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Tarja: My Winter Storm

Songs auf hohem Niveau
Wertung: 7/10
Genre: Symphonic Rock, Symphonic Metal
Spielzeit: 60:14
Release: 16.11.2007
Label: Universal Music

Dass Tarja Turunen auch solo musizieren kann, ist nichts Unbekanntes. Dass sie jedoch nach dem Split mit Ex-Band Nightwish einen Weg beschreiten würde, der der musikalischen Ausrichtung von Tuomas Holopainen und Co. zum Teil gar nicht so unähnlich ist, hätten wohl die Wenigsten erwartet. Die Single „I Walk Alone“ deutete es schon an: Statt den Stil ihres 2006 veröffentlichten Albums „Henkäys Ikuisuudesta“ (Hauch vom Himmel) fortzusetzen, lässt Tarja mit „My Winter Storm“ wieder die Gitarren sprechen. In der Single zwar noch zaghaft, im Album dafür stellenweise mit einer Kraft, die den Durchschnittskäufer des Vorgängers entsetzt von der Musikanlage zurückschrecken lassen sollte.

Allerdings liegt die Betonung auf „stellenweise“. Tatsächlich wird die Platte eine ganze Menge unterschiedlicher Geschmäcker treffen. Von instrumentalem Geplänkel über gefühlvolle Balladen hin zu bombastischen Orchestereinlagen und hartem Riffing sind alle Stile vertreten – mit Schwerpunkt auf eher ruhigen Songs und Balladen. Was alle Tracks verbindet, ist die grandiose Stimme von Tarja Turunen. Besonders in den langsameren Nummern kommen die drei Oktaven, die die Sopran-Stimme der klassisch ausgebildeten Sängerin hergibt, voll zur Geltung. Majestätisch und erhaben scheinen die hochemotionalen Vocals über der lediglich begleitenden Musik zu schweben.

Die Single "I Walk Alone", die auch das Album eröffnet, ist ein vergleichsweise schwacher Song, zieht man die nächsten Tracks zum Vergleich herbei. Gleich "Lost Northern Star", an Stelle drei, kommt deutlich dynamischer und kräftiger daher. Die Gitarren sind schwerer, die Stimme variabler und die Gesangslinie weniger poppig. Wie immer kommen auch hier jede Menge orchestrale Elemente zur Geltung. Dazu eine düstere Atmosphäre und der Track wird zu einem der besten des Albums. Vorerst werden die Gitarren allerdings wieder beiseite gelegt, denn der folgende Song "The Reign" kommt komplett ohne sie aus. Breite Streicherflächen betonen Tarjas Stimme und bilden eine ruhige, aber dennoch mitreißende Nummer, die auch in der Oper nicht fehl am Platz wäre. Und das ist kein Einzelfall: "Oasis", der einzige von Tarja selbst komponierte Track, könnte komplett in einen Soundtrack übernommen werden. Kein Wunder: "Ich liebe Filmmusik", kommentiert die Sängerin, "Ich wollte, nein, ich musste unbedingt die dichte Atmosphäre und die Emotionen haben, die ein Soundtrack hervorruft." Und das gelingt Tarja. Wieder sehr ruhig und mit exotischer Instrumentierung, dient die Stimme über weite Strecken lediglich zur Unterstützung der Musik.

Von den zahlreichen Rock/Metal-Balladen, die das Album bietet, sticht besonders "Sing For Me" positiv hervor. Neben den üblichen Streichern kommt hier auch ein Chor zum Einsatz, der der ohnehin sehr emotionalen Nummer noch ein wenig mehr Gänsehaut-Feeling verleiht und der Gesangsstimme zu noch größerer Geltung verhilft. Etwas härter präsentiert sich "My Little Phoenix" auf eine sehr dramatisch und düstere - aber auch wenig eingängige - Weise. "Die Alive" dagegen ist eine schnelle Rocknummer mit poppigem Refrain und gewöhnungsbedürftigem Riffing. Als Singleauskopplung wäre dieser Song wohl auch nicht schlecht geeignet gewesen.

Der härteste Titel kommt fast am Schluss: "Ciarán's Well" drückt als zweitletzter Song nochmal ordentlich auf das Gaspedal. Gänzlich auf orchestrale Elemente verzichtend, setzt man eher auf kräftige Gitarren und Tarjas Stimme. Den Headbanger wird es wenig stören, dass die Gesangslinie nicht besonders stimmig oder eingängig wirkt.

So erlebt der Hörer im ständigen Auf und Ab harte („Ciarán‘s Well“), poppige („I Walk Alone“), mitreißende („The Reign“), rockige („Die Alive“), dramatische („My Little Phoenix“) und klagende („Our Great Divide“) Songs auf hohem Niveau. Zwar zündet ein Großteil davon in verschiedenen Stimmungslagen auf bestimmten Ebenen und weiß somit durchaus zu überzeugen. Doch während zu wenig Abwechslung ermüdend ist, ist zu viel oft anstrengend - und Tarja Turunens Wintersturm tendiert trotz radiotauglichen Songlängen durch die Verschiedenartigkeit der Lieder eher in die zweite Richtung. Es bleibt somit gespannt abzuwarten, inwiefern sich Käufer von den bisherigen Solo-Veröffentlichungen auf die harten Songs einlassen können und was Fans der härteren Gangart zu den klassischen Opernnummern sagen werden. Probehören vor dem Kauf wird dringend empfohlen.

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