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Testament: Titans Of Creation

Sofern einen der Sound nicht stört, kann man zugreifen
Wertung: 8,5/10
Genre: Thrash Metal
Spielzeit: 60:45
Release: 03.04.2020
Label: Nuclear Blast

Bezüglich ihrer letzten Alben, im Prinzip seit der 2008er Platte „The Formation Of Damnation“, spalten Testament ihre Fangemeinde in zwei Hälften. Die einen feiern die Band weiterhin, preisen das spielerisch zweifellos schwindelerregend hohe Niveau des Quintetts an – und in der Tat kann nicht jeder auf eine Rhythmusgruppe Steve DiGiorgio und Gene Hoglan sowie ein Gitarrentandem der Marke Eric Peterson und Alex Skolnick zurückgreifen –, andere vermissen den Charme vergangener Tage und können sich mit den glatt polierten, mitunter fast steril anmutenden Produktion der jüngeren Vergangenheit nicht anfreunden. Man sehe sich nur die gegensätzlichen Fan-Reviews zu jenen Platten auf metal-archives an, die unterschiedlicher kaum ausfallen könnten.

Klar ist: Letztgenannte Fraktion wird auch mit dem nunmehr 13. Album keine große Freude haben. Meinereiner fand „Brotherhood Of The Snake“ damals stark und kann der Scheibe auch heute noch was abgewinnen, wenngleich die Kritik wegen sterilen Sounds etc. absolut nachvollziehbar ist; zumindest grenzwertig darf man das sicher nennen. Andererseits muss Thrash knallen und präzise gespielt werden, da taugt kein Gerumpel – ansonsten kann man auch gleich Punk spielen. 

Wie immer man dazu steht – Testament fahren auch auf „Titans Of Creations“ wieder ein ordentliches Brett auf und haben mit rund einer Stunde Spielzeit quantitativ im Vergleich zum Vorgänger deutlich zugelegt. Das ist freilich kein Garant für Spitzenqualität, wenn aber die ersten Töne des Openers „Children Of The Next Level“ durch die Boxen donnern, ist man immerhin gleich auf Betriebstemperatur, denn der Energielevel ist sofort immens hoch, als würde man nach dem letzten Ton von „Brotherhood Of The Snake“ ohne Pause direkt ins nächste Inferno rauschen.

Mit über sechs Minuten für einen Eröffnungstrack nicht gerade kurz, ausgestattet mit einigen Breaks und Tempowechseln, kommt die Nummer dank starker, einprägsamer Riffs doch erstaunlich wenig sperrig daher und sorry: Bei der geilen Solopassage muss man einfach wild aufspringen und die Luftgitarre malträtieren – eigentlich nicht vorstellbar, dass irgendein Fan das anders sieht und dabei keinen Spaß hat.

Mit den beiden anderen Tracks, die an der Sieben-Minuten-Grenze kratzen, machen die Kalifornier es einem merklich schwerer: „Night Of The Witch“ ist alles andere als eingängig, wächst jedoch mit der Zeit – hier kommt auch Eric Peterson als Co-Sänger zum Zuge und präsentiert keifende, an Black Metal angelegte Vocals, die der Stimmung des Songs entsprechen; der Einfluss seiner Nebenband Dragonlord dürfte da eine nicht unerhebliche Rolle gespielt haben. „City Of Angels“ hingegen handelt vom Serienkiller Richard Ramírez (1960 – 2013), der in den Achtzigern in Kalifornien sein Unwesen trieb. Das Stück kommt insgesamt recht schleppend daher und wartet mit sowohl tonnenschweren als auch unerwartet melodischen Passagen daher, die die Atmosphäre umso eindringlicher gestalten. Gewöhnungsbedürftig und unbequem, aber letztlich gelungen.

Doch Testament können sehr wohl auch noch eingängig, was sie vor allem in der zweiten Hälfte des Albums demonstrieren. Zwar liegt mit „Dream Deceiver“ der größte Ohrwurm an dritter Stelle, doch das brutal groovende „Symptoms“ aus der Feder von Alex Skolnick und das stark Death Metal-beeinflusste, walzende „The Healers“ (Death und Thrash verschmelzen konnte die Truppe ja schon immer gut) stehen dem in kaum etwas nach und offenbaren bärenstarke Refrains, die – wenn denn irgendwann endlich wieder Konzerte stattfinden können – live eine Menge hermachen sollten.

Auch „Code Of Hammurabi“ läuft mit seinem messerscharfen Riffing und den „Eye for an eye for an eye“-Shouts ziemlich flott rein, während das abschließende „Curse Of Osiris“ einmal mehr starke schwarzmetallische Einflüsse zeigt – entsprechender Gesang herrscht vor und entsprechend kräftig wird das Gaspedal durchgetreten. Was das Outro „Catacombs“ dann allerdings soll, bleibt unklar. Das Stück ist prinzipiell zwar okay, würde aber eher an den Anfang als ans Ende der Platte passen.

Ändert aber auch nichts daran, dass Testament erneut eine überzeugende Scheibe vorgelegt haben, die im Rahmen dessen, was im Thrash möglich ist, durchaus vielseitig ausgefallen ist und eine gekonnte Balance zwischen Eingängigkeit und musikalischer Klasse schafft. Trotz einer Stunde Spielzeit muss man kompositorisch kaum Abstriche machen (so sind „Ishtars Gate“ und „False Prophet“ eher Durchschnitt, aber kein Schrott), die gelegentlichen Experimente fügen sich fast immer nahtlos ein, Chuck Billy ist gesanglich gut aufgelegt und zum technischen Niveau der Herren, das nie aufdringlich wirkt, braucht man ohnehin keine weiteren Worte zu verlieren. Kann man als Fan problemlos einsacken, wenn einen eben der relativ cleane Sound nicht stört.

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