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Terminal Choice: Collective Suicide

Konsequenteste und bösartigste Platte aus dem Hause Terminal Choice
Wertung: 9/10
Genre: EBM, Gothic Rock
Spielzeit: 61:52
Release: 11.03.2002
Label: Out Of Line

Da sich schon im Frühjahr 2000 auf dem Album “Ominous Future“ ein gewisser Stilwechsel und eine Weiterentwicklung bei Terminal Choice ankündigte (mehr hervorgehobene, elektronische Gitarrenklänge zu den auch mittlerweile weniger dumpf klingenden Dark Electro Beats und ebenso nicht mehr verzehrten Gesangspassagen), entschloss man sich wohl erst einmal, die Sache ein wenig „ruhiger“ anzugehen und sozusagen mit der vorliegenden EP “Collective suicide“ eine Art Experimentier- und Konzeptalbum vorzulegen.

Denn im Grunde besteht jene EP lediglich aus drei ganz neuen Stücken aus der Feder von Chris Pohl (“Collective suicide“, “Castles in the sky“ und “Deathfuck“) und zwei älteren, bereits bekannten Titel, die für diese EP nochmals komplett neu eingespielt wurden (in diesem Falle sind das “Der schwarze Mann“ und “Sons of doom“). Mochten doch evtl. einige bei “Ominous Future“ bemängelt haben, dass jenes Album etwas zu zahm ausgefallen war, was die musikalische Komponente betraf. So schickte sich mit der Veröffentlichung von “Collective suicide“ ein wahrer Bastard an, der nicht nur nochmals eindringlich einen neuen (und härteren) Stilwechsel ankündigte, sondern sich zugleich auch inhaltlich auf sehr morbiden und bösartigen Pfaden bewegte.

“Collective suicide“ ist sogleich auch der Opener dieser EP, welcher einmal in einem regulären “Single Mix“ und einem deutlich härteren (und besseren) “Club Mix“ vorliegt. Inhaltlich geht es konsequenterweise um den sogenannten „Freitod aus Liebe“ bzw. um den gemeinsamen Freitod, auf dass man in der Ewigkeit (und an einem evtl. besseren Ort) für immer untrennbar zusammen bleiben wird. Musikalisch geht der “Single Mix“ deutlich weniger aggressive Wege und besticht mit seinen eingängigen Synthesizerklängen. Deftiger geht es beim gut eineinhalb Minuten längeren “Club Mix“ zur Sache: Derbe und aggressive Elektro Beats vermischen sich mit Chris Pohls charismatischem Gesang. Wahrlich eine sehr eingängige, tanzbare und bitterböse „Einladung zum finalen Freitod“, welche hiesige Tanzpaläste schon mehrmals zum Beben und Brodeln brachte. Ebenfalls ein neuer Titel ist “Castles in the sky“, welcher zwar weniger plastisch und bombastisch als sein Vorgänger daherkommt, aber dafür nicht minder bizarr anmutend in seiner endgültigen (textlichen) Konsequenz. Deutlich stärker werden hier auch die zum Einsatz gebrachten E-Gitarren hervorgehoben und stellen somit das treibende Stilmittel dieses Titels um schmerzvoll verschmähte Liebe dar. Der letzte neue Titel hört auf den klangvollen Namen “Deathfuck“ und ist eine recht schwerfällige (und dennoch treibende) Dark Rock- und Electro Nummer, in welcher es um nekromantische Liebe (also Sex mit toten, menschlichen Körpern) geht. Textlich zwar noch relativ zurückhaltend, aber dennoch atmosphärisch und musikalisch so geschickt umgesetzt, dass einen doch mehrmals der kalte „Ekelschauer“ den Rücken runter läuft: Eben schön schleimig, garstig, widerlich, bösartig und direkt. Genau so, wie man es sich schon immer von Terminal Choice gewünscht hat!

“Sons of doom“ konnte man zum ersten mal auf der mittlerweile längst vergriffenen CD “Navigator“ aus dem Jahre 1998 hören. Diese hier als Remix deklarierte Version, ist im Grunde eine Neueinspielung, so wie TC jenen Titel heute spielen würden: Laut und hart auf der musikalischen Ebene, sowie sanft und brachial in den wie ein Wechselbad der Gefühle anmutenden Gesangsstrophen. Das heimliche Herzstück und Highlight auf dieser EP ist allerdings die komplette Neueinspielung des Titels “Der schwarze Mann“ Konnte man sich schon seinerzeit auf dem Re-Release des TC Debüts “In the shadow of death“ (1995 bzw. 2000) von der extremen Morbidität und Konsequenzlosigkeit dieses Titels überzeugen (damals aber noch als reine Dark Electro Nummer), so wird in der vorliegenden Version nun endgültig das Fass zum Überlaufen gebracht: Bereits eingeläutet mit einem recht radikalen Sprachsample aus dem spanischen Film “Tesis – Der Snuff Film“ (gedreht von Alejandro Amenábar aus dem Jahre 1996), beginnt diese musikalisch Reise in die tiefsten Niederungen des menschlichen Seins und seiner ganzen Abartigkeiten voller Gewalt, Niedertracht, sozialer Kälte und völliger Erbarmungslosigkeit. Demzufolge auch entsprechend die musikalische Untermalung mit seinem aggressiven Krächzgesang und den dumpfen, gnadenlos voran peitschenden Electro-Beats, welche wahrlich wie ein Schlag ins Gesicht des geneigten Zuhörers (in diesem Falle in der Rolle des Voyeuers) nie ihr Ziel verfehlen.

Nach so viel unmenschlicher Kälte und Härte, findet die EP aber noch längst nicht ihr bisher wohlverdientes Ende. Denn nach dem Ende des siebten Titels (dem lediglich etwas kürzer gehaltenen Radio Edit von “Castles in the sky“) ist noch längst nicht Schluss: Die nächsten beiden Stücke sind jeweils gut fünf Minuten gähnender Leerlauf, bevor mit Titel Nr. 10 dann eine gut 18-minütige “Terminal Choice Special Studio-Session“ ansteht, welche einen wahrlich mehr als nur einmal zum Schmunzeln und Lachen bringen wird *zwinker*. So wird hier doch u.a. die Coverversion eines recht bekannten Stückes der Gruppe Sisters of Mercy eingeprobt (der Titel wird jetzt aber von mir nicht verraten, außer eben, dass sich jenes Stück auch auf dem “Thank you - A tribute to Sisters of Mercy“-Sampler wiederfinden lässt) und auch sonst so allerlei Nonsens getrieben. Nicht unerwähnt bleiben sollte auch die Tatsache, dass es kurz vor der Veröffentlichung der EP noch etwas Ärger bezüglich des doch recht drastischen Coverartworks der Platte gab. So drohte doch im schlimmsten Falle sogar eine Indizierung durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften, welche letztendlich dann aber glücklicherweise doch nicht stattgegeben wurde (und somit die EP im original Artwork in die Plattenläden wandern durfte).

“Collective suicide“ ist sicher inhaltlich die konsequenteste und bösartigste Platte aus dem Hause Terminal Choice. Aber auch musikalisch wurde hier die bis dato beste und prägendste Symbiose aus elektronischen und modernen Gothic-Rock Klängen geschaffen, die atmosphärisch wohl in ihrer finalen Kompromisslosigkeit und dennoch gleichzeitiger Frische kaum zu übertreffen sein wird.

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