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Tankard: Vol(l)ume 14

Zehn Granaten teutonischer Thrashkunst
Wertung: 8.5/10
Genre: Thrash Metal
Spielzeit: 50:42
Release: 17.12.2010
Label: AFM Records

Mit beachtlicher Konstanz liefern Tankard in schöner Regelmäßigkeit im Zwei-Jahres-Rhythmus ein neues Studioalbum ab, und mit „Vol(l)ume 14“ kann auch schon der fünfte Studiorelease in Folge bei AFM Records begossen werden. Im Gegensatz zu unzähligen anderen Bands sind sich die Frankfurter Thrasher allerdings immer treu geblieben, und der Kurskorrekturversuch Mitte der Neunziger wurde schnell eingestampft. Und nun liegt mit „Vol(l)ume 14“ das insgesamt 14. Studioalbum vor, vollgepackt mit zehn Granaten teutonischer Thrashkunst.

Erste Neuerung in 2010: Gitarrist Andy Gutjahr war erstmals für alle Songs im Alleingang verantwortlich, Gerre hatte lediglich das Zepter bei den Arrangements in der Hand. In der Kompositionsphase waren die anderen Schreiberlinge schlichtweg zu langsam und konnten so großartig keine eigenen Ideen einflechten. Doch um es vorweg zu nehmen: Auch diese Scheibe ist wie aus einem Guss, wie ein Caterpillar mit turmhohen Schlappen und einer Metallschaufel, mit der der ganze verkrustete Ohrenschmalz der kompletten Metallerwelt Geschichte wird. Zu allererst muss man die alteingesessenen  tankardschen Hörgewohnheiten in den Main schütten, denn mit dieser Scheibe haben Tankard mit dem neuen Produzenten Michael Mainx gleich auch an einem neuen Sound gefeilt. Bratende Gitarren, die ein Riff nach dem anderen herausfeuern, getragen von einem nicht getriggerten Schlagzeug, und natürlich Gerres unverwechselbares Organ – die Trademarks sind nach wie vor er- und enthalten.

Der Opener „Time Warp“ beginnt zwar noch mit gezupfter Klampfe, die ein wenig vom Schlagzeug in der Spur gehalten wird, und auch die anschließenden harmonischen Gitarrenleads lassen noch ein wenig Entspannung aufkommen, bevor nach eineinhalb Minuten das erste Riffmassaker mit sehr klarem Sound auf die Lauscher einprasselt. Ganz klar eine Zeitreise, keine Anbiederung an neue Sounds, sogar der Griffwechsel, das Rutschen über den Saiten im Intro ist zu vernehmen und nicht herausgefiltert.

Aber auch in „Fat Snatchers (The Hippo Effect)“ wird das Gaspedal ordentlich durchgetreten, Gerre verarbeitet seine Gewichtsreduktion, und die Riffs werden in solch einer Geschwindigkeit herausgefeuert, dass man die Pfunde förmlich purzeln sieht – zumindest auf Live-Konzerten kann hier im Moshpit ein wenig die überzählige Kalorieneinnahme abtrainiert werden. Kurz vor Ende veredelt ein sehr gefühlvolles und melodisches Solo diese Pfundtalfahrt und verführt zum Drücken der Repeat-Taste.

Bei „Somewhere In Nowhere“ hämmert schon früh die Doublebass, nimmt kurz etwas Fahrt heraus, um gleich wieder auf der Überholspur ein Duell mit der Gitarre hinzulegen. Doch Tankard schwelgen nicht nur in Geschwindigkeitsorgien, sondern klagen hier mit stampfenden Rhythmen eindringlich die größte Ölpest der Menschheit an, und auch beim Refrain zu „Black Plague (BP)“ werden immer wieder effektvoll Schlagwörter hervorgehoben – ein perfekter Headbanger mit deutlicher Moralkeule. Tankard sind ja dafür bekannt, immer wieder den Zeigefinger in die gesellschaftlichen Wunden zu legen, und so auch bei „Condemnation“. Zuerst wummert lediglich eindringlich der Bass, und schnell folgt eine Doublebass-Kanonade, die Gitarren schreddern brachial und fett, und mindestens genauso fett bekommt die Boulevardpresse ihr Fett weg.

Doch auch der Spaßfaktor wird erwartungsgemäß von Tankard bedient. Mit leidender Stimme voller Pein gibt Gerre zu verstehen, wie ätzend doch der typische Tagesjob ist, mühsam braten die Gitarren, unterstreichen die banalen Alltäglichkeiten mit gezupfter Gitarre, bevor dann der Metalhead durch aggressive Vocals aufschreckt und messerscharfe Riffs den Alltag aus der Rübe schälen, und 99 Prozent aller Metalheads gleich welchen Geschlechts finden hier eine neue Hymne der Verbundenheit – starker Track, sehr stark sogar.

Den Vogel schießen die Frankfurter aber mit „Beck’s In The City“ ab, ein hammerharter Thrasher mit brutal bratenden Gitarren in klassischer Singlelänge, und mit breitem Lächeln wird beschrieben, wie ein langhaariger Metalhead die hirnlose und oberflächliche Speed Dating-Peinlichkeit düpiert.

Mit „Vol(l)ume 14“ beweisen Tankard auch in der Neuzeit, dass neben dem Spaßfaktor ferner kontroverse Themen die zunehmend politiklose Landschaft im Musikzirkus bereichern können, und auch wenn die CD ganz sicher mehr als einen Durchlauf braucht, um wirklich zu zünden, was ganz offenkundig am veränderten Sound liegt, so liegt mit diesem Werk ganz gewiss schon jetzt ein Top 5-Album der Tankard-Discographie vor. Und wenn die Frankfurter die Ankündigung wahr machen, den auf dem Cover abgebildeten Kasten entgegen aller Gepflogenheiten noch vollzuspielen, dann brauchen sich Fans der Teutonenthrasher auch um die Zukunft der Band keine Gedanken machen – mit „Vol(l)ume 14“ preschen Tankard den meisten Trashbands einmal mehr wieder davon und lassen nur noch Staub zurück - darauf dann eine Gerstenkaltschale.

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