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The Agonist: Prisoners

Längst nicht das Niveau, das man erwartet hätte
Wertung: 6.5/10
Genre: Metalcore, Melodic Death Metal
Spielzeit: 56:35
Release: 01.06.2012
Label: Century Media

Unter den Bands, die in der (jüngsten) Vergangenheit vor allem durch den Einsatz von bombastischen Frontfrauen von sich Reden gemacht haben, finden sich mit Arch Enemy, Walls Of Jericho oder auch In This Moment Bands, die vor allem in den extremeren Metalsubgenres Lorbeeren einheimsen konnten. Seit ein paar Jahren mischen auch die Kanadier The Agonist munter mit, deren Fronterin Alissa White-Gluz im ersten Moment weitestgehend durch bunte Haare und Tattoos auffällt. Stimmlich hat die Frau aber auch einiges zu bieten: Im Gegensatz zu vielen Kolleginnen (die oben genannten mal ausgenommen) versteht die gute Frau sich nämlich auf tierische Screams ebenso wie auf Klargesang jenseits der zerspringenden Kristallgläser.

Bereits das zweite Album "Lullabies For A Dormant Mind" konnte bei The-Pit.de ganze acht Punkte abgreifen, auch wenn eine leichte Schwäche im direkten Vergleich mit dem Debütalbum "Only Once Imagined“ aufgezeigt werden musste. Mittlerweile sind seit der letzten Veröffentlichung auch schon wieder drei Jahre rum - wie die Zeit doch vergeht. Da ist es wirklich schon so lange her, dass die Truppe mit ihrem Überhit "Thank You, Pain" auf YouTube brillierte, wobei man sagen muss, dass sich am Sound vergleichsweise wenig geändert hat. Die neue Scheibe "Prisoners" strotzt immer noch vor dem kristallklaren Riffing der Gitarristen Danny und Pascal, Drummer Simon drischt immer noch wie ein Wilder auf seine Felle ein, nur Tieftöner Chris tut nicht das, was er sollte, nämlich tief tönen - da hat der gute Tue Madsen beim Mixing und Mastering ein bisschen zu viel Zeit in die Höhen investiert, was zwar kein Weltuntergang für die neue Scheibe ist; dennoch, über ein wenig mehr Druck von unten hätte man sich gerade bei der Art von Musik, wie sie The Agonist produzieren, doch gefreut.

Laut Info hat sich vor allem Sängerin Alissa dieses Mal noch mehr reingekniet als bei den vorherigen Aufnahmen und wirklich - nie kamen die Shouts kraftvoller, nie der Gesang transparenter daher. Da kann man ja mit einer guten Produktion so einiges retten, allerdings muss die Dame nicht besonders viel tricksen, wie einem allein schon diverse YouTube-Livevideos beweisen können.

"Prisoners" ist nun beileibe keine einfache Scheibe, und zwar nicht mal im musikalischen, sondern im bewertungstechnischen Sinne - natürlich sind sämtliche Mitglieder firm an ihren Instrumenten und auch die Arrangements lassen eigentlich nicht zu wünschen übrig, aber irgendwie ist mittlerweile ein bisschen die Luft raus. "You're Coming With Me" birgt da als Opener tatsächlich noch Überraschungen: Nach einem sanften Gitarrenintro keift die Dame des Hauses sich direkt die Lunge aus dem Hals, da werden auch schon mal tiefere Growls eingesetzt, um die hysterischen Screams zu untermalen und im Refrain kommt dann der altbekannte Klargesang auf den Tisch - der, ehrlich gesagt, auf der Platte eine Spur zu viel Raum beansprucht. Schreiend kommt Alissa halt doch irgendwie besser rüber.

"Anxious Darwinians" mutet dann zu Beginn etwas an wie eine auf Doublebass getrimmte Power-Metal-Truppe, erst die Growls retten den Track wieder auf höheres Niveau. Egal wie man es aber dreht, der Track gehört sicherlich nicht zum Besten, was The Agonist auf dieser Platte abliefern. "Panophobia" geht als regelrechter Ohrwurm durch; in den Strophen wird wie gewohnt nach vorne geschoben und rasant das Tempo gewechselt, während der Refrain sich tief ins Innenohr einnistet. Grooven tut das Stück schon ordentlich, aber auch hier stört der klare Gesang wieder die Dynamik, bremst den Song geradezu aus und hinterlässt einen etwas bitteren Nachgeschmack.

"The Mass Of The Earth" bleibt wieder etwas länger im Gedächtnis und kreiert eine leicht düstere Stimmung, die vor allem von der Zusammenarbeit zwischen Schlagzeug und Gitarren herrührt. In diesem speziellen Fall weiß der Klargesang im Refrain eher zu überzeugen als die Screams und überhaupt hat das Lied mit seinen flirrenden Leadgitarren einen dicken Stein im Brett. Auch das finale "Revenge Of The Dadaists", eingeleitet von einem gesprochenen Intro auf Französisch und romantisch angezupfter Akustikgitarre, besticht durch eine großartige Vocalvorstellung und munter im Hintergrund hin und her flirrende Gitarren, die sich immer mal wieder in die Atempausen der Sängerin schleichen.

Auch das Aufbäumen zum Ende der Platte hin nutzt den Kanadiern reichlich wenig. Wenn man den vorherigen Sound der Truppe kennt, überraschen einen die Songs auf "Prisoners" zwar weder positiv noch negativ besonders, allerdings scheint die Band beim mittlerweile dritten Album schon an ihre Grenzen gekommen zu sein. Wie und ob sich The Agonist noch weiter entwickeln können, bleibt abzuwarten, die neue Platte kann aber nicht so ganz an alte Erfolge anknüpfen.

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