Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Syranic: The Windscale Inception

Da kommt Großes auf uns zu!
Wertung: 9/10
Genre: Modern Metal, Metalcore
Spielzeit: 19:32
Release: 26.05.2010
Label: Eigenproduktion

Regelrecht fies ist das, wie einen das Frontcover von Syranics „The Windscale Inception“-EP hinters Licht führen kann. Erwarten kann man bei diesem Bild alles Mögliche, von Hardcore über Emocore – was man letztendlich bekommt, zieht einem aber buchstäblich die Schuhe aus. Damit hätte die Rezensentin im Leben nicht gerechnet: Von der ersten Sekunde an wird das Trommelfell durchgebügelt, die Drums wummern, dass die Wände wackeln, die Gitarren zerfräsen Hirnlappen und Möbelstücke und die Vocals – was sage ich über die Vocals? Ich bin sprachlos. Dagegen kann selbst Anders Fridén, seines Zeichens Schizo-Frontröhre der sehr geschätzten In Flames, beinahe einpacken - wow. Was Frontmann Julian Parusel hier abzieht, grenzt an auditiven Selbstmord. Den Namen sollte man sich definitiv ins Merkheft schreiben und rot einkringeln.

Übrigens gibt es hier neben großartiger Musik auch einiges an Prominenz zu entdecken: Niemand geringeres als ex-Killtribe-Saitenhexer Hendrik Kröger zeichnet sich nämlich für die Aufnahme und Produktion der EP seines Hauptprojekts verantwortlich und der Sound ist glasklar, wie man es von ihm nicht anders gewohnt ist – schließlich hat er auch die „I Am Human“-EP seiner ehemaligen Band veredelt, die bei uns direkt 9,5 Punkte einsackte. Außerdem wurde Helge Jansen, der in der Vergangenheit mit den Kölnern 10 Fold B-Low einige Lorbeeren einheimsen konnte, als Studiobassist eingesetzt – da kann kaum noch etwas schief gehen.

Auf Namen ruhen sich die Aachener freilich gar nicht erst aus – von der ersten Minute bei „Endless Open End“ bis zu den Schlussakkorden von „Death Facility One“ wird drauflos geschreddert, geschrien und geholzt, dass es eine wahre Freude ist und man kaum weiß, wo man die ganzen Eindrücke hinpacken soll. Vielleicht ist es am einfachsten, sich die Einflüsse des Quintetts anzuschauen: Klar ist, dass Bring Me The Horizon und Mnemic in der Liste zu finden sind. Das hätte man sich allein bei den ausgeklügelten Songstrukturen denken können. Auch keine Überraschung ist, dass die oben bereits erwähnten In Flames ebenso als Inspiration angegeben werden wie Killswitch Engage. Wenn man sich bei dieser Auflistung die Finger leckt, kann man auf die Scheibe echt gespannt sein.

Der Opener knallt direkt gewaltig, Julian klingt wie eine Mischung aus dem früheren Mnemic-Sänger Michael Bogballe und Anders Fridén, dabei wird mal offen und aggressiv gegrowlt und mal eher verzerrt im Hintergrund geschrien – eine Kombination, die einen extrem beklemmenden Eindruck hinterlässt, erst recht gemeinsam mit den kristallklaren Gitarrenläufen. Eingestreuter klarer Gesang lockert dann die Atmosphäre ein wenig auf, dennoch fühlt man sich nach dem ersten Stück bereits ein bisschen durchgeschleudert.

Selbst, wenn kein Gesang am Start ist, kann man sich an großartigen Gitarrenspielereien erfreuen, die die Nackenmuskulatur zum Bersten bringen und die Haare schon beim ersten Ton verknoten – live machen die Jungs sicher noch mehr her als auf Platte, falls das möglich ist. „Nemesis“ groovt dann in bester Chimaira-Manier nach vorne und obwohl der klare Gesang hier nicht hundertprozentig zu gefallen weiß, können die fies geshouteten Strophen umso mehr überzeugen.

Könnte man bei den vorherigen Songs noch von moderner angelegtem Melodic Death Metal sprechen, blitzen bei „The Mindscale Inception“ zeitweise ganz kurz schwarzmetallische Anleihen durch. Julians Schreie gehen nicht nur durch Mark und Bein, sondern verschaffen dem geneigten Hörer fast schon eine Gänsehaut vor Begeisterung. Dazu kommt hier der erstaunlich variabel eingesetzte klare Gesang – großartig!

Ein Fazit ist fast unnötig. Mehr als ein überraschtes Grinsen bekommt man hier sowieso nicht über die Lippen. Wenn die Jungs mit dermaßen viel Elan und Begeisterung an ihre erste (!) Full Length-Platte herangehen, erwartet uns auf jeden Fall Großes im Modern-Metal-Sektor. Einzigen Abzug gibt es für den teils ein wenig unpassenden klaren Gesang, aber das ist Geschmackssache – ansonsten ist es eine brilliante Scheibe, die mit knapp zwanzig Minuten Spielzeit auch mal ein paar Stunden in der Endlosschleife gehört werden sollte.

comments powered by Disqus

Werkschau einer der größten und einflussreichsten Rockbands aller Zeiten

Wie mit einer Ex-Freundin

Willkommen in der Husumer Sauna