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Tanzwut: Eselsmesse

Konzeptalbum mit etwas Leerlauf
Wertung: 7/10
Genre: Mittelalter
Spielzeit: 45:44
Release: 06.06.2014
Label: AFM Records

Drei Jahre nach ihrem ersten mittelalterlichen Werk „Morus et Diabolus“ schieben Tanzwut das nächste Werk fern der Rockwelt nach. „Eselsmesse“ stellt ein Konzeptalbum dar, welches als Thematik ein aus einer Messparodie entstandenes Narrenfest hat. Hier zog der niedrige Klerus in Tierkostümen aus, um mit zweideutigen Messgesang und Tiergeräuschen dem Narrenbischof Folge zu leisten. Es wurde getanzt, zotige Lieder gesungen, die Messliturgie verulkt und eine Nacht lang durchgedreht. Und „durchdrehen“ ist wohl das Stichwort schlechthin für Tanzwut.

Mit einem Intro starten Tanzwut das Album und geben hier noch eine kurze Erklärung, um was es sich in den folgenden fünfundvierzig Minuten dreht. Das Ganze klingt schon recht angeheitert und damit geht es auch schon direkt hinein in das bunte Treiben, beziehungsweiße direkt weiter mit „Asinum Chorum“. Das erste Instrumentalstück kann auch völlig überzeugen, beschwingt und treibend lädt es sofort zum Tanze ein.

„Der Eselskönig“ folgt und mit ihm wieder ein Vocalsong. Auffällig hierbei, dass sich Teufels Stimmfärbung doch erstaunlich stark von der der Rockformation unterscheidet. Man kann auch nicht sagen, ob besser oder schlechter, aber auf jeden Fall dem Medieval-Genre gut angepasst. Auch wenn es musikalisch starke Anflüge von Zechgesang gibt, ist der Text weit weg vom banalen Trinklied. Stattdessen lauscht man durchdachten Lyrics, die den Titel in hervorragender Art und Weise komplettieren. Mit Julia Bauer und Entr’Act sind hier auch zwei Gastmusiker vertreten, wobei man sich durchaus schwer tut, diese spontan heraus zu hören.

Den beiden nachfolgenden Liedern „Saturnalia“ und „Lux Hodie“ kann man eine gute Qualität bescheinigen, besonders letztgenanntes überzeugt durch seine Tiefe und eine gute Instrumentierung. Dies möchte man von „Rhoslese“ nicht wirklich behaupten, eher schlicht gehalten, hält es wenig Abwechslung bereit. Damit bringt es, wie auch „Siria“ und „Par Deus“, dem es an Spritzigkeit fehlt, etwas Leerlauf auf das Album. Bei diesen Titeln hat man schnell das Gefühl von Wiederholung und fühlt sich nicht wirklich ermutigt, sie mehreren Durchläufen auszusetzen.

War Jule Bauer von Triskilian schon bei „Der Eselskönig“ an der Nyckelharpa zu hören, kommt sie zu „Unsere Nacht“ gleicht doppelt zum Zuge und vervollständigt das Gesangsduett mit Teufel. Damit bringt man einen sehr eindrucksvollen Zwiegesang an den Start, der vor allem durch die Stimme Jules getragen wird. So wirkt der Kontrast aus der klaren Frauenstimme und des etwas knarzig klingenden Teufels sehr faszinierend. Zum Ende hin bekommt der Titel auch noch etwas mehr Schwung, was „Unsere Nacht“ noch einen Zacken interessanter macht.

Mit „Orientis Partibus“ schafft es noch ein unglaublich kräftiger Titel auf das Album, der völlig mitreißt. Hier wird den Instrumenten viel Platz gelassen, um sie im nächsten Momente wieder zu einer großen Dichte heranwachsen zu lassen. Ebenso überzeugend ist der Abschluss von „Eselsmesse“, der mit „Zieh mit mir“ gesetzt wird. Die Nacht der Eselsmesse scheint beendet, die Trommeln erklingen und Teufel bittet mit beschwörendem Gesang, ihm zu folgen. Damit setzt ein Titel den gelungenen Schlusspunkt, der wohl genauso gut bei der Rockformation funktionieren könnte und etwas zwischen diesen beiden Welten verharrt.

Insgesamt legen Tanzwut mit „Eselsmesse“ ein beachtenswertes Konzeptalbum vor, welches nicht nur durchdacht ist, sondern auch über zahlreiche mitreißende Lieder verfügt. Leider gibt es zwischen diesen ansehnlichen Titel immer wieder etwas Leerlauf, was den Gesamteindruck etwas schmälert.

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