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Tenside: Chain Reaction

Eine Steigerung ist erkennbar, aber da geht noch mehr
Wertung: 6/10
Genre: Metalcore, Modern Metal
Spielzeit: 38:37
Release: 01.04.2011
Label: Recent Records

Bei „Chain Reaction“ handelt es sich bereits um das vierte Album von Tenside, einer Band, die sich nach einer chemischen Substanz benannt hat – auf die Idee kommt auch nicht jeder; wie die Jungs wohl auf den Trichter gestoßen sind? Laut unserem bis dato einzigen Review der Münchener zum Debütalbum „My Personal War“ von 2007 spielte die Combo damals thrashig angehauchten Nu Metal und wies erhebliche Mängel in Sachen Songwriting und Eigenständigkeit auf.

Nun, dies hat sich mittlerweile ein wenig geändert. Offenbar hat man auf gemeinsamen Touren mit bekannten Formationen à la Soulfly, Hatebreed, Devildriver, Death Angel, Pro-Pain und Ektomorf einiges dazu gelernt, denn es ist eindeutig herauszuhören, dass das Quartett in der professionellen Liga angekommen ist: Handwerklich agieren die Hobbychemiker solide und produktionstechnisch gibt es ebenfalls nichts zu beklagen. Auch im songschreiberischen Bereich ist man um Vielseitigkeit bemüht – jedenfalls kann von stumpfem, gesichtslosem Nu Metal nicht mehr die Rede sein. Vielmehr tischen die Herren dem Hörer ein Gebräu auf, das sich nicht immer leicht einordnen lässt. Grundsätzlich kann man das Ganze wohl als Metalcore klassifizieren, doch sind es in erster Linie die bratenden Gitarren, kombiniert mit den typischen, heiser herausgeschrienen Vocals, die zu dieser Einschätzung veranlassen. Zum Glück aber gibt es immer mal wieder einige gut eingestreute cleane Gesangspassagen und Hardcore-mäßige Shouts, die für Abwechslung sorgen – in diesem Bereich hat man ganz klar einen Zahn zugelegt.

Am ehesten nach Metalcore hört man sich noch beim Quasi-Opener „Death“ und „At The Mercy Of The Bullet“ an, wobei erwähnenswert ist, dass ersterer Track ein Aufwärmer der Marke „richtig angepisst“ darstellt, während letzterer durch gut integrierten cleanen Gesang punktet. An anderen Stellen lassen sich teilweise völlig andere Einflüsse ausmachen, so kann man bei „Armed And Dangerous“ mit gutem Willen durchaus Mastodon heraushören, während die Vocals zu Beginn von „Violet World“ sogar ein wenig an Devin Townsend erinnern. Zum Ende der Scheibe wiederum lassen sich Parallelen zu Soulfly ausmachen.

Das hört sich jetzt alles ziemlich zusammengeklaut an, doch sollen diese Vergleiche eher eine Orientierungshilfe sein; gerade da sie darum bemüht sind, verschiedene Stilrichtungen unter einen Hut zu bekommen, klingen Tenside inzwischen relativ eigenständig. Wie erwähnt, hat man sich songschreiberisch weiter entwickelt und beweist dies durch die ein oder andere catchy Gitarrenmelodie oder überraschende Momente wie die ruhigen Stellen im ohnehin etwas aus dem Rahmen fallenden „Violet World“.   

Dennoch: Zwar ist das Dargebotene aller Ehren wert, hat Format und zeigt eine gefestigtere und selbstbewusstere Band, doch ist längst trotzdem noch nicht alles Gold was glänzt. Das Bemühen um Abwechslung ist zwar da, doch es fehlt das stimmige Gesamtbild – irgendwie will das Album als Ganzes nicht richtig flutschen. Außerdem stehen guten Nummern wie den erwähnten „Death“, „Armed And Dangerous“, „At The Mercy Of The Bullet“ oder „Violet World“ auch ein paar Stinker wie die völlig belanglosen „Infected“ oder „Sadness I Embrace“ gegenüber. Mit anderen Worten: Ein guter Start und eine gute Mitte, doch am Ende geht der Band die Luft aus und das Songwriting wirkt hier trotz allgemeiner Verbesserung beliebig und uninspiriert. Tenside sollten nächstes Mal eine Platte herausbringen, auf der sich die kompromisslosere Linie der ersten Hälfte von „Chain Reaction“ über die volle Albumdistanz erstreckt. Gesteigert hat man sich, doch trotz relativer Eigenständigkeit scheint die Band immer noch ein bisschen auf der Suche nach ihrem Stil, ist diesem Ziel mit der neuen Scheibe aber schon etwas näher gerückt.

Anmerkung zur Tracklist: Es soll mir mal einer erklären, warum die Tracks sechs und zwölf in der Promoversion und im Infosheet schlicht nicht auftauchen (auch als Zahlen nicht). „Danger Zone“ und „Adrenaline“ sind dementsprechend auch nicht in der angegebenen Spielzeit enthalten.

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