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Tesla: Five Man Accoustical Jam

Einer der wenigen magischen Momente, die eine Band im Leben hat
Wertung: 10/10
Genre: Unplugged Blues Boogie Country Hard Rock
Spielzeit: 67:28
Release: 13.11.1990
Label: Geffen

Es gibt Dinge, die sind fast schon weltbewegend und verändern die Musiklandschaft, aber fast zwanzig Jahre später wissen das nur noch wenige. „Tesla? Ja, hab ich schon mal gehört, die machen doch Hard Rock, oder?“ So in etwa sind die Reaktionen, wenn man den Namen ins Gespräch bringt. Nichts Weltbewegendes, will man meinen. Stimmt, eine Hard Rock-Band mehr oder weniger ist nicht das Besondere, auch wenn die Band diverse Platin-Alben veröffentlichte. Ich muss zugeben, dass ich mich auch nur bedingt mit der Band anfreunden konnte. Aber dann kam „Five Man Accoustical Jam“ und blies meinen Verstand gnadenlos ins Nirvana. Da sind fünf Rocker auf Tour mit Mötley Crüe und fühlen sich nicht ausgelastet, also bucht man an den fünf Day Offs einfach Clubs beziehungsweise kleinere Hallen und zockt da vornehmlich ohne Strom rein akustisch.

„Ja, das kennen wir doch, das nennt sich Unplugged und wurde von MTV erfunden.“, mögen jetzt einige denken, aber dem war nicht so. Interessanterweise hat die Band, die sich nach dem Entdecker / Erfinder des Wechselstroms Nikola Tesla benannt hat, das als mehr oder weniger erste Band in dieser Art gemacht und damit einen unglaublichen Erfolg gefeiert. Daraufhin hat MTV mit seiner „Unplugged“-Reihe begonnen und sich aber auf den Irrweg begeben, indem der Sender eigens ausgewähltes Publikum zu den Shows zuließ. Das hatten Tesla nicht nötig, denn man kann es auf dem Album hören, wenn überhaupt, dann nur sehr selten gibt es ein derart authentisch klingendes und enthusiastisches Publikum zu hören, wie auf dieser Scheibe. Das ist Emotion pur, aber lasst mich endlich mit der eigentlichen Rezension beginnen:

„Comin Atcha Live / Truckin'“ beginnt mit letzten Funktionstests der Instrumente, bevor es dann direkt in die Vollen geht. Was die Fans in harten Stromgitarrensound mit Double Bass Drum kennen, wird hier mit lässiger Country-Gitarre zelebriert und sorgt für Gänsehaut pur. Jeff Keith kann hier richtig zeigen, was seine Stimmbänder hergeben. Leicht krächzend brilliert er auf ganzer Linie. Man stampft mit, klatscht, schnippt mit den Fingern und bekommt unweigerlich gute Laune. Das Publikum verschafft sich immer wieder Gehör.

Der nächste Hammer kommt mit „Heaven`s Trail (No Way Out)”. Mit der guten alten Mundharmonika wird zusätzlich für viel Stimmung gesorgt. Ganz ehrlich, plugged kann ich diesem Song nur wenig abgewinnen, aber das, was hier in klarem Sound abgeliefert wird, ist eine Klasse für sich. Man singt unweigerlich mit und nickt wohlwollend im Takt. Hört euch einfach nur mal das Ende an, wem da nicht eiskalte Schauer den Rücken runterlaufen, und das meine ich positiv, der soll weiter Black Metal hören gehen.

Gleiches gilt für “The Way It Is”, ein weiterer Song aus der Tesla-eigenen Feder, der hier für viel Freude sorgt und permanent vom Publikum abgefeiert und mitgesungen wird.

Dann wird es Zeit für die ersten Coverversionen. Den Beatles wird mit „We Can Work It Out“ gehuldigt. Und das geschieht so, als ob es wirklich ein eigener Tesla-Song wäre. Starke Nummer mit viel Flair, aber nicht unbedingt besser als das bisherige eigene Material. Genau das sollte man nun aber auch nicht als Majestätsbeleidigung bewerten, denn Songs wie „Signs“ von der Five Man Electrical Band (von denen auch der Albumname abgeleitet wurde) zeigen, dass man hier auch alten Songs neuen Kultstatus einhauchen kann. Eine mitreißende Nummer mit unheimlich viel Spaß in den Backen.

