreuten Elektro-Parts den Songs eine gewisse Tiefe und – wie im Opener „Love Juice“ – eine leicht apokalyptisch angehauchte Stimmung, die die ein oder andere Gänsehaut heraufbeschwört.

Wo wir gerade beim Thema Stimmung sind: Für eine Eigenproduktion ist die erste EP der Jungs verdammt heftig ausgefallen. Die Gitarren knallen genau da, wo sie sollen, die Drums klingen nicht einmal blechern, der Bass vibriert nicht unangenehm in der Magengegend und die Vocals haben ordentlich Drive. Soundtechnisch gibt es bei The Anyway Business also schon mal nichts zu meckern – was die Songs betrifft, musst man sich eventuell erst ein wenig in die Struktur reinhören, dann sollte es aber für Core-Fans kein Halten mehr geben. Schon der Einstieg mit dem eingangs erwähnten „Love Juice“ lässt ungefähr erahnen, was uns in den nächsten zwanzig Minuten erwartet: Durchatmen ist nicht, stattdessen wird mit ordentlich Doublebass-Einsatz drauflos geprügelt, Alex pendelt zwischen kraftvollen Shouts und unglaublich fiesem Gekeife, das mir so noch bei keiner Core-Band erinnernswert aufgefallen wäre. Und erst die Samples! Hier werden nicht einfach irgendwelche Elektro-Versatzstücke in den Song gestopft, stattdessen wird die ganze Songstruktur durch deren Einsatz noch mal aufgewertet. Geil!

„Through Rapist’s Glasses“ entpuppt sich als manischer Wutbrocken allererster Güte, bei dem einem schon vom puren Anhören der Vocals das Blut die Kehle herunterfließt. Hier werden Deathcore-lastige Breakdowns und Growls eingesetzt, bevor hintergründig fast fröhliche Samples Alex’ Geschrei unterstützen. Wer glaubt, das sei chaotisch, sollte sich das folgende „What A Mess“ besser nicht zu Gemüte führen: Dissonante Gitarren-Einsprengsel, in Kombination mit mehrstimmigen aggressiven Vocals – die perfekten Zutaten für einen brutalen, blutigen Mosh.

Ein absolutes Highlight stellt dann „Chocolate“ dar. Mit knallenden Blastbeats und flirrenden Gitarrenläufen als Unterstützung klingt Alex gleich noch mal eine Spur fieser; ganz grandios taucht dann im Refrain plötzlich eine klare Zweitstimme im Hintergrund auf, die einem die Gänsehaut auf die Arme zaubert. Die Samples geben dem Song dann einen leicht düsteren Indie-Anstrich und hier darf sogar das Tanzbein geschwungen werden – bis das Gekeife wieder einsetzt und die Gitarren wie Motorsägen auf den Hörer losgehen. Und immer wieder überrascht einen der Refrain – wow! Schöne elektronische Spielerein gibt’s dann bei dem knapp zweiminütigen, passend betitelten Outro „I’m Out“, bei dem man sich noch mal so richtig schön zurücklehnen und auf den wiederholten Durchlauf der Platte freuen kann.

Fazit: The Anyway Business überraschen durch intelligentes Songwriting und eine Mischung aus Mathcore, Discocore, Deathcore und Metalcore, die erstaunlich nachvollziehbar bleibt und nicht in unkontrolliertes Chaos abdriftet. Einen großen Wiedererkennungswert hat die Band nicht zuletzt durch ihren Ausnahmesänger, aber auch durch die meist sehr düster und Endzeit-mäßig anmutende Mischung aus flirrenden Gitarren und ein wenig EBM-lastigen Samples inne. Die „EP 2010“ der Jungs ist definitiv eine Empfehlung für alle Core-Fans, die sich an den gängigen Konstellationen schon satt gehört haben und auf der Suche nach Frischfleisch sind.

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