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Testament: Brotherhood Of The Snake

Qualitativ mindestens mit den Vorgängern gleichzusetzen
Wertung: 9/10
Genre: Thrash Metal
Spielzeit: 45:35
Release: 28.10.2016
Label: Nuclear Blast

Viele Leute fragen sich ja, wieso eigentlich Metallica, Slayer, Megadeth und Anthrax als die „Big 4“ des Thrash Metals gelten. Metallica sind nur noch ein Schatten ihrer selbst, Slayer veröffentlichen seit Jahren nur noch Durchschnitt, Megadeth nerven schon durch die bloße Existenz von Dave Mustaine (ohne Zweifel einer der unerträglichsten Menschen in der gesamten Szene) und Anthrax’ oberpeinliches Sänger-Kaspertheater muss man gar nicht mehr kommentieren. Andere Thrash-Ikonen wie Exodus, Death Angel, Kreator oder eben Testament hingegen bringen regelmäßig Qualität unters Volk, spielen aus unerfindlichen Gründen aber immer noch lediglich die zweite Geige.

Dabei muss man sich allein bei Testament mal vergegenwärtigen, was für ein Killer-Line-up diese Truppe auffährt. Die Besetzung beim vorliegenden „Brotherhood Of The Snake“, der ersten Studioplatte seit dem 2012er „Dark Roots Of Earth“, liest sich wie ein Who-is-Who der harten Szene: Bass-Legende Steve DiGiorgio ist zurückgekehrt und bildet mit Drum-Monster Gene Hoglan das rhythmische Fundament und das Gitarrenduo Eric Petersen und Alex Skolnick dürfte wohl eh eines der besten Klampfentandems überhaupt darstellen. Frontmann Chuck Billy konnte live zuletzt sicher nicht immer so ganz überzeugen, ist aber zweifellos trotzdem immer noch ein hervorragender Thrash-Shouter.

Beste Voraussetzungen also für ein erneut starkes Album, nachdem die letzten ja auch nicht von schlechten Eltern waren. Was alle Die-Hard-Fans bestimmt freuen wird: Es handelt sich bei „Brotherhood Of The Snake“ um ein wirklich echtes Thrash-Album, balladeske Ausflüge à la „Cold Embrace“ wie beim Vorgänger sucht man vergeblich. Vielmehr wird hier von Anfang an kräftig auf die Zwölf gegeben und praktisch die gesamte Spielzeit über Vollgas gegeben – und wie! Die vier Jahre Wartezeit haben sich gelohnt, denn es reiht sich Killerriff an Killerriff. Angefangen mit dem Titelstück, dessen Eröffnungsriff sofort in die Glieder fährt und einen umgehend aufspringen und Luftgitarre spielen lässt, wird die Messlatte gleich ziemlich hoch gelegt. Ein kleines Basssolo gegen Ende der Nummer leitet in einen getrageneren Part über, der den Hörer kurz verschnaufen lässt – dies allerdings ist nur eines von etlichen clever gesetzten Breaks, die für die nötige Abwechslung sorgen.

Insgesamt ist das Energielevel im Prinzip konstant in schwindelerregenden Höhen gehalten. Mit „The Pale King“ geht es gleich intensiv weiter und es wird das nächste Überriff ausgepackt – der Schädel bleibt wie von selbst in Bewegung und auch die Luftgitarre wird natürlich noch längst nicht eingemottet. Simpel, aber erneut sehr effektiv erfolgt auch hier gegen Ende ein Break, um anschließend eines von vielen Zungenschnalzer-Gitarrensoli vom Stapel zu lassen.

Wenn man jemanden wie Alex Skolnick am Start hat, erhöhen sich die musikalischen Möglichkeiten logischerweise um ein Vielfaches – neben den Soli sorgen zahlreiche Licks, Doppelläufe und Harmonien dafür, dass man gerne genau hinhört und sich erneut fragt, wieso diese Band nicht denselben Status wie beispielsweise Metallica hat, deren neues Album zwar immer noch das Brauchbarste ist, was Hetfield und Co. seit langem abgeliefert haben, das diesem Feuerwerk trotzdem kaum das Wasser reichen kann. Denn neben hörbarer Spielfreude und exzellent ausgearbeiteten Arrangements weist auch das Songwriting ziemlich durchgehend ein hohes Niveau auf.

Mal wuchtig-treibend („Stronghold“), mal vordergründig eingängig-melodisch („Seven Seals“), mal verspielt („Black Jack“, „Born In A Rut“ – mein persönlicher Favorit), mal pfeilschnell nach vorne preschend („Centuries Of Suffering“, „The Number Game“), mal nahezu episch („Neptunes Spear“) – die Platte ist von Anfang bis Ende ein echter Volltreffer geworden. Noch dazu ein Volltreffer mit Konzept, denn in lyrischer Hinsicht liegt eine komplexe, abgefahrene Storyline vor, in der es sich um Sumerer, Religion und Außerirdische dreht. Apropos Lyrics: Chuck Billy zeigt ebenfalls eine äußerst ansprechende Leistung, singt gleichsam aggressiv, aber doch variabel und textverständlich.

Keine Frage: „Brotherhood Of The Snake“ ist qualitativ mindestens mit den Vorgängern gleichzusetzen, wenn es nicht sogar noch einen Tick besser ist. Starkes Songwriting, starke Performance und spürbare Spielfreude. Auch die Produktion kann sich hören lassen, ist sie doch sehr modern und crunchy, aber zum Glück nicht zu steril geraten, hier wurde das richtige Maß gefunden. Wohl weil Andy Sneap nur gemixt und gemastert, jedoch – dem Himmel sei Dank – diesmal nicht produziert hat, dafür war Juan Urteaga zuständig, der mit der Band auch bereits seit längerer Zeit zusammenarbeitet.

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