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Taste Of Tears: Once Human

Starkes Debüt, auch ohne große Innovation
Wertung: 8/10
Genre: Progressive Death Metal
Spielzeit: 55:19
Release: 07.10.2011
Label: SAOL

Lange haben sich die vier Schweizer von Taste Of Tears Zeit für ihr Debüt-Album gelassen, das aber nun seit Kurzem im Handel erhältlich ist. Glatte zwölf Jahre sind von der Bandgründung bis zum aktuellen Release „Once Human“ vergangen, das lässt die Erwartungen an das Songwriting des Quartetts steigen, immerhin hatte das Material genügend Zeit, um zur abschließenden Reife zu gelangen.

Eins direkt vorweg: Die Maßgabe des im Pressetext angepriesenen „besonderen Mix aus unterschiedlichen Stilen“ kann die CD nicht halten. Viel eher bewegen sich Taste Of Tears im progressiven Death Metal irgendwo in der Grauzone zwischen Obscura und Opeth, peppen ihren Sound allerdings mit stark vom Power Metal beeinflusstem Klargesang auf.

Warum hier nicht vorhandene Innovationen angepriesen werden müssen, ist nicht ganz klar. Nötig haben die Jungs das nämlich nicht, denn in dem Gebiet, in dem sie sich bewegen, machen sie ihren Job verdammt gut.

Schon der Opener „Ames Room“ knallt gut aus den Boxen und präsentiert direkt eine große Stärke der Band: den Gesang. Statt nur auf Growls zu setzen, versteht es Sänger Ivan Strimer Screams, Growls, Spoken-Word-Passagen und Klargesang exzellent miteinander zu vermischen. Mal werden dunkle Growls von messerscharfen Screams durchbrochen, bevor ein von Klargesang getragener Refrain der Musik eine neue Facette gibt. Auch die Instrumentalisten zeigen in diesem Song bereits ihr Potential, technisch versiert und doch immer im Dienste des Songs agieren Marcus Seebach an den Drums, Gion Alig am Bass und auch Duri Camenisch an der Gitarre.

Mit dem Titelsong „Once Human“ beginnt die stärkste Passage des Albums. Hier gehen Taste Of Tears in Sachen Progressivität noch einmal einen Schritt weiter und warten mit einem tollen Textkonzept auf, das sich innerhalb des Songs kritisch mit der Entwicklung der Menschheit befasst. Generell sind die Texte eine weitere große Stärke der Band. Im Verlauf des Albums werden metaphorisch immer wieder Abgründe der menschlichen Existenz zum Thema genommen und in absolut lesenswerten Lyrics zum Ausdruck gebracht. Hier lohnt es sich immer wieder einmal, das Booklet zur Hand zu nehmen, um den Texten zu folgen.

Auch der nächste Song „Architects Of Downfall“ ist ein Highlight der Platte. Nicht minder progressiv glänzt der Song zusätzlich mit einigen fast hymnischen Gitarrenmelodien und tollen Clean-Gesangs-Passagen.

Im weiteren Verlauf der Platte schleichen sich dann allerdings doch einige Längen in die meist weit über fünf Minuten dauernden Songs ein. Nicht zuletzt liegen diese auch im Klargesang begründet. Zwar besitzt Ivan Strimer eine sehr gute Singstimme, aber auf Albumlänge ist der Klargesang in seiner Intonation und auch im Ausdruck nicht variabel genug. Oft klingen die Clean-Passagen der einzelnen Songs daher austauschbar und trüben den Hörspaß. Auch das Songwriting ist insgesamt nicht ganz so variabel, wie es vielleicht sein könnte. Das generelle Rezept, nach dem die Schweizer ihre Songs kreieren, ist immer sehr ähnlich gehalten und nutzt sich mit zunehmender Spielzeit leider etwas ab. Der ein oder andere stilistische Ausbruch hätte dem Spannungsbogen der Platte sicher gut getan. 

Im Soundbereich kann das Album dann aber wieder punkten und überzeugt mit einer sehr sauberen, definierten und druckvollen Produktion. Ein weiteres Lob gebührt dem Artwort von „Once Human“. Das Booklet kann mit tollen Illustrationen glänzen, fängt die Stimmung der Musik sehr gut ein und unterstreicht so den konzeptuellen Ansatz, den die Band mit dem Album verfolgt. 

Trotz der oben angeführten Kritikpunkte fällt das Gesamtfazit positiv aus. Taste Of Tears bringen eine große Portion musikalisches Geschick mit und liefern mit „Once Human“ ein starkes Debüt-Album ab, das vor allem in der ersten Hälfte überzeugen kann. Fans des progressiven Death Metals sollten definitiv ein Ohr riskieren. Ansonsten bleibt nur abzuwarten, wie sich die Band weiter entwickeln wird, das Potential für eine große Zukunft haben sie in jedem Fall.

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