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The Alligator Wine: Demons Of The Mind

Rock ohne Gitarre? Geht gut!
Wertung: 7,5/10
Genre: Psychedelic Rock, Crossover
Spielzeit: 42:39
Release: 24.04.2020
Label: Century Media

Das Cover der Erstlingsscheibe von The Alligator Wine lässt es irgendwie vermuten: Wir befinden uns in den groovy seventies, als die nächste Entrückung nur eine Pille entfernt war und man sich oftmals durch schwurbelige Keyboardpassagen zu kämpfen hatte, um gute Sänger zu entdecken. Bei dem psychedelischen Duo aus Rob Vitacca und Thomas Teufel hat man solcherlei Probleme gottlob nicht: Die beiden Herren verstehen es vielmehr, den Hörer von der ersten Sekunde an mitzureißen – da darf dann auch mal die Hammondorgel mitmischen, ohne dass man sich fremdschämen muss. Hypnotische Vocals und treibende Bässe tun da ihr Übriges, um den Groove aufrechtzuerhalten.

Da muss man dann schon ein bisschen schmunzeln, wenn man liest, dass die Truppe sich eigentlich 2016 als experimentelle Krautrockband zusammengetan hat und kann sich nur zu gut vorstellen wie die beiden den Anheizer für die genialen The Picturebooks gespielt haben. Dass nach der 2018er „The Flying Carousel“-EP nun auch zum Ende des Monats hin endlich mit „Demons Of The Mind“ das Debütalbum in den Läden steht, war da nur die logische Konsequenz.

Dass The Alligator Wine vollkommen ohne Gitarre auskommen, will man im ersten Moment gar nicht wahrhaben, und ganz ehrlich: Es tut der Partylaune auf „Demons Of The Mind“ auch keinen Abbruch, kein Saiteninstrument parat zu haben. The Alligator Wine agieren zu allen Zeiten auch ohne Sechssaiter mitreißend, wobei sich Tracks wie „Mamãe“ mit ihrem deutlichen Ohrwurmcharakter zwar schnell einprägen, aber nicht unbedingt zum Rauf- und Runterhören gemacht sind. Ganz anders solche Knaller wie das sehr unscheinbar startende, aber dann schnell an Fahrt aufnehmende „Shotgun“, das mit deutlicher Sludge-Kante durch die Prärie prescht und auch im x-ten Durchlauf für wunde Füße und schmerzende Nackenmuskeln sorgen wird, oder auch das orgelig eingeleitete „Voodoo“, das bald einen stampfenden, fast kriegerischen Rhythmus entwickelt und ebenso wieder zum Tanzen animiert.

Mit „Lorane“ haben die beiden Herren einen überraschend traurigen Song auf die eigentlich sonst recht bewegungsintensive Platte gepackt, und das sogar so ziemlich ohne Kitsch. Auch ein Song mit einem so gefährlich nach an der Pathos-Grenze schrammenden Titel wie „Dream Eyed Little Girl“ hat dann eher was von Achtziger-New-Wave mit seinem leicht wabernden Intro und dem dazu passenden Gesang, und der flotte Opener „The Flying Carousel“ erinnert stark an die wunderbaren Kollegen von The Loranes.

Party allerorten (außer bei „Lorane“ vielleicht) und das auf einem Debüt: The Alligator Wine machen vieles richtig, driften aber noch das ein oder andere Mal in seichtere Gewässer ab, die sie nicht so ganz umschiffen können oder wollen. Technisch über alle Zweifel erhaben, verlieren solche Tracks wie „Mamãe“ deutlich schneller an Reiz als beispielsweise „Voodoo“. Macht aber gar nicht so viel, in die Herzen getanzt haben sich die beiden Musiker trotzdem ganz schnell – eine schöne Nummer für ein Debütalbum, die definitiv Lust auf mehr macht und den Hörer neugierig auf weitere Veröffentlichungen zurücklässt.

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