„Gettin` Better“ ìst dann ein weiterer Tesla-Hammer, der sehr bedächtig beginnt, danach aber unheimlich Fahrt aufnimmt und einfach nur Freudentränen in die Augen treibt. Toll, wie Tommy Skeoch und Frank Hannon hier mit ihren Gitarren Stimmung erzeugen. Etwas ergreifender wird es dann mit „Before My Eyes“: Jeffs Stimme nimmt den Hörer gefangen und sorgt für einige Emotionen. So etwas kann eigentlich nur eine Band schaffen, die wirklich eng befreundet ist. Und dass dies so ist, sieht man auch an der stetigen Besetzung. Bis auf Tommy Skeoch, der mal wegen Drogenproblemen oder auch mal aus heiterem Himmel die Band verlassen hat und im Jahre 2006 letztendlich ausgeschieden ist, um sich mehr um seine Familie kümmern zu können, hat es nie Besetzungswechsel gegeben. Da scheint ein ähnlicher Zusammenhalt an der Tagesordnung zu sein wie bei der britischen Legende Def Leppard.

Man interagiert mit dem Publikum, fordert auf, die Lüftung anzuschalten oder spielt mal eben „Ebony and Ivory“ an, um dann abzubrechen und zu sagen, dass man den Song nicht kennt. Das ist Entertainment pur, dazu die fast schon hysterischen Schreie aus dem Publikum, unglaublich. Komplett ohne Schlagzeug kommt dann das wunderschöne „Paradise“ daher. Brian Wheat steuert dafür im Verlauf noch ein paar Piano-Salven ab.

Ein weiterer Evergreen steht dann mit der Coverversion von „Lodi“ ins Haus. Creedence Clearwater Revival hatten diesen Song als B-Seite ihrer Single “Bad Moon Rising”, aber beide wurden zum Hit. Hier noch einmal aus der Versenkung geholt und einfach nur stark interpretiert.

Das Ganze wird dann aber vom The Rolling Stones Cover „Mother`s Little Helper“ getoppt. Es gibt heute noch viele Streitgespräche, welche Version besser gefällt, aber in diesem Gewand hätte es auch ein eigener Song von Tesla sein können.

Die Einleitung von „Modern Day Cowboy“ zeigt dann wieder, wieviel Spaß die Band in den Backen hat. Exzellentes Entertainment und das Publikum frisst ihnen folgerichtig aus der Hand. Keine Frage, den Song in dieser Version ausgekoppelt und die Charts wären auf Monate um eine Attraktion reicher. Die Intensität dieses Songs in der Akustikversion ist einfach nur beeindruckend. Das Publikum ist deutlich mehr als „only amused“.

Zum Beginn von “Love Song” darf dann Frank Hannon mit einem tollen gefühlvollen Solo auftrumpfen. Eigentlich hätte dieser Song so gar nicht auf das Album gehört, denn Tesla nutzen hier kurzfristig und eigentlich unnötig Stromgitarren. Aber so darf Troy Luccketta auch mal etwas härter auf seine Schlagzeug einprügeln. Das Publikum wird zum Ende hin auch noch mal kurz eingebunden, was für ein Livefeeling. Eigentlich auch ein Anspieltipp, aber wegen der Stromgitarren, die kurz zum Einsatz kommen, verweigere ich dies.

Der absolute Knaller ist dann die Country-Persiflage „Tommy`s Down Home“, welche von Tommy Skeoch gesungen wird. Wie kann man mehr Spaß haben auf der Bühne? Deutlich seriöser wird dann „Down Fo` Boogie“ zelebriert, das hat nichts mehr mit Rock oder so zu tun, reißt aber dennoch mit. Eine Spaßnummer, die wohl nur die wenigsten Bands machen würden, weil sie Angst hätten, als verrückt zu gelten. Das zeigt, wieviel Selbstvertrauen die Band in sich selbst hat.

Fazit: Um auf die Einleitung zurückzukommen: Weltbewegend ist dieses Album, weil es einen Unplugged-Trend nach sich gezogen hat. Aber nicht nur deshalb, sondern auch weil hier eine tolle Liveatmosphäre eingefangen wurde, welche ich in dieser Form auch heute noch nicht von einer anderen Band gehört habe. Dies hier ist 100 %  authentisch. Ich denke aber, auch selbst wenn die Band nochmal versuchen würde, dieses zu wiederholen, hätte sie nicht die Chance, es zu schaffen. Es gibt ein paar magische Momente im Leben, die sind einfach unerreichbar, dies ist einer davon. Gibt es irgendwann mal eine Zeitmaschine, so steht der Besuch dieses Events definitiv auf der „Must do“-Liste.

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