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Tauthr: Life-Losing

Das Warten hat sich gelohnt
Wertung: 8/10
Genre: Death / Black Metal
Spielzeit: 52:58
Release: 06.08.2010
Label: Ván Records

Wenn eine Band 13 Jahre braucht, um ihr Debütalbum zu produzieren, kann das diverse Gründe haben – entweder, die Jungs kommen einfach nicht aus dem Quark, die Kreativität ging ihnen aus, oder man hatte bandinterne Schwierigkeiten. Letzteres muss der Grund gewesen sein, wieso die Schleswig-Holsteiner Tauthr seit ihrer Bandgründung 1991 noch keine Full Length-Scheibe vorweisen konnten, denn die Band löste sich nach der Veröffentlichung zweier Demos – „Lead Us Mortals“ im Jahr 1996 und „Tauthr“ ein Jahr später -  auf und kam erst 2006 wieder zusammen. Ein guter Grund also, jetzt endlich eine Platte aufzunehmen.

 „Tauthr“ bedeutet im Germanischen soviel wie „Tod“ und wenn man weiß, wer hinter der Band steckt – und vor allem, wie sie klingt – ist das keine große Überraschung: Gegründet wurde die inzwischen zu einem Quintett gewachsene Combo nämlich von Lars Wachtfels, seines Zeichens Gitarrist von Endstille, der sich mit Herr K an der Gitarre, Bassist Cruor, Drummer MD und Sänger Sator einige hochkarätige Musiker ins pechschwarze Boot holen konnte, die ihre Sachen auf dem ersten Album „Life-Losing“ ziemlich gut machen.

Geboten wird – natürlich – ein bitterböser Mix aus Death und Black Metal, gesetzt wird auch düster-schreddernde Gitarren, wummernde Drums, Blastbeats und reichlich melodiöse Einschübe, die das Ganze ungemein auflockern. Wenn eine Band so lange hat auf sich warten lassen, erwartet man natürlich höchste Qualität, die auf den neun Songs ohne Zweifel geboten wird – bitterböse holzen sich die Fünf durch knapp 53 Minuten, ohne dabei monoton oder stupide zu wirken. Eine gute Mischung also, die wir uns hier genauer anhören dürfen.

„Curse Or Destiny“ besitzt ein ganz eigentümliches Flair, eine Mischung aus Viking und Black Metal wird hier dem Hörer entgegengeballert, veredelt mit Sators beeindruckenden Growls, die nie zu tief oder zu hoch ausfallen, sondern sich genau in der richtigen Stimmlange bewegen, um auch auf langen Strecken zu überzeugen. Hintergrundschreie und etwas an Amon Amarth erinnernde Gitarrenspuren legen die Latte für die restlichen Stücke verdammt hoch. „Dis-Loved“ geht, dem Titel gemäß, ein wenig in die Depressive Suicide-Ecke, weckt Erinnerungen an die Schweden Lifelover, setzt auf eine recht einprägsame Gitarre im Hintergrund und eine schöne Dynamik, zu der sich vermutlich stundenlang headbangen ließe.

„Perfect“ kommt wesentlich weniger melodiös daher, stattdessen ballert das Stück gleich mal schön vor sich hin, ohne jedoch den Charme einer Abrissbirne zu versprühen. Überhaupt haben die Herren den Bogen raus, wie man das Publikum bei Laune hält, ohne sich anzubiedern. Vor allem die Gitarrenspuren bleiben immer wieder im Gedächtnis, dennoch zeigen Tauthr nicht zuletzt bei „Hope“, wie gut sie diese Melodien mit noisigem Geschredder verbinden können. 

Das fast neunminütige „Orpheus“ bildet den Schlusspunkt unter ein wirklich sehr gutes Album. Flächige Instrumentals, fiese Growls und ein rasantes Tempo, das durch instrumentale Zwischenstücke abgemildert wird, zeigen alle Qualitäten von Tauthr in nur einem Song. Ein wenig fühlt man sich an eine düstere Version von Shoegaze erinnert, was hauptsächlich durch den Gitarreneinsatz zustande kommt, aber auf dem ganzen Album auffällt. Etwas abstrus wird das Ganze, als Sators Schreie und eine chaotische Klangwand mit ultraschnellen Gitarren aufbranden. Ein manisches Lachen zum Schluss, und die Band entlässt uns in die Freiheit.

Fazit: Mit „Life-Losing“ hat das Quintett ein atmosphärisch dichtes Album geschaffen, das – man höre und staune – ganz ohne Keyboards auskommt und deswegen vielleicht noch beeindruckender ist. Die lange Wartezeit, so obskur sie anmuten mag, hat sich definitiv gelohnt, denn Tauthr zeigen uns, dass man Old und New School durchaus vermischen kann, ohne chaotisch und unaugewogen zu klingen. Ein beeindruckendes Album, das man sich nicht entgehen lassen sollte!

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