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The Acacia Strain: Wormwood

Death Metal und Hardcore, aber kein Deathcore
Wertung: 8/10
Genre: Death Metal, Hardcore
Spielzeit: 47:39
Release: 24.09.2010
Label: Prosthetic Records

The Acacia Strain sind ein fleißiger Haufen. Ein Jahr nach ihrer Gründung im Jahr 2001 haben sie mit „… And Life Is Very Long“  ihr erstes Album und anschließend alle zwei Jahre kontinuierlich das nächste auf den Markt geworfen. Im Februar 2010 wurde mit „The Most Unknown Known“ sogar erste Livekost in Form eines DVD/CD-Packages hinterhergeschoben. Nun gibt es mit „Wormwood“ also nach Adam Riese das mittlerweile fünfte Studioalbum des Quartetts aus Massachusetts auf die Ohren – und das hat es ganz gewaltig in sich. Nie war der Ausdruck „Hassbrocken“ passender als bei dieser Platte, die zwar Deathcore-mäßig nach vorne geht, aber einen irgendwie doomigen, schwermütigen, leicht psychopathischen Eindruck vermittelt.

Dass die Vier den Begriff „Deathcore“ in Zusammenhang mit ihrer Band nicht gerne hören, ist einerlei, denn was der gemeine Hörer hier auf die Fontanelle bekommt, ist nichts anderes als fieser Death Metal mit ordentlichen Hardcore-Hassattacken. Dass sich Metal- und Hardcore-Spezialist „Zeuss“ der finalen Produktion annahm, hat dem Sound sicherlich kein bisschen geschadet, aber auch ohne perfekten Sound wäre die Platte alles andere als leicht verdaulich geworden. Allein D.L.s Einsatz der achtseitigen, tief gestimmten Gitarre lässt den Gesamton der Scheibe ein gutes Stück tiefer in die Magengegend rutschen. Man will sich kaum vorstellen, wie sehr einem da live das Zwerchfell vibriert.

Zwar sind TAS eine durchaus starke Band, aber bei ihrer neuen Platte haben sie trotzdem – oder deswegen? – direkt auf hochkarätige Unterstützung gesetzt: Im Opener „Beast“ steht Sänger Vincent Hatebreeds Brüllwürfel Jamey Jasta zur Seite. Das dabei kein Wiegenlied herauskommt, dürfte wohl klar sein. Trotzdem ist die Wucht, mit der der Track nach dem etwas zu langen Intro einsetzt, enorm. Derbe Growls von beiden Sängern und die großartige Gitarrenarbeit machen Lust auf mehr; vor allem auf mehr brutale Breakdowns. Die sind in dem ersten Stück nämlich noch recht spärtlich gesät, dafür aber Magenwand-zerschlagend, falls diese noch vorhanden ist.

Ähnlich brachial entwickelt sich „The Hills Have Eyes“, das gegen Ende sehr geniale Moshparts mit mystisch-verstörenden Gitarrenspuren im Hintergrund aufweisen kann. Mag einem das Gesamtkonzept des Albums beim ersten oder zweiten Hören noch wie pures Drauflos-Gebolze vorkommen, erschließen sich spätestens beim zweiten Durchgang wahre Soundlandschaften. Die geniale Suizidal Black Metal-Atmosphäre von „BTM FDR“ beispielsweise oder auch der apokalyptische Unterton bei „Terminated“. All das wird vor allem von einer einzelnen Gitarre getragen, die D.L. bis zur Perfektion beherrscht und aus der der Ami das Maximum herausholt.

Bei „Nightman“ teilt sich Vincent das Mikro mit dem Hardcorepunk-Sänger Bruce LePage (ex-100 Demons). Die beiden recht unterschiedlichen Stimmen steigern sich gegenseitig hörbar hoch, der Hardcore-Faktor des Songs wird erwartungsgemäß ordentlich erhöht und auch hier trägt die Gitarre im von Bruce gesungenen Refrain dazu bei, dass sich ein mulmiges Gefühl einstellt. Mit Kyle Chard, dem Frontschreier von Born Low, haben sich The Acacia Strain auch für „Jonestown“ wieder einen Hardcore-Shouter geangelt, dessen Performance aber nur auf der Vinyl- und iTunes-Ausgabe der Platte zu hören sein wird.

„Unabomber“ geht ein wenig mehr in die ursprüngliche Deathcore-Richtung als der Rest der Platte, fast ein wenig schleppend kommt der Song daher und landet so einen Schlag nach dem anderen unter die Gürtellinie. Sänger Vincent muss Stimmbänder aus Stahl haben, um das eine komplette Liveshow lang durchzuhalten – Respekt! „Tactical Nuke“ hätte zum Schluss noch mal ein richtiger Knaller werden können, hinter dem alles zerstörenden Namen steckt allerdings „nur“ ein gut fünfeinhalbminütiges Gitarrenstück mit ein wenig verzerrtem Text im Intro.

Dennoch: Hut ab vor dieser Combo! Alles andere als leichte Kost tischen die Amis hier auf. Schon deshalb kann es hier nicht die volle Punktzahl geben, obwohl die Jungs technisch versiert zu Werke gehen. Allein Gitarrist D.L. heimst schon zehn Punkte ein. Was der Mann hier auf die Beine stellt, ist nicht nur grandiose Arbeit, sondern vermittelt auch über die gesamte Albumlänge ein durchgängig mulmiges Gefühl. Staunen muss man auch über die Stimme von Sänger Vincent, der es trotz relativ eintönigem Gebrüll schafft, häufig immer noch eine andere Nuance reinzubringen. Mit den Gastauftritten haben TS sich sicherlich nicht unbedingt geschadet. Fakt ist aber, dass die Band auch ohne Mr. Jasta und Co. einiges aus dem Ärmel schütteln kann.

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