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TesseracT: One

Nomen est omen - zum Glück nicht in diesem Fall
Wertung: 8/10
Genre: Post-Hardcore, Progressive Metal
Spielzeit: 54:38
Release: 18.03.2011
Label: Century Media

Da hatte der Promo-Gott ausnahmsweise mal ein Einsehen: Statt einer, wie man dem Namen hätte entnehmen können, dumpf-stampfenden Cyber- oder Dark Electro-Combo entpuppen sich TesseracT als astreine Post-Hardcore-Experimentaltruppe mit reichlich technischen Einflüssen. Auch solche Überraschungen soll es geben und das ist mit ein Grund, warum es als Musikschreiberling nie langweilig wird.

Das englische Quintett veröffentlicht mit „One“ passenderweise direkt mal die erste Langrille nach der Erstlings-EP „Concealing Fate“ aus dem Jahr 2010. Und weil die Minischeibe bei Release so begeistert von der Musikszene aufgenommen wurde, haben die Herren die sechs „Concealing Fate“-Songs direkt auf den Erstling mit draufgepackt – eine feine Sache für alle, die die Stücke in den Weiten des Web bisher vergeblich gesucht haben oder auf physische Musik zurückgreifen wollen statt sich die Nächte mit zugemüllten Festplatten um die Ohren zu schlagen.

Via Century Media erscheint nun also „One“ und hier agieren TesseracT ganz im Sinne von progressivem Post-Hardcore mit leicht epischen, zeitweise an 30 Seconds To Mars und manchmal sogar an Devil Sold His Soul erinnernde Einschlüssen. Beide Bands kommen einem beim Hören der Scheibe des Öfteren in den Sinn, dabei spielt beziehungsweise singt Daniel Tompkins (ebenso wie sein Tieftönerkollege Amos Williams) in einer ganz anderen Liga als beispielsweise 30STM-Vorzeigeschmuser Jared Leto. Die beiden TesseracT-Sänger spielen sich die Bälle nahezu perfekt zu, Screams und klare Vocals ergeben eine großartige Symbiose, die durch die teils recht dramatischen, apokalyptisch angehauchten Gitarren und das aggressiv wummernde Drumming noch untermalt wird. Dass die Fünf die Art Musik spielen, die ihnen Spaß macht, merkt man schon beim ersten Durchlauf: Tracks wie „Nascent“ und auch sämtliche Songs der EP bluten aus tiefstem Herzen und verbreiten ein eigenartig zufriedenes Gefühl. Hier ist man richtig, wenn man leidenschaftlichen Post-Hardcore mag. Und dabei trumpfen die Engländer nicht mal mit technisch höchst anspruchsvollen Arrangements wie die deutlich heftigeren Tech Metal-Kollegen War From A Harlots Mouth auf oder verbreiten eine Art kunstvolle Dramatik wie Alesana – stattdessen kann man förmlich sehen, wie die Musiker sich die Finger wund spielen.

Für eine Band, die gerade mal knapp vier Jahre existiert und eigentlich als Soloprojekt von Gitarrist Acle Kahney begonnen hat, klingt die Combo erstaunlich gut aufeinander eingespielt. Progressiv ist hier glücklicherweise keineswegs gleichzusetzen mit purer Griffwichserei oder Ego-Gestreichel, sondern hat durchaus seine Daseinsberechtigung im Post-Hardcore-Sound. Obwohl das knapp fünf Minuten lange „Lament” noch ein bisschen wie ein recht langes Intro daherkommt, zeigen sich beim bereits erwähnten „Nascent” die Stärken der Band: Eine sphärische Atmosphäre - ganz ohne Keyboard – legt den Grundstein, bevor klarer, etwas entfernt klingender Gesang den dramatischen Part einleitet. Der eingeschobene Schrei reißt einen erstmal aus seinem Winterschlaf, bevor der Track im Stile von Devil Sold His Soul weiterläuft. Großes Kino, wie man so schön sagt.

„Deception – Concealing Fate Part Two“ bietet dann das erste Highlight der EP-Songs. Mit dröhnenden Blastbeats und leicht skandinavisch anmutenden Gitarren erhebt sich der Song mit den genialen Stimmen von Daniel und Amos auf ein Niveau, das viele andere Bands, die Jahre länger als TesseracT tätig sind, wohl nie erreichen werden. Das angehängte Gitarrenzwischenspiel erinnert ein wenig an Fear Factorys „Archetype“ und mag nicht so recht zum Song passen, in Kombination mit dem leicht entrückten Gesang stimmt das Gesamtbild aber wieder. Mit „The Impossible – Concealing Fate Part Three“ legen die Herren direkt noch einen starken Track obendrauf, dem man aber anmerkt, dass er ein bisschen älter ist als die Stücke am Anfang und Ende der Scheibe – der Sound klingt dumpfer und der Hardcore-Anteil kommt eine Spur stärker heraus.

“Sunrise“ schlägt dann wieder eine eher atmosphärische, aber nicht weniger eindringliche Spur ein: Die Strophen bestehen aus bellend aggressivem Sprechgesang wie beispielsweise Spineshank und andere Nu Metal-Combos ihn populär gemacht haben, allerdings mit einem leichten Industrial-Unterton. Der Refrain hingegen mit seinem klaren Gesang erinnert stark an Bands wie Silverstein – klarer Gesang, der sich sofort in den Gehörgang gräbt. Auch hier haben TesseracT so ziemlich alles richtig gemacht, auch wenn der leichte Nu Metal/Crossover-Einschlag zu Anfang etwas irritierend wirkt. Mit „Eden“ haben die Jungs ein regelrechtes Epos ans Albumende gestellt: Neun Minuten zwischen manischem Geschrei (immer ein wenig im Hintergrund gehalten, was es nur umso verzweifelter erscheinen lässt) und klaren, epischen Zeilen machen den Song zu einem Highlight der Platte und zu einem wunderbaren Schlussstrich.

Tatsächlich kann man sich „One“ als Ganzes anhören, ohne auch nur einmal ein Puzzleteil zu entdecken, das nicht in das Konzept passt. Hört man sich einige Tracks einzeln an, kommen sie einem nach kurzer Zeit zwar recht ähnlich vor, als Gesamtpaket relativiert sich dieser Eindruck aber komischerweise wieder. Man kann nur vom Glück sagen, dass aus dem Soloprojekt inzwischen eine fünfköpfige Band geworden ist, die, sollte sie in etwa bei diesem Stil bleiben, sicherlich noch für einige Überraschungen sorgen wird.

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