Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Terminal: Tree Of Lie

Munterer, mitunter etwas anstrengender Genremix
Wertung: 7/10
Genre: Progressive Metal
Spielzeit: 49:56
Release: 26.02.2010
Label: Revolution Records

Riverside haben einen erheblichen Anteil daran, dass Polen schon längst nicht mehr nur als Death-Metal-, sondern auch Progressive-Metal-Land gilt. Auch Terminal (nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Band aus Dänemark) haben unüberhörbar Spaß daran, verschiedene Musikstile zu vermischen, sind also in jedem Fall der Prog-Szene zuzuschreiben – ein bisschen Riverside ist hier und da durchaus auch herauszuhören.

Es verwundert nicht, dass die Band die progressive Schiene fährt, wenn man sich durchliest, was für einen unterschiedlichen Background die einzelnen Mitglieder zum Teil haben: Sänger Daniel Moszczynski sang früher in einem Chor, Keyboarder Daniel Grupa hat klassische Wurzeln und komponierte bereits einige Filmsoundtracks, bei denen wiederum Gitarrist Patryk Zukowski als Produzent und Engineer fungierte, Drummer Grzegorz „Greg“ Dziamka und Basser Bartek „Bartez“ Pietsch kommen aus der Jazz- und Fusion-Ecke, während Gitarrist Jacek „Jack“ Rychly vor allem die Metaleinflüsse mitbringt – er ist auch das für die Kompositionen verantwortliche Gehirn der sechs Mann starken Truppe.

„Tree Of Lie“ ist das Debütalbum von Terminal, die Jungs sind aber bereits stark bemüht, einen eigenständigen Charakter zu offenbaren; da man so einen facettenreichen musikalischen Background hat, verwundert es nicht, dass die Polen auch was Bands im Speziellen betrifft, so unterschiedliche Acts wie Dream Theater, Pain Of Salvation oder Genesis auf der einen und Killswitch Engage oder Linkin Park auf der anderen Seite nennen. Tatsächlich pendelt das Album zwischen klassisch angehauchten Passagen, Metalriffs, Keyboardsamples, normalem Cleangesang und Rap-Passagen, letztere auch gerne mal verzerrt.

Bei so vielen verschiedenen Einflüssen und Wurzeln kann sich der Hörer also durchaus auf etwas gefasst machen: So beginnt das wenig einfallsreich betitelte Intro „The Beginning“ denn auch sehr klassisch und ruhig mit Klavier- und Streicherklängen, die in der zweiten Hälfte von einem gesampelten Schlagzeug abgelöst werden, während beim darauf folgenden ersten „richtigen“ Stück „Afterlife“ Metalriffs mit Samples vermengt werden, sich melodische Gesangspassagen und leicht verzerrter Sprechgesang abwechseln, und flächig-atmosphärische Keyboardsounds einem technisch astreinen Tastensolo weichen, bei dem Grupa gleich mal zeigen darf, was er handwerklich auf dem Kasten hat.

Das Ganze funktioniert überraschend gut und klingt nicht zu verkopft oder zu sehr danach, zu viele Einflüsse auf Zwang unter einen Hut zu quetschen, auch wenn Eingängigkeit selbstredend etwas anderes ist – bei dieser Beschreibung dürfte wohl jedem klar sein, dass mehrere Durchläufe vonnöten sind, um das alles geistig zu verarbeiten.

Das danach erklingende „Mind Destruction“ punktet mit einem ziemlich geilen Mainriff, das sich wiederum recht gut mit Samples und Keyboardteppichen ergänzt und einem recht gut mitsingbarem Refrain, bei dem ich komischerweise ein wenig an Nickelback denken muss. Komischerweise deshalb, weil ich Nickelback beinahe so sehr hasse wie Coldplay, der Song hier aber gelungen ist – Terminal mögen mir diesen unreinen Gedanken daher verzeihen.

Bei „Together Apart“ wird’s dann richtig abgefahren: Zunächst erklingt eine flüsternde Frauenstimme, im Refrain gibt’s verträumte Akustikgitarren zu hören, in der Mitte ein schräges Keyboardsolo und am Ende eine proggige Achterbahnfahrt ganz im Dream Theater-Stil. Auch bei den folgenden Tracks heißt es, schön die Lauscher aufzusperren: In „Behind The Mask“ ist der krasse Wechsel zwischen Rap-Einlagen in der Strophe und normalem Gesang im Refrain zunächst mal wirklich arg gewöhnungsbedürftig und bei „Brand New Sin“ werden einem von Trip-Hop-Beats unterlegter Gesang, gerappter Text, Prog-Metal-Riffs und Double Bass nacheinander um die Ohren gehauen – da ist der ruhige Beginn von „Deep Inside“, das von einlullenden Saxophonklängen eingeleitet wird, gerade recht, um etwas durchzuschnaufen. Der Härtegrad wird durch die Gitarre in der Mitte zwar etwas angehoben, insgesamt ist das Stück aber um einiges zugänglicher und weniger komplex als seine direkten Vorgänger, und das ruhige Outro mit Klavier, Streichern und wiederum Saxophon wirklich sehr schön.

So ambitioniert Terminal auch agieren, ein wenig stellen sich zum Ende der Scheibe dann schon Ermüdungserscheinungen ein. Zwar gelingt der Combo der bunte Stilmix insgesamt relativ gut, aber der ein oder andere weniger komplexe und etwas eingängigere Song hätte sicherlich nicht geschadet, um den Hörer etwas bei der Stange zu halten und nicht zu sehr zu überfordern. Da ist ihnen eine Band wie zum Beispiel Mastodon, die ebenfalls mit einer Menge Genres jonglieren, schon voraus. Zudem ist die Produktion arg dünn geraten – die Gitarren drücken viel zu wenig und auch die Snaredrum hat irgendwie so gar keinen Punch.

Dennoch: Ein gutes Debüt liegt hier auf jeden Fall vor und innovativ ist das Ganze zweifellos. Frontmann Daniel hat eine sehr variable Stimme und beherrscht auch das Rappen sehr gut (ob man das nun mag oder nicht, ist eine andere Frage) und wer vor solchen Einlagen nicht gleich Reißaus nimmt und ein bisschen open-minded ist, sollte der Scheibe eine Chance geben.

comments powered by Disqus