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Tempting Tragedy: Carpe Noctem

Nicht schlecht, aber auch nicht herausragend
Wertung: 6.5/10
Genre: Gothic Metal
Spielzeit: 52:1
Release: 25.07.2007
Label: DIY

Zwischen Elchen und Ahornsirup gibt es in Kanada glücklicherweise immer noch Orte, die im Arsch sind. Im Arsch genug, um Metal zuzulassen (Merke: Die Wahrscheinlichkeit für harte Musik steigt proportional zur beschissen-einöden Wohnsituation); nach den Altrockern Saga nämlich gleich die zweite Kanadierband in Folge, und zwar das Doom / Gothic Metal-Quintett um Sänger und Gitarrist Marty Surette.

Der zu reviewende Erstling heißt "Carpe Noctem", zu deutsch "nutze die Nacht"; ein Titel, wie er abgedroschener nicht hätte sein können und auch die Band selbst ist stilinnovativ sicher nicht gerade die höchste Avantgarde.

Als Zielgruppe würde ich daher eher weniger das alteingesessene The Cure oder Black Sabbath-Lager, sondern eher die numetaligere Richtung definieren, und auch davon eher die "dicke Mädchen"-Fraktion.

Dementsprechend lässt sich der Sound festlegen: Die Gitarren braten zwar stellenweise mächtig rein, bleiben aber letztendlich eher im harmonischen Bereich, nix noisig-dekadentes und auch keine überraschenden Wendungen, auf hart folgt immer soft. Also eher Standardkost mit tiefstimmlichen Vocals á la Peter Steele, stereotypen Texten und viel Vierviertelgedönse seitens der Rhythmusgruppe; es gibt grundsätzlich nicht viel gegen Standardkost einzuwenden, nur in diesem Falle auch nicht viel dafür, denn die wirklich stichhaltigen Argumente, weswegen man sich die Band antun müsste, sind eher spärlich:

Das Songwriting ist eher mittelmäßig, die Band groovt nur durchschnittlich, außergewöhnlich tanzbar ist auch nicht viel - wenn etwas okay ist, ist es eben noch lange kein Kaufargument (angemerkt sei, dass vieles okay und fast nichts in irgend einer Form mies ist, daher auch die immer noch annehmbare Wertung).

Die Palette beginnt mit einem Riff, das nur eine allzu frappierende Ähnlichkeit zu dem grandiosen Debütriff der allmächtigen Sahg aufweist, die vor längerer Zeit noch bei mir im Reviewordner lag, aber qualitativ liegen in jeder Beziehung Galaxien zwischen den Bands.

Von der ersten Note an hervorstechend ist nämlich die stellenweise etwas breiige Produktion, die nur so nach Low Budget-Proberaummitschnitt schreit (noch einmal: DIY ist keine Ausrede, es nicht besser zu können!); klar, ein düsterer Doomsound darf nicht überproduziert werden, aber auch von Vorbildproduktionen, wie sie zum Beispiel Neurosis oder Isis kürzlich ablieferten, distanziert sich das Album weitestgehend.

Ein besonderer Dorn in meinem Auge und omnipräsentes Hassobjekt ist auch der billigst klingende Dudel-Kirmes-Keyboardsound, der mir schon bei Lokalgrößen wie Vega immer bitter aufstieß (für alle, die so etwas ernsthaft mögen: Einmal im Wörterbuch unter "analog" nachschlagen, bitte).

Anyway, das Liedchen "Far Down Below" mausert sich allerdings noch zur rockbarsten Nummer auf dieser Platte und animiert mich durchaus zum gelegentlichen Mitwippen.

Danach wirds jedoch wieder mau mit guten Songs; bei der Teufelsstimme im Intro von "Pray For Me" muss ich mir immer wieder kurz das Lachen verkneifen, meine Gedanken schweifen ab ("Saddam, ich muss mit dir über meine Gefühle sprechen, aber du willst immer nur Sex..."), der Rest ist weniger peinlich, instrumental gut arrangiert, fast progressiv.

Die Singleauskopplung "Mr. Hyde" ist da schon eher diskotauglich, aber auch nichts, was man dauernd hören muss, auch slayereske Ausflüge ("Hell's Gates") werden manchmal ausprobiert; im Laufe der Platte wird selbige etwas metaliger und riffiger aber qualitativ nicht besser und behält für mich immer noch dieses ästhetische Charaktersitikum eines nassen Lappens bei.

Fazit: Fazit? Tja, nicht schlecht Jungs, aber auch nicht herausragend. Fragen, keine? Dann Weggetreten und in Selbststudium auf Bude die angesprochenen Mängel beseitigen.

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