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Terminal Function: Measuring The Abstract

Wenn Devin Townsend und Meshuggah aufeinandertreffen…so könnte es klingen!
Wertung: 8.5/10
Genre: Extreme Metal
Spielzeit: 43:26
Release: 14.11.2008
Label: Candlelight Records

Es macht ganz den Anschein, als sei der progressive Death Metal momentan das Maß aller Dinge in der extremen Szene. Während die Schwarzheimer nämlich noch immer dem letzten Jahrzehnt nachtrauern und vor allem aus den Staaten nur noch moderne Prügelkost nachgeliefert wird, etabliert sich in hiesigen Hemisphären langsam aber sicher wieder ein kreatives Genre, das seit einer halben Ewigkeit nicht mehr auf so ballastreichen Nährboden gestoßen ist wie in den vergangenen Monaten. Eine Band, die von dieser Entwicklung maßgeblich profitieren könnte, hört auf den Namen Terminal Function, ist sehr direkt von skandinavischen Monstern wie Meshuggah und Mutant beeinflusst, weiß aber auch um das vermögende Erbe eines Devin Townsend, dessen weit reichender Input sich in einem großen Teil der acht Songs des TF-Debüts „Measuring The Abstract“ wieder findet. Nur: Ist Komplexität in diesem Fall wirklich alles?

Diese Frage lässt sich schon nach wenigen Minuten mit einem ganz klaren Ja beantworten. „Measuring The Abstract“ ist ein wahrer Urquell an Kreativität und trotz der extremen Arrangements mit einer solch stoischen Ruhe dargeboten, dass selbst ein Herr Akerfeldt nicht umhinkommen dürfte, hier ein paar applaudierende Worte zu spenden. Gerade nämlich was das Feeling und die dennoch kontrollierte Vorgehensweise anbetrifft, sind Gruppen wie Opeth oder Cynic ganz schnell wieder im Gespräch, wenn es um sinnbildliche Vergleiche geht.

Dennoch ist „Measuring The Abstract“ in vorderster Linie brutal, abschreckend und in diesem Zusammenhang auch noch unheimlich experimentell. Wenn ein jazzig-vetrackter Prog-Metal-Brecher wie ‚Spawn’ beispielsweise zu Beginn über die Hörerschaft niederprasselt und sich darüber hinaus auch noch mit einigen düsteren Elementen schmückt, ist die Ehrfurcht groß. So facettenreich, und doch so kompakt – keine Frage, hier steht was Großes bevor!

Diese These wird in den sieben nachfolgenden Songs dann auch permanent bestätigt, wobei man der Band einzig vorwerfen kann, nicht immer eine klare Linie zu fahren. Nummern wie ‚Room 101’ und ‚Dissolving Soul Fragments’ etwa entpuppen sich als räudigere Variante von Townsends „Ocean Machine“, während rifflastige Kompositionen wie ‚Tactile MP 3’ und ‚Cloning Assembly’ wie ein Mix aus Cattle Decapitation, Emperor und Meshuggah anmuten.

Es ist definitiv eine Menge Gewicht in den Songs, welches die Band später noch mit einigen Keyboardwänden, raffinierten Breaks und partiell sogar mit ganz knappen Hooklines füllt. ‚The Brain-Shaped Mind’ zum Beispiel verfügt sogar über einen schnell nachvollziehbaren Refrain, ohne dabei den Bastard, aus dem sich der Terminal Function-Sound konstituiert, aus den Augen zu verlieren. Das ist fraglos Progressive Metal von größtem, vor allem aber extremstem Format.

Wie angesprochen würde es dem Album noch gut tun, wenn die Kompositionen sich insgesamt etwas homogener darstellen würden. Gegen den Wust an Ideen ist sicher nichts auszusetzen, doch nicht selten hat man den Eindruck, das Schwergewicht namens „Measuring The Abstract“ würde hier aus dem Ruder laufen. Lässt man dies dann aber mal außer Acht, haben Terminal Function hier ein rundum überzeugendes Album mit unzähligen starken Momenten zusammengezimmert, welches man als Liebhaber extrem vertrackter Klänge auf keinen Fall entgehen lassen sollte. Momente wie diese sollte man in aller Würde genießen!

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