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Temptation's Wings: Skulthor Edonblade

Überraschend bodenständige Platte
Wertung: 8/10
Genre: Heavy Metal, Doom Metal, Southern Rock
Spielzeit: 48:27
Release: 10.03.2017
Label: Eigenproduktion

Temptation’s Wings – was dem Namen nach schlimmste Befürchtungen Richtung schwulstigem Power Metal aufkeimen lässt, entpuppt sich als schnörkelloser, erdiger Heavy Metal mit Doom- und Southern-Rock-Einflüssen, durch den Titel “Skulthor Edonblade” ins leicht Pathetische angehoben, aber musikalisch angenehm klischeefrei. Ein bisschen keimt hier die Erinnerung an Iced Earth auf, mit denen die Band auch schon touren durfte – nur, dass Sänger Micah sich nicht auf abgehobene Tonleiterkraxeleien stützt, sondern erfreulich bodenständig agiert.

Überhaupt scheint das Trio nach mehr als zehn gemeinsamen Jahren und diversen EPs gut geerdet und aufeinander abgestimmt zu sein, komisch aber, dass noch keine Plattenfirma den Weg zu den Herren aus North Carolina gefunden hat. Temptation’s Wings nehmen es aber mit Humor, so wie scheinbar alles andere auch: Da steht doch bei Facebook unter Interessen der Band „playing music that doesn’t suck“, und das bekommen die Amis auf ihrem aktuellen Longplayer ziemlich gut hin.

Das Instrumentalintro „Burning Of Hjalmar“ weist da schon stimmungstechnisch einen ziemlich guten Weg; es wird düster, ein bisschen mystisch, und obwohl ja ein solches Intro oftmals als „Lückenfüller“ daherkommt und man sich den Platz eigentlich hätte sparen können, kommt hier durch das Leadriff keine Langeweile auf – im Gegenteil, man drückt gerne auf die Repeat-Taste.

„I Destroyer“ liefert dann schon den ersten Anspieltipp – man hört durchaus den Amateurstatus insofern, dass Höhen und Tiefen nicht hundertprozentig ausbalanciert sind; dennoch zieht sich Micahs wohlig-warme Stimme wie ein Licht durch den düster-doomigen Refrain. Die „Ulfbehrt“-Rufe bei „To Forge A Legend“ klingen dann wiederum eher lustig, man bewegt sich thematisch so ein bisschen im Pagan-Bereich, das nachfolgende „Lair Of The Gorgon Queen“ pendelt dann allerdings wieder in die eher klassisch metallische Schiene, eine Spur zu monoton allerdings, als dass man hier einen Anspieltipp finden könnte.

Eine richtige Rundum-Bedienung bietet dann „Treachery Of The Blind Raven“, inklusive ziemlich coolen Gitarrensolo und ohrwurmigem Refrain, der sich butterweich von den kantigen Strophen absetzen kann. Dabei beweisen die Amerikaner durchaus ein Händchen für intelligente Arrangements, die sicherlich mit einem professionellen Studio im Rücken noch eine Spur saftiger klingen würden. Die Nicht-Hochglanzproduktion tut dem Hörvergnügen aber keinen Abbruch; im leicht dreckigen Sound kommt der Southern-Rock-Anteil, den Temptation’s Wings ja nun auch mal mit in die Waagschale werfen, einfach noch besser rüber.

Vor allem Refrains haben die Drei drauf, was einmal mehr das sich beinah schon episch aufblähende „Witches Of Dredmoor“ beweist; in den Strophen kratzen die schmutzigen Gitarren wieder ein bisschen am Südstaaten-Sound, bevor Micah im Refrain mit schönem Klargesang punktet. Ganz sauber sind die Vocals zwar nicht immer, das macht aber auch einen beträchtlichen Teil des Charmes aus, den Temptation’s Wings auf „Skulthor Edonblade“ verbreiten – da kann man auch gerne mal acht Punkte geben für eine ausgewogene und schöne Mischung, die sicherlich auf der nächsten Platte noch ein bisschen mehr perfektioniert wird.

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