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The 69 Eyes: X

Zurück in alter Schwärze
Wertung: 8.5/10
Genre: Gothic Rock, Hard Rock
Spielzeit: 41:40
Release: 28.09.2012
Label: Nuclear Blast

Ohne Frage sind The 69 Eyes inzwischen eine der langlebigsten Gothic-Rock-Bands überhaupt – mittlerweile bringen es die Finnen mitsamt dem neuen, leicht irreführend „X“ betiteltem Album auf elf Studiowerke und noch immer genießt die Truppe große Popularität. Glücklicherweise hat über die Jahre die Qualität der Musik kaum abgenommen, sodass auch das aktuelle Material die Helsinki Vampires ganz in ihrem Element zeigt.

Im Grunde genommen führt „X“ sogar noch stärker als die vorangegangenen Alben die Sleaze-Rock-Anfänge der Finnen mit der charakteristischen Gothic-Attitüde zusammen, die die Band so beliebt gemacht hat. Statt jedoch wie auf dem Vorgänger „Back In Blood“ vor allem durch Vampir-Symbolik die Düsternis in den Sound zwischen traditionellem Hard Rock und Verneigungen vor den 70ern zu transportieren, wird diese Aufgabe dieses Mal in erster Linie einigen melancholischeren Tracks und natürlich der prägenden Bariton-Stimme von Jyrki 69 überlassen, der mittlerweile fraglos zu den fähigsten auf tiefe Töne spezialisierten Sängern der Szene gehört.

Dass ihre großen Ohrwürmer wie „Never Say Die“ oder „Lost Boys“ keine Glückstreffer waren, demonstrieren die Goth'n'Roller dabei ohne Umschweife zu Beginn des Albums und lassen mit „Love Runs Away“ und „Tonight“ gleich zwei Tracks in bester Tradition auf den Hörer los, die in ihrer Eingängigkeit dessen Kopf nicht mehr verlassen mögen. Obwohl die Songs dabei wie auch der Rest von „X“ recht simpel gehalten sind, ist das Songwriting in sich derart schlüssig, dass die Stücke nach zahlreichen Durchläufen sogar noch wachsen und in einigen Fällen sogar ein gewissen Suchtpotential entfalten.

Auch der eigentlich recht eng abgesteckte Bereich, in dem sich die 69 Eyes musikalisch bewegen, hindert das Album nicht daran, mit Variation im Detail zu glänzen: Während „Black“ und „If You Love Me The Morning After“ mit düsterer Atmosphäre und tiefen Gesangslinien, die die Lautsprecher vibrieren lassen, deutlicher in Richtung Gothic Rock tendieren, zeigt das nachdenklich-schwermütige „Borderline“, das Bilder einer einsamen Darbietung in einer verrauchten Kneipe wachruft, die Finnen von einer ungewohnt intimen Seite, die diesen erstaunlich gut zu Gesicht steht. Zwar bietet die Truppe dabei auf textlicher Ebene noch immer keine lyrischen Meisterleistungen, doch das Gefühl kommt in ruhigeren Stücken wie dem sehnsüchtigen, hymnischen „Red“ oder dem zurückhaltenden Abschluss „When A Love Comes To An End“ dank routinierter Melodieführung trotzdem herüber, ohne dass der Kitsch-Faktor zu weit getrieben würde. Generell nehmen sich die 69 Eyes glücklicherweise nicht übermäßig ernst, sodass ein Glam-Rock-Song in Reinkultur wie „I'm Ready“ mit seinem spaßigen Intro und rockigen weiblichen Backings bestens unterhält und zu den Highlights auf „X“ zählt.

Eine Neuerfindung für die Band ist „X“ damit letzten Endes sicherlich nicht, doch wirklich für nötig wird dies vermutlich ohnehin kaum ein Fan der Helsinki Vampires halten. Auch ohne große Neuerungen überzeugt das neue Werk vom ersten bis zum letzten Song und beschert dem Hörer Ohrwürmer en masse, die sich wie im Falle von „I Know What You Did Last Summer“ teilweise erst nach einer Weile erschließen, sodass das Album mit der Zeit noch ein wenig mehr reift. Dementsprechend sollte sich kein Fan der Truppe „X“ entgehen lassen und auch all diejenigen, die sich vorstellen können, sich wahlweise mit Rock'n'Roll mit Gothic-Einschlag oder Gothic Rock mit Rock'n'Roll-Attitüde anzufreunden, werden eine Menge Spaß mit den neuen Songs der Finnen haben.

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