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Taproot: The Episodes

Die Amis überraschen mit ihrer neuen Platte
Wertung: 8/10
Genre: Nu Metal, Alternative Rock
Spielzeit: 42:10
Release: 10.04.2012
Label: Victory Records

Meine Fresse, ist es wirklich schon zwölf lange Jahre her, dass ich mir das Taproot-Debüt “Gift” bis zum Erbrechen angehört habe?! Oder der Nachfolger „Welcome“, der zwei Jahre später folgte: Songs wie „Poem“ oder „Mine“ können doch nicht wirklich schon ein gutes Jahrzehnt alt sein?

Damals waren die Lieder größtenteils geil, aber dadurch, dass Fronter Stephen Richards nicht zu den begnadetsten Sängern des Erdballs gehörte, gab es auch anno 2000 schon genug Material zum Fremdschämen. Ab dem dritten Album „Blue-Sky Research“ verlor die Schreiberin dieser Zeilen die Truppe dann aus den Augen – und jetzt kommt mit „The Episodes“ das mittlerweile sechste Studioalbum der Amis auf den Markt.

Man darf aufmerken: Der Mann hat inzwischen singen gelernt. Sehr erfreulich, dass man nicht mehr den leicht nasalen und auch mal schiefen Oktavenwechseln ausgesetzt ist. Ihre Vorliebe für etwas abstruse Tempowechsel haben Taproot aber keinesfalls verloren, das zeigt „The Episodes“ ganz deutlich. Da kommt man bei dem einen oder anderen Song schon mal durcheinander.

Das neue Album ist aber trotz all der Jahre immer noch einhundert Prozent Taproot. Erstaunlich ruhig sind sie geworden, das muss man ihnen lassen, wenn man an die leicht noisigen Anfänge zurückdenkt, aber immerhin ist zumindest Stephen inzwischen fast näher an der 40 als an der 30, da darf man sich das schon mal erlauben.

Mit „No Surrender“ starten die Herren erstaunlich deftig ins neue Album, die leicht verzerrten Vocals erinnern an die letzten Auswüchse von Adema und damit wäre man auch schon wieder voll im Nu-Metal-Himmel der 2000er. Ein bisschen scheinen die guten alten Deftones hier auch in der Dynamik mitgemischt zu haben, dementsprechend kann man sich den Track bis zum Abwinken anhören, ohne dass er langweilig wird. Nach dem Einstieg muss die Truppe das Niveau erstmal halten.

„The Everlasting“ geht dann als astreine Ballade durch, bar jeglichen Kitsches, sondern einfach nur ein Teppich aus Akustikgitarren und Stephens ruhigem Gesang, der sich im letzten Jahrzehnt ordentlich verbessert hat. Auch das folgende „Around The Bend“ weiß durchweg zu überzeugen – das Stück hätte genauso auch auf „Welcome“ erschienen sein können. Taproot in Reinkultur, wenn man so will.

Erstaunlich ruhig geht die Platte dann mit dem gänsehäutigen „Strange & Fascinating“ in die Zielgerade, was an sich auch eine ganz gute Beschreibung für die Musik der Jungs ist. Dafür, dass Taproot schon gute 15 Jahre als Band auf dem Buckel haben, haben sie ihren Finger immer noch so ziemlich am Puls der Zeit – nichts wirkt hier altbacken, im Gegenteil: Der Song trägt einen richtiggehend davon, vor allem im Refrain kommen die typischen Elemente der Band, nämlich der klare Gesang und die leicht sphärischen Gitarren zum Vorschein. Ein schöner Song, der Hoffnung macht, dass die Band seit ihrem letzten Album „Plead The Fifth“ vor zwei Jahren nicht geschlafen hat.

Ein Fazit lässt sich hier recht schnell ziehen, denn alten Fans wird „The Episodes“ wahrscheinlich geradezu auf der Zunge zergehen. Einige der Songs könnten so wirklich aus der Anfangsphase der Band stammen, nur mit besserem Sound und Gesang ausgestattet. In jedem Fall weckt „The Episodes“ einige Erinnerungen und lässt einen nostalgisch an die gute alte Anfangszeit des Nu Metal zurückdenken.

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