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Terminal Choice: Reloadead

Kleine, nette und originelle Werkschau
Wertung: 8/10
Genre: EBM, Gothic Rock
Spielzeit: 74:50
Release: 01.12.2003
Label: Out Of Line

Im Jahre 2003 feierte das musikalische Hauptprojekt von Chris Pohl (Terminal Choice) sein 10jähriges Jubiläum, welches es auch besonders zu feiern galt. Denn nicht nur, dass es ohne Terminal Choice niemals die Projekte Tumor und Blutengel (resp. Seelenkrank) gegeben hätte: Kaum ein anderes Musikprojekt unter Chris Pohl´s Leitung, hatte innerhalb dieser Jahre seines Bestehens so viele musikalische Veränderungen mitgemacht wie eben Terminal Choice.

Angefangen im Jahre 1993 als Ein-Mann-Projekt, ohne jegliche Instrumente wie Gitarre, Drums und Bass. Sondern lediglich ganz simpler und mechanischer Dark Elektro Sound (EBM), welcher aber auch verdammt düster und sphärisch daher kam mit seinen z.T. recht harten und bösen Texten. Unterlegt mit der extrem verzerrten Stimme Chris Pohl´s, wurde so u.a. auch einer der aller größten und bekanntesten Termin Choice Hits geschaffen: “Totes Fleisch“, welches bis einschließlich heute zu horrenden Sammlerpreisen als MCD über die virtuellen Theken der Auktionshäuser alá eBay und Co. geht.

Lang, lang ist es her und auch Terminal Choice entwickelten sich mit den Jahren mehr und mehr vom reinen Elektroprojekt (u.a. “In the shadow of death“ / 1995 und die “Khaosgott“ EP / 1996), zu einer knackigen Symbiose aus Elektro, Gothic Rock und Nu Metal (die “Collective suicide“ EP / 2002 und das letzte Studioalbum “Menschenbrecher“ / 2003). Dass diese Entwicklung nicht immer zur Freude der Elektro-Fans von statten ging war klar und verständlich. Aber dennoch schlug gerade die wohl härteste und makaberste Terminal Choice EP “Collective suicide“ ein wie eine Bombe mit ihren Neuinterpretationen (u.a. “Der schwarze Mann“ und “Sons of doom“) und teilweise recht morbiden, neuen Stücken wie eben jener Titeltrack “Collective suicide“ oder das mystische “Castles in the sky“. Schien es so, als sei die perfekte Vereinigung aus stampfenden Dark Elektro und wütenden Elektrogitarren gefunden, die einhergehen mit Liedtexten, die moralisch jenseits von Gut und Böse schienen: Ein neues Kultwerk entstand und bescherte der Band nicht minder viele neue Fans. Ein Erfolgskonzept, das man doch als Fan hoffe, beim nächsten Album in dieser Form wieder erwarten zu können. Doch leider entpuppte sich das noch nicht einmal ein Jahr später erschienende Album “Menschenbrecher“ als größtenteils kapitaler Flop: Die morbiden Texte wichen größtenteils eher unausgegorenen und nicht sonderlich motivierten Textinhalten und musikalisch suchte man jene Härte und Innovation wie man sie noch von der “Collective suicide“ EP kannte vergebens. “Menschenbrecher“ war leider ein Album, mit dem niemand so recht glücklich und zufrieden schien.

Aber nun zur aktuellen “Reloadead“ Platte, welche im Dezember 2003 erschien und im Grunde nur einen neuen Song der Combo bot, dafür aber diverse Neueinspielungen, Remixe, Coverversionen und Raritäten, auf die ich nun näher eingehen möchte: “Re-loaded“ steht in diesem Falle für die Neueinspielungen. Die alten Elektro-Klassiker “Age of suffering“, “Serial killer“, “Witchhunter“, “Someone“, “Animal“ und “Armageddon“ wurden von TC so eingespielt und aufgenommen, wie sie jene Songs eben in der heutigen Zeit produzieren würden: Rockig, hart und sehr Gitarren-lastig... Gerade bei “Age of suffering“ hat man ein absolutes Glanzstück hingelegt, das an Sachen Eingänigkeit und musikalischer Wucht nichts zu wünschen übrig lässt. Ebenso können auch noch die Tracks “Serial killer“ und “Witchhunter“ dieses recht hohe Niveau mithalten und man staunt, was man so alles in der heutigen Zeit auf die Beine stellen kann, wenn man „nur“ ein paar Instrumente mehr zum Einsatz bringt. *smile*

Allerdings fallen dann die Tracks “Someone“, “Animal“ und “Armageddon“ in eine Grauzone aus „ganz nett geworden“ bis „echt okay“. Aber im Grunde klingen sie von der Gesamtstruktur alle fast zu ähnlich und ihnen ging wirklich fast jede Authensität verloren, welche Originalversionen zu solchen Klassikern in ihrer Zeit werden ließ. Sehr, sehr schade...

Mit “Re-mixed“ wurden insgesamt drei der letzten “Menschenbrecher“ Stücke neu in Szene gesetzt, was sich doch als sehr kluger und richtiger Schachzug erwies, da eben zumindest die Originale von “Be like me“ und “Pull the trigger“ alles andere als gute Kompositionen waren. Aber nun erstrahlt z.B. der „Elbenkiller Remix“ von Samsas Traum zu “Be like me“ in einem völlig neuen und wuchtig-impulsiven Lichte und auch Unheilig gaben sich beim Remix von “Pull the trigger“ reichlich Mühe, dass es sich nicht mehr gar so nach einer mäßigen Rammstein Kopie anhörte. Der „Mammut Remix“ von Das Ich ist hingegen eine durchaus interessante und gelungene Alternativversion des Originales, welche zumindest ihre Berechtigung hat, was man aber von dem fürchterlichen „Goth´n Roll Remix“ zu “Collective suicide“ von ASP nicht gerade behaupten kann: Nerviges und unpassendes „Sirenengehäul“, vermengt mit einer mäßigen Mischung aus Rock ´n Roll, Gothic und Gesangsduett (ASP singt praktisch die zweite Stimme).

Aber es gibt auch zwei echte Raritäten zu entdecken: Mit “Re-released“ erblicken erstmals wieder die Tracks “Daddy“ und “Tonight“ wieder das (CD-)Licht der Öffentlichkeit und stammen aus der Anfangszeit von Terminal Choice in den Jahren 1993 und 1994 (somit also noch rein elektronisch, düster und akustisch verzehrt). Zwei wirkliche Schätzchen, die man da auf dieses Album mit drauf packte... Aber zumindest dürften den Track “Tonight“ einige schon kennen, die im Besitz der Neuauflage der “Khaosgott“ EP sind. Die von Chris Pohl unterstützte und geförderte Dark Elektro Combo Trümmerwelten, ließen es sich nicht nehmen, zusammen mir ihrer neuen Sängerin Katharina den alten TC Klassiker “In this lovley night“ zu covern. Dies aber so genial, düster und unnachahmlich atmosphärisch, dass man hier die Jungs und Mädels und Trümmerwelten nur beglückwünschen kann: Ich habe wirklich schon lange nicht mehr eine weibliche Stimme gehört, die so nihilistisch und verbittert gewirkt hat und somit passend zu dem recht garstigen Elektrosound von Arne Schaub einher geht! “Un-released“ ist der ganz neue und bisher auch unveröffentlichte Song “Wake up!“. Dieser stellt mit seinen über 7 Minuten Laufzeit eine doch recht rührende Rockballade dar, welcher man sich wirklich nur ungern entziehen möchte. Chris singt hier sehr sauber und unverzehrt, sowie gefühlvoll und stimmlich perfekt. Sicher, mal wieder etwas ganz Neues und auch Ungewohntes aus der Folterkammer der TC Manen. Aber in diesem Falle kann man durchaus von einem kleinen und positiven Schlusspunkt des Albums reden.

Außer natürlich, man hatte seinerzeit Glück und konnte eine der auf 3000 Stück limitierten Digipacks zurückgreifen, welche als Bonus noch die MCD “Rockstar“ enthielt: Jener “Rockstar“ ist ein Schmähgesang auf Marilyn Manson und sein Gehabe, das mehr einer Diva gleicht, als einem „Schock-Rocker“ (TC waren je seinerzeit in Dresden anno 2003 Vorgruppe von Marilyn Manson und konnten sich so ein Bild über seine Person und Verhaltensweisen bilden). Demzufolge klingt “Rockstar“ auch etwas „Manson-like“ in Sachen Musik und Gesang. Im Grunde genommen ein satirisches Stück, das man also nicht überbewerten sollte, da es sich selbst am wenigsten ernst nimmt und auch lediglich gute Kurzweil verbreitet. Ergo, ebenso ein untypischer TC Song, der auch nicht unbedingt das Zeug zum Klassiker hätte...

Fazit: “Reloadead“ ist eine kleine, nette und originelle Werkschau der Berliner, die zwar nicht rundum perfekt ist, aber durchaus als Jubiläumsgeschenk zu gefallen weiß und man zugleich hofft, das TC im kommenden Frühjahr 2006 (wenn das neue Album erscheinen soll) wieder ein deutlich besseres Händchen beweisen können, was Musik, Texte und Atmosphäre angeht... Denn ein zweites “Menschenbrecher“ Machwerk muss nun wahrlich nicht mehr sein!

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