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Tarchon Fist: Celebration

Gute Mucke, aber nur eine Zusammenstellung
Wertung: 6,5/10
Genre: Heavy Metal
Spielzeit: 53:16
Release: 05.02.2016
Label: Independent

Das Quintett Tarchon Fist dürfte hierzulande eher absolut eingefleischten Undergroundfans der Italo-Metal-Szene ein Begriff sein, da sollte eine Zusammenstellung unter dem Banner „Celebration“ eigentlich keine schlechte Idee sein, sich auch im eher westlichen Europa vorzustellen, so wohl die Vorstellung. Nur allein: Hier soll uns unter dem Begriff „viertes Album“ etwas vorgegaukelt werden, was dann so nicht unerwähnt bleiben darf. Tatsächlich sind hier Songs des Debüts „Tarchon Fist“ von 2008 sowie „Fighters“ von 2009 neu eingespielt worden, die beiden Lieder „Eyes Of Wolf“ sowie „ It's My World“ waren sogar schon auf der 2007er Zwei-Track-Demo zu finden. Erwähnenswert ist zusätzlich auch noch, dass schon 2011 eine Compilation mit dem Titel „World Of Fighters“ veröffentlicht wurde, auf der eben auch schon so mancher Titel dieser CD aufzufinden war – schon ein bisschen ärgerlich, wenn man das schlichtweg nicht erwähnt und auf Desinformation des Kunden setzt.

Wollen wir dieses aber nicht weiter vertiefen, hier soll jeder sich seine eigenen Gedanken zu machen (seit Jahren reden wir über eine VÖ-Schwemme, da muss doch so etwas nicht wirklich sein; Anm. d. Red.), denn wichtig ist dann schlussendlich ja auch der Inhalt, und der kann sich recht gut hören lassen. Geboten wird europäischer Metal mit reichlich Jungfrauen- und Helloween-Einflüssen, der sich so manches Mal aus dem selbst gestrickten Korsett entfernen will und so z.B. beim Opener „Celebration“, übrigens die wohl einzige neue Nummer auf der CD, eben auch ein wenig an Queensryche erinnert.

Dabei kratzen sie auch ganz gerne mal an Hard-Rock-Welten, wie „Ancient Sign Of The Pirates“ gut aufzeigt. Das rock'n'rollige, am Anfang auch drum- und bassdominierte Grundgerüst gehört zu den Mitmach-Nummern, die auf Liveshows sicher zum absoluten Renner gehören, dabei hätten die Shouts im Hintergrund ein bisschen mehr Saft vertragen. Und wenn ansonsten eher die oben schon zitierten Maiden und Helloween ständig durchschimmern, so haben sicherlich Judas Priest bei „The Game Is Over“ Pate gestanden.

Viel deutlicher aber sind es eben immer wieder die Hanseaten bzw. NWOBHM-Reminiszenzen: doppelte Gitarrenläufe, die auch mal von Maiden abgeschaut wurden, so präsentiert sich „Thunderbolt“, bevor sich dann das Happy-Metal-Feeling durchsetzt, wobei der Track dann am Ende doch etwas zu durchschnittlich daher tönt. Vergessen darf man aber nicht, dass die Italiener auch ein paar richtig gute Trümpfe in der Hand haben. So lässt die schön metallisch melodische Nummer „Eyes Of Wolf“ aufhorchen, da hier sicherlich auch ein paar international bekannte Bands neidisch auf diese gelungen Mischung sind. Spätestens hier wird auch klar sein, dass Frontmann Mirco zu den Guten seiner Zunft gehört, was im Besonderen dann in „ Blessing Rain“ zum Tragen kommt: Klavier am balladesken Anfang, sehr gefühlvoller, leicht schmachtender Gesang, dazu eine dezent akzentuierte Akustikklampfe, doch mehr und mehr entwickelt sich der Song zur Powerballade, da die Gitarren dann doch noch für deutlich mehr Wucht sorgen, wobei der balladeske Charakter erhalten bleibt - Mirco aber kann hier schlichtweg alle seine Stärken ausspielen.

Aber auch so sind ein paar Highlights hier und da versteckt: „Metal Detector“ hat wieder viel Helloween intus und lebt vom starken Refrain, der perfekt zum Mitsingen und Powerfaustschwingen einlädt, „We Are The Legion“ hat einen hymnischen Charakter abbekommen und versprüht eine Menge Lockerheit, bei „Victims Of The Nations“ tackern ein paar satte Drumhiebe zur Einleitung, dann erst steigt Vokalist Mirco ein, die Klampfen mischen erst später auf und Bassist Marco darf ein paar Duftmarken setzen. Doch auch hier ist es die Ohrwurmmelodie, die vollauf punkten kann. Sehr schön auch, wie die Leadgitarre im Refrain eine gegenläufige Melodielinie installiert und der Kinderchor sowie die Whoohoo-Chöre am Ende für ein offenes Stimmungsbild sorgen. Das kann man allerdings nicht von „The Game Is Over (Reprise)“ behaupten, denn dieses finale Gimmick ist schlichtweg überflüssig.

Natürlich darf man nicht aus dem Blick verlieren, dass hier lediglich eine Compilation – wenn auch neu eingespielt – vorliegt, doch auf der anderen Seite zeigen die Fünf von Tarchon Fist auf, dass sie nicht talentfrei in der Metalszene aufkreuzen. Jungs, beim nächsten Mal dann endlich wieder richtig neuen Stoff, Zeit genug war ja da. Gute Musik, zwiespältiger Release.

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