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Terror: Keepers Of The Faith

Hass, Energie und Hardcore in den Venen in audiophiler Umsetzung
Wertung: 8.5/10
Genre: Hardcore
Spielzeit: 33:56
Release: 27.08.2010
Label: Century Media

Eine ungewöhnlich lange Pause von circa zwei Jahren mussten die Fans der Hardcore-Kapelle Terror ausharren, bis es wieder neues Futter gibt. Die 2003 gegründete Band hat sonst eigentlich jedes Jahr zumindest eine EP veröffentlicht. Was sich hier sehr kritisch anhört, ist aber eigentlich eher positiv zu sehen, denn wie viele Bands veröffentlichen noch im Jahresrhythmus oder schaffen es zumindest alle zweiten Jahre, eine neue Scheibe unters Volk zu bringen? Und wer jetzt das Aufzählen beginnt, sollte sich noch zu Gemüte führen, dass die Band gerne 300 Shows im Jahr spielt. Glaubt ihr nicht? Die bevorstehende „Hell On Earth”-Tour mit Every Time I Die, All Shall Perish, The Acacia Strain, Down To Nothing und Thick As Blood in Europa vom 17.September bis zum 17.Oktober enthält keinen einzigen “Day Off”-Tag und im August beackert man Amerika.

Nun ja, dies ist noch kein Garant für gute Musik, sicherlich, also lassen wir mal das äußerst langweilige Coverartwork der Band außen vor und vergessen mal für 34 Minuten die Vorurteile gegen Hardcore. CD ins Laufwerk und ab geht die Post:

„Your Enemies Are Mine“ wird mit thrashmetalartiger Gitarrenarbeit eröffnet. Dann beginnt, was beginnen muss: Scott Vogel brüllt sich seinen Frust aus dem Leib. Da fliegt der Schädel vor und zurück, die Faust gen Himmel gereckt und es wird kräftig mitgegrölt. Die niederen Instinkte werden geweckt und man vergisst seine Umwelt fast vollständig.

Yehaa, nach nur 1:40 Minuten ist der Spuk schon vorbei und man thrashcort sich mit „Sick Tight“ weiter durch das Trommelfell. Stark, mit welcher Energie die Band hier vorgeht, ohne in wüstes Gebolze umzuschlagen. Da darf dann auch mal das Tempo verschleppt werden. Die Gitarristen Martin Stewart und Jordan Posner sorgen hier auch für einen gewissen Groove, der sicherlich nicht unbedingt üblich ist.

„Return To Strength“ ruft zum „destroy your fucking world“ auf. Und man glaubt der Band dieses Vorhaben, da sie mit einer unglaublichen Intensität zockt. Jawohl, das ist der Kampfschrei für die nächste Vordrängelaktion beim jährlichen Freibierausschank  des Erntedankfestes. Zur Hölle, die nehmen wirklich keine Gefangenen. Mit deutlich forciertem Tempo und noch mehr Angepisstheit in der Stimme zermalmt dann „The Struggle“ jeden aufkommenden bürgerlichen Widerstand. Vor allem schon wegen des Mittelteils, der auch auf einer melodischeren Slayer-Scheibe hätte eingearbeitet werden können, ist dies ein weiterer Anspieltipp.

Deutlich schreiintensiver ist dann wieder „Shattered“ ausgefallen. Leider will der Song aber auch wegen seines eher sperrigen Spielflusses nicht ganz so munden. Um Längen besser gefällt dann „You`re Caught“: Eine geile Nummer, die eine hardcoregeschwängerte, langsame Version eines Anthrax-Songs hätte sein können. Ziemlich schräg und für eine Überraschung offen. Stark, wie die Band in den kurzen Songlängen trotzdem immer noch einige Wendungen einzubauen versteht.

„Dead Wrong“ hämmert sich dann wieder in den Schädel, als ob die Stormtroopers Of Death mit deutlich fetterem Sound und leicht angezogener Handbremse vor Old School Hardcorepublikum spielen würden. Da darf gemosht werden, bis die Wohnungseinrichtung  in Schutt und Asche liegt. Gefolgt wird der Song vom für Bandverhältnisse überlangen Titeltrack, der stolze 3:12 Minuten in die Waagschale wirft. Fairer Weise muss man sagen, dass schafft er aber auch gerade nur wegen des kurzen gelungenen Intros. Nick Jett sorgt für kräftiges Drumming und hält die Gitarrenfraktion so zurück, dass nicht wieder ein extrem schneller Ausreißversuch entsteht. Bassist David Wood darf auch mal ein wenig weiter im Vordergrund stehen. Geile Nummer zum Haare lüften.

Klar, dass das nur die Ruhe vor dem nächsten Orkan ist. „Stay Free“ donnert dann wieder wie ein ICE, dessen Bremsen ausgefallen sind, durch die Lautsprechermembranen. Erst zur Mitte hin wird gekonnt das Tempo rausgenommen. Stark, wie authentisch Scott seine Texte rausbrüllt, das wirkt zu keiner Zeit gekünstelt oder erzwungen. 

Mit starkem Riffing beginnt dann „Hell And Back“. Leider verläuft sich der Song dann etwas. Wahrlich nicht schlecht, aber auch kein Highlight. Der Track ist dann auch wieder nur wegen des Intros über drei Minuten lang.

„Only Death“ vervollständigt eher die Scheibe als weitere Akzente zu setzen, auch wenn das Doppelgitarrensolo schon seinen Reiz hat. Und wer mehr auf die großen Mitgrölparts steht, wird zumindest im Refrain von „The New Blood“ fündig, in dem man gut mitschreien oder grölen kann. Von Singen kann hier natürlich keine Rede sein, denn wie verkündet Scott Vogel: „Hardcore is running through my veins!“. Beenden muss dann aber „Defiant“ das Album: Eine gute Nummer, aber leider nicht der erhoffte große Abschluss.

Fazit: Ein starkes Old School Hardcore-Album mit einigen Thrash-Einflüssen. Ohne jeglichen Klargesang wird hier der angestaute Frust rausgelassen. Also, so langsam scheine ich mich ein wenig in die Hardcorefanecke zu bewegen. Da gab es in der letzten Zeit einige Veröffentlichungen, welche diese Musikrichtung gestreift haben, die mich wirklich begeistern konnten, ebenso auch das neue Album von Terror. Ein starkes, energetisches hasserfülltes Album mit kräftigem Kick Ass-Charakter. Well done, dudes!

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