Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Testament: The formation of damnation

Als wären sie nie weggewesen...
Wertung: 9/10
Genre: Thrash Metal
Spielzeit: 50:3
Release: 25.04.2008
Label: Nuclear Blast

Es ist nahezu unglaublich, was für einen Popularitätsschub der gute, alte Thrash Metal in den letzten Jahren genossen hat. Neben hoffnungsvollen Newcomern haben sich vor allem die alten Helden wieder auf ihre Stärken besonnen und sie auf beeindruckende Weise in das neue Jahrtausend gebracht. Beispiele gefällig?!

Kreator spucken seit zwei Alben wieder Gift und Galle, Sodom haben in jüngster Vergangenheit ebenso zwei absolute Granaten (mit der Neueinspielung des ersten Albums sogar drei) veröffentlicht, Destruction komplettieren seit der Reunion das Trio der drei deutschen Kult Thrash Metal Bands, Exodus haben ein ebenso fulminantes Comeback hingelegt und sogar Dave Mustaine überwand seine schwere Armverletzung und griff wieder zur Gitarre, um die letzten Megadeth Alben den alten Klassikern ebenbürtig zu machen. Und nun kehren auch Testament zurück!

Lange Zeit sah es nicht so aus, als würde die Bay Area Legende überhaupt nochmal zusammenfinden. Zu schlimm waren die Schicksalsschläge, von denen der schlimmste natürlich die Diagnose eines Hirntumors bei Sänger Chuck Billy war. Im Gegensatz zu seinem Namensvetter Chuck Schuldiner (Rest in peace!) von Death konnte er diese schwere Krankheit aber glücklicherweise überwinden und wieder auf die Bühnen zurückkehren.

Kurz vor der Veröffentlichung von „The Formation Of Damnation“ gab es dann (natürlich) wieder Probleme mit dem Line Up. Seit Bandgründung erwies sich der Schlagzeughocker als Schleudersitz, so dass auch ex-Dimmu Borgir Drummonster Niclas Barker die Gruppe schnell wieder verließ (und nebenbei heute sein Talent bei Leaves Eyes und Atrocity verschwendet). Als Ersatz wurde Paul Bostaph verpflichtet, der nicht nur wesentlich näher an der Band wohnt, sondern auch schon bei wohlklingenden Namen wie Forbidden und Slayer hinter den Kesseln saß.

Der Einstieg in das Album sind zwei Midtempotracks, die einfach urtypisch Testament sind. Chuck Billy singt etwas melodischer als bei den direkten Vorgängeralben und was Alex Skolnick an der Gitarre abzieht, ist wieder einmal der Wahnsinn. Passend dazu ist die Produktion von Andy Sneap fantastisch geworden und lässt vor allem das exzellente Drumming gut zur Geltung kommen. Das sind schon ziemlich viele Superlative, oder?! „More Than Meets The Eye“ finde ich als Opener etwas ungeschickt gewählt, da der Song nicht sonderlich spektakulär geworden ist. Da ist „The Evil Has Landed“ stärker. Textlich geht es um die Anschläge vom 11. September, was aber nicht heißen soll, dass uns ein patriotischer Text erwartet.

Der Titeltrack ist der härteste Song des Albums und nur hier packt Chuck Billy mal wieder seinen tiefen Gesang aus, der das „Demonic“ Album zum wohl umstrittensten Werk der Band machte. Ich persönlich liebe es, wenn Chuck so singt, denn das hat er genauso drauf wie „richtigen“ Gesang. Diese Nummer ist ein einziger, brutaler Nackenschlag und genauso muss diese Musik auch sein.

Erholung gibt es danach im experimentellen, mit Stimmeffekten arbeitenden „Dangers Of The Faithless“. Der Chorus des Liedes erreicht sogar vom Ohrwurmfaktor her „Alone in the dark“ Niveau und zeigt die Bandbreite von Testament, bei denen melodische Gitarrenarbeit schon immer einen festen Platz hatte.

Thrash Metal pur und direkt „aufs Maul“ gibt es direkt danach wieder in Form von „The Persecuted Won't Forget“ und dem sehr old school-mäßigen „Henchmen Ride“. Speziell letzteres ist eines der besten Thrash Metal Stücke, die ich je gehört habe. Das wird eine kommende Live Hymne und definitiv für einige Schrammen in den Moshpits dieser Welt verantwortlich sein, darauf lege ich mich jetzt schon fest. Ich kann den Auftritt auf dem Rock Hard Festival kaum noch abwarten!

Auch der Rest von „The Formation Of Damnation“ hat noch einiges zu bieten. Mit „Killing Season“, was übrigens nichts mit dem gleichnamigen Death Angel Album zu tun hat, gibt sich der Fünfer groovig. „The Afterlife“ handelt vom Tod der Väter von Chuck Billy und dem zweiten Gitarristen Eric Peterson, ist aber alles andere als eine rührselige Nummer geworden, sondern vielmehr ein Beweis des abwechslungsreichen Songwritings. „F.E.A.R.“ hätte auch sehr gut auf dem Vorgänger „The Gathering“ stehen können und der Rausschmeißer „Leave Me Forever“ ist eine Heiß/Kalt Dusche nach Maß. In der einen Sekunde hört man ruhige Bassläufe, um direkt danach von Chuck Billy angebrüllt zu werden.

Fazit: Das ist das Album, das sich jeder Testament Fan erhofft hat. Erwartet haben werden es aber wohl nur die wenigsten! Denn es ist äußerst schwer, nach einer Pause von neun Jahren (!) an die alte Stärke anzuknüpfen und dabei noch so modern zu klingen. Man mag es kaum glauben, dass hier eine Band am Werk ist, die seit 25 Jahren aktiv ist (Herzlichen Glückwunsch übrigens!). Absolute Pflicht für Thrasher und solche, die keinen Bock mehr auf zahnlosen Metalcore haben. Hier hängt der Hammer! Welcome back, boys!

comments powered by Disqus

Werkschau einer der größten und einflussreichsten Rockbands aller Zeiten

Wie mit einer Ex-Freundin

Willkommen in der Husumer Sauna