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Systr: Gazole

Eine wirkliche Electro-Überraschung
Wertung: 8/10
Genre: Dark Electro, Gothic Rock
Spielzeit: 44:44
Release: 25.11.2011
Label: SG Records

Elektronische Musik ist ein Gebiet, bei dem man extrem viel falsch machen kann - es mag blöd klingen, aber viele Bands aus diesem weiten Bereich klingen einfach zu künstlich; die Kunst besteht nämlich allein darin, selbst in größtenteils künstlich erzeugte Musik die richtigen Emotionen einfließen zu lassen. Generationen von Dark-Electro-, EBM-, Industrial- und auch Techno- und Hardstyle-Künstlern haben sich daran die Finger blutig geübt und die Haare gerauft ob ihrer eigenen Unfähigkeit. Und ausgerechnet, wenn man als Rezensent und Fan das Gefühl hat, dass die Electro-Bewegung gerade ein wenig stagniert, fällt einem das neue Album von Systr vor die Füße.

Die vier Franzosen mit den passenden Pseudonymen Bagger (Vocals, Programming), Testosterone (Gitarre), Maverick (Drums, Programming) und Kerozen (Vocals, Keyboards) befreien sich auf ihrem ersten (!) Album von gängigen Klischees und schweben so irgendwo in der breiten Nische zwischen Gothic Rock à la Deathstars und clubtauglichen Electro-Beats. Dabei liegt das Quintett in den seltensten Fällen daneben: Die zehn Tracks auf "Gazole" kann man sich fast durchgehend anhören, ohne auch nur an die Skiptaste zu denken. 

Der Titeltrack stellt auch gleich den Opener, der mit näher kommenden dumpfen Beats eingeleitet wird, im ersten Moment erinnert der Song fast ein wenig an The Prodigy, im Verlauf nimmt er immer mehr Tempo an und fegt garantiert über sämtliche Tanzflächen wie ein Hurrikan. So ein Einstand muss erst einmal getoppt werden, da haben es sich Systr nicht unbedingt leicht gemacht.

Ein Grinsen kann man sich dann beim zweiten "DBMB" beim besten Willen nicht verkneifen. Einer der Sänger klingt frappierend wie Deathstars-Fronter Whiplasher, nur mit französischem Akzent. Entsprechend glänzt der Song mit einer Kombination aus rockigen Gitarren und treibenden Beats, während "The Race" fast ein bisschen in Richtung Electropop tendiert, allerdings bilden auch hier wieder flächige Gitarren ein solides Fundament. "Point Break" mag gesangstechnisch etwas gewöhnungsbedürftig erscheinen, dafür kann man sich direkt beim Intro vorstellen, wie die Leute in einem Club zu dem Song abgehen und selbst daheim in den eigenen vier Wänden kann man nur schwer stillsitzen. Einzig "Sportswear (Dead Or Alive)" kann, nein, sollte weggeskippt werden. Zu Anfang mag der Song noch wie eine harmlose Nintendomelodie wirken, auch die Gitarren kommen wirklich gut rüber, aber der Sprechgesang mit französischem Nuschelunterton vergällt einem dann selbst die ziemlich coolen Hintergrundschreie.

"Remaining Silence" repräsentiert die etwas fragilere Seite von Systr; sehr schöner weiblicher Gesang wird mit perlenden Synths kombiniert, das Ganze steigert sich schnell, bis der Song wieder zum kristallklaren Tenor des Intros heruntergeschraubt wird. Der Track fällt völlig aus dem sonstigen Rahmen der Platte, bleibt aber natürlich genau deshalb im Gedächtnis hängen und ist auch tatsächlich mit der beste Track der ganzen Scheibe. Mit dem finalen "Superheroes" legen die Franzosen noch einen richtig schönen Dancefloor-Filler nach - auch hier gibt ess wieder den tiefen Gesang, tanzbare Beats und die Gitarren, die dem Ganzen das rockige Flair verpassen.

Fazit: Systr sollte man auf jeden Fall im Auge behalten und auch in den einschlägigen Clubs einmal die Ohren aufsperren, ob man nicht den ein oder anderen Song von "Gazole" zu hören bekommt. Beim Hören des Debüts wartet man schon gespannt auf die nächste Scheibe "Megamachines", an der schon fleißig gearbeitet wird. Systr wollen dem tanzhungrigen Publikum scheinbar keine Verschnaufpause lassen.

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