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Syn Ze Șase Tri: Zăul moș

Ohne Keyboard wäre nicht viel da
Wertung: 5/10
Genre: Pagan Black Metal
Spielzeit: 59:35
Release: 29.09.2017
Label: Code666

Moment! Das Gekeife des Eröffnunglieds, „Tărîmu de lumină“ erinnert doch irgendwie ein wenig an Agathodaimon. Kurzer Blick ins Infomaterial und die Erklärung ist da: Syn Ze Șase Tri sind Rumänen und schreiben ihre Texte allesamt in ihrer Heimatsprache. Wer sich noch erinnert: Agathodaimon hatten einen rumänischen Schreihals, der ebenfalls einige Texte in seiner Muttersprache „sang“, daher rührt der Eingangsgedanke, denn die Verwendung dieser Sprache im Metal hat hierzulande doch noch Exotenstatus mit Wiedererkennungswert.

Aber zurück zum kürzlich veröffentlichten Album „Zăul moș“. Die Kapelle mit dem sperrigen Namen holt sich die Inspiration für Ihre Musik aus transylvanischen Mythen und dakischen Legenden (Daker = antikes Volk, welches im heutigen Rumänien lebte, bevor es von den Römern platt gemacht wurde; Anm. d. Red.). Diese Geschichten müssen einiges an Erzählstoff hergeben, denn der Opener ihres vierten Albums hat gleich mal eine Länge von über zehn Minuten. Zehnminütige Songs können saugeil sein, wenn es gute zehnminütige Songs sind. „Tărîmu de lumină “ ist weder saugeil noch gut. Das muss man leider so sagen, auch wenn es nicht ganz so schlimm ist, wie sich das vielleicht liest. Es sind definitiv gute Ansätze vorhanden und geboten wird auch alles, was man gemeinhin von Pagan Black Metal mit Folk-Einflüssen erwartet…wirklich alles.

Genau dort liegt auch das Problem. Syn Ze Șase Tri haben in dieses Stück einfach zu viel hineingepackt. Da haben wir den zunächst rauen, aggressiven Beginn untermalt mit den rumänischen Vocals, welcher noch durchaus überzeugt, denn das Rumänische eignet sich grundsätzlich sehr gut zur Begleitung düsterer und/oder aggressiver Musik. Mysteriös gesprochene Abschnitte, klassischer Heavy-Metal-Gesang und episch-emotionale Vocals, viel Keyboardbombast, treibende Gitarren, Schlagzeug in jedweder Geschwindigkeit und und und. Syn Ze Șase Tri packen immer noch einen drauf und das wird am Ende dann doch zu viel und wirkt etwas konfus.

Zum Glück sind die folgenden acht Songs deutlich kürzer ausgefallen. Diese setzen sich ebenfalls aus den bereits genannten Elementen (Keyboardbombast, treibende Gitarren und und und) zusammen, gewinnen aber gegenüber dem Eröffnungslied durch ihre Kürze, aufgrund derer sie nicht ganz so überladen wirken. Im weiteren Verlauf des Albums kommen auch immer wieder weitere musikalische Variationen auf. So zum Beispiel der Frauengesang im Titelstück. Der könnte so auch beim Eurovision Song Contest auftauchen, oder ist es vielleicht sogar schon.

Genreeinordungen sind immer sehr subjektiv zu sehen, aber ob die von der Band gewählte Bezeichnung Pagan Black Metal zutrifft, könnte man diskutieren. Sinfonischer Power Metal mit viel Bombast und größtenteils aggressiven Vocals wäre eine treffendere Einordnung. Aber das sind Spitzfindigkeiten, die nichts mit der Qualität der Musik zu tun haben.

Eine kritische Frage muss nun noch gestellt werden. Wir befinden uns hier ja noch immer im Großbereich „Metal“. In diesem sollten doch Gitarren das tragende Element sein, oder? Nimmt man Syn Ze Șase Tri das Keyboard weg, dann bleibt von den neun Lieder kaum etwas übrig. Fazit: Nun ist „Zăul moș“ keinesfalls für die Tonne. Es wird auch seine Anhänger finden, aber eine Empfehlung kann an dieser Stelle einfach nicht ausgesprochen werden. Sorry.

